Tennessee Williams

Tennessee Williams: Die Glasmenagerie

Akademietheater 12.4. 18

Regie: David Bösch

Amanda Wingfield, die Mutter: Regina Fritsch
Laura Wingfield, ihre Tochter: Sarah Viktoria Frick
Tom Wingfield, ihr Sohn: Merlin Sandmeyer
Jim O’Connor, ein netter junger Mann: Martin Vischer

David Bösch ist ein im besten Sinne literarischer Regisseur. Wenn ein Theatertext Ruhe braucht, wird er von ihm nicht mit unzähligen Regieideen überschüttet. So bekomme ich an diesem Abend endlich wieder einmal hervorragendes Literaturtheater präsentiert. Es passt alles: Der schäbige Dachboden als Bühnenbild, auf den ab und zu der Regen prasselt. Die Schauspieler(innen) liefern ausnahmelos tadellose Interpretationen ab. Regina Fritsch kann ihre dramatischen Stärken ebenso ausspielen wie Sarah Viktoria Frick ihren Hang zu Außenseitern. Merlin Sandmeyer nimmt man das Leiden an seinem langweiligen Leben auch von Anfang an ab. Martin Vischer gibt O’Connor als bürgerliche Kontrastfigur, auch wenn er ökonomisch nicht viel besser dasteht als sein Bekannter Tom.

Die Glasmenagerie wurde 1945 uraufgeführt und eine Nebenerkenntnis des Stücks ist, dass sich in Sachen sozialer Absicherung in den USA seit 1945 nichts Grundsätzliches verbessert hat. Ein gelungener Theaterabend.

Tennessee Williams: Endstation Sehnsucht

Burgtheater 4.2. 2012

Regie: Dieter Giesing

Blanche: Dörte Lyssewski
Stella: Katharina Lorenz
Stanley: Nicholas Ofczarek
Mitch: Dietmar König

Das 1947 uraufgeführte Südstaaten-Drama ist ein höchst publikumswirksames Stück. Burgtheater-Direktor Matthias Hartmann, dessen Vertrag kürzlich verlängert wurde, setzt für die große Bühne des Hauses letzthin fast ausschließlich auf Publikumsmagneten und scheut sich auch vor schlechtem Boulevard wie Woody Allens Eine Mittsommernachts-Sex-Komödie nicht zurück. Im neuen Burgtheater-Magazin wird das Publikum um Geduld gebeten. Jeder wird es sehen können in den nächsten Monaten…

Der Fairness halber sei erwähnt, dass auf den kleineren Bühnen des Hauses (Kasino!) oft exzellentes Theater geboten wird. Mehr ästhetischer Wagemut wäre aber auch für das Burgtheater zu wünschen.

Endstation Sehnsucht ist ein packendes Psychodrama. Blanche Dubois kreuzt unerwartet bei Ihrer Schwester Stella auf, die aus dem vornehmen Familien-Gutshaus ins Bett eines Alpha-Proleten mit polnischem Migrationshintergrund flüchtete: Stanley Kowalski. Zwischen der (scheinbar) kultivierten Blanche und dem (offensichtlich) unkultivierten Stanley beginnt ein Konflikt, der am Ende in einer Vergewaltigung endet. Im Laufe der Zeit stellt sich heraus, dass Blanche alle belog, und sich seit einiger Zeit als eine Art bessere Prostituierte durchs Leben schlägt. Nicholas Ofczarek gibt einen so überzeugenden Proleten, dass die Grenze zur Karikatur ab und zu überschritten wird. Ein Hauch Ironie und Ambivalenz hätte nicht geschadet!

Das Stück wird handwerklich (Charakterdarstellung!) auf der für dieses tragische Kammerspiel eigentlich viel zu großen Bühne hervorragend heruntergenudelt. Die Inszenierung ist auf uninspirierte Weise klassisch. Am Ende fühlt man sich passabel unterhalten. Ein erstklassiges Theatererlebnis sieht anders aus.

Tennessee Williams: Die Katze auf dem heißen Blechdach

Burgtheater 4.12.04
Regie: Andrea Breth
Big Daddy: Gert Voss
Big Mama: Elisabeth Orth
Brick: Markus Meyer
Margaret: Johanna Wokalek
Gooper: Cornelius Obonya
Mae: Sabine Haupt

Die Theaterkritikerschaft bewegte sich in den vor ein paar Tagen zu lesenden Rezensionen auf der Skala „lau“ bis „brillant“ (NZZ). So ging ich, ein Fehler den ich öfters mache, mit großen Erwartungen ins Burgtheater. Die erste Stunde war enttäuschend lau, und die Exposition mit Brick und Maggy hatte zahlreiche Längen. In der Pause drohten die noch folgenden zweieinhalb Stunden also mit auszusitzender Langeweile.

Weit gefehlt! Mit dem Auftritt eines bestens disponierten Gert Voss als Big Daddy gewann das Stück schnell an Fahrt. Das lange Gespräch zwischen ihm und seinem alkohlkranken Sohn Brick war nicht nur psychologisch hochgradig spannend. Ein beeindruckendes Finale schloss sich an.

Andrea Breth zeigt wieder einmal, dass sie zu den besten Regiekünstlern gehört. Wenn die erste lange Stunde nicht wäre, könnte man die Aufführung nicht genug loben.

Tennessee Williams: Die Nacht des Leguan

Akademietheater 6.2.03
Regie: Peter Zadek
Maxine Faulk: Eva Mattes
Shannon: Ulrich Tukur
Hannah Jelkes: Angela Winkler

Man sollte meinen, knapp vier Stunden Theater seien genug, um sich ein Urteil über ein Stück zu bilden. Weit gefehlt. Im Viertelstundenrhythmus änderte sich mein Eindruck. Fest steht jedenfalls: Das Werk trägt keine vier Stunden Theater. Außerdem ist es „mittelmäßig“, was weniger negativ gemeint ist, als es klingt.

Die Schwächen des Stücks sind ziemlich offensichtlich: Die auf der Bühne zur Sprache kommende Psychologie und „Philosophie“ ist erstaunlich platt, die dazu gehörige Symbolik (etwa der Leguan) von einer enervierenden Aufdringlichkeit. Je abstrakter die Dialoge werden, desto dümmer die Inhalte.

Trotzdem sind die Figuren, wenn sie sich nicht gerade gegenseitig analysieren, psychologisch interessant. Man kann Williams nicht vorwerfen, er verstünde es nicht, komplexe Charaktere auf die Bühne zu stellen.

An der Inszenierung gibt es wenig auszusetzen. Peter Zadek hat eine ziemlich realistische Urwaldhütte auf die Bühne stellen lassen. Schauspielerisch war sie von einer Qualität, wie man es sich im Burgtheater immer wünschte.

Fazit: Ein mittelmäßiges Stück in einer sehr guten Aufführung. Es war mein erster Kontakt mit Tennessee Williams und derzeit verspüre ich kein Bedürfnis, diese Bekanntschaft zu vertiefen.

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"Aber das Internet ist nicht schuld daran, dass Zeitungen reihenweise ihre Literaturseiten „gesundschrumpfen“. Vielmehr hat es das Monopol der traditionellen Medien auf seriöse Literaturkritik gebrochen. Blogs wie die „Notizen“ des promovierten österreichischen Literaturwissenschaftlers Christian Köllerer (koellerer.net) zeigen: Es gibt genug Qualität, man muss sie nur suchen."
(5. Januar 2013)

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