Puccini

La Boheme

Wiener Staatsoper 14.3.18

Dirigentin: Speranza Scappucci
Regie und Bühnenbild: Franco Zeffirelli

Rodolfo: Jean-François Borras
Mimì: Anita Hartig
Marcello: Orhan Yildiz
Musetta: Valentina Nafornita
Schaunard: Igor Onishchenko
Colline: Jongmin Park
Benoit: Marcus Pelz
Alcindoro: Marcus Pelz

Musikalisch makellos in einer peinlich verstaubten Inszenierung. Mehr ist nicht zu sagen.

Puccini: La Fanciulla del West

Wiener Staatsoper 30.11. 2016

Regie und Licht: Marco Arturo Marelli
Dirigent: Mikko Franck

Marco Arturo Marelli | Bühnenbild
Dagmar Niefind | Kostüme

Minnie: Eva-Maria Westbroek
Sheriff Jack Rance: Tomasz Konieczny
Dick Johnson (Ramerrez): José Cura
Nick: Joseph Dennis
Ashby: Alexandru Moisiuc

Ein Western als italienische Oper? Puccini wagt dieses Experiment. Gewöhnungsbedürftig ist es auf jeden Fall, passt der italienische Operngesang mental doch so gar nicht zum Wilden Westen, wo wir spätestens seit dem Italowestern wortkarge Antihelden erwarten. Dieser Kontrast macht natürlich den großen Reiz des Werks aus. Wie schon in Madame Butterfly spielt Puccini hier gekonnt die Karte des Exotischen aus. Viele Elemente des Wilden Westens sind großzügig vertreten: Whisky, Goldsucher, Sheriff & Banditen, eine Wirtin mit Herz. Angereichert ist das Libretto freilich noch mit einer dramatischen Liebesgeschichte. Narrativ ist das für eine Oper durchaus gekonnt zu Papier gebracht.

Die Inszenierung zählt zu den gelungensten, die derzeit in der Staatsoper zu sehen sind. Sie setzt auf einen gemäßigten Realismus (auch in den Kostümen), was gut zur Atmosphäre des Stückes passt. Musikalisch ist der Abend ebenfalls hervorragend. Speziell Konieczny kannte ich bisher nur als exzellenten Wagnersänger und hätte nicht gedacht, dass er auch im italienischen Fach so gut glänzen kann.

Turandot

Wiener Staatsoper 7.9. 2016

Dirigent: Marco Armiliato
Regie: Arturo Marelli

Turandot: Lise Lindstrom
Timur: Dan Paul Dumitrescu
Calaf: Marcello Giordani
Liù: Olga Bezsmertna

Puccini starb, bevor er Turandot abschließen konnte. Das Ende der Oper ist auch deshalb kein Glanzstück, weil die plötzliche Wandelung der grausamen und kaltherzigen Prinzessin Turandot in eine heißblütige Julia völlig unglaubwürdig ist. Überhaupt ist das Libretto mit seiner Mischung aus Märchen und Brutalität stellenweise misslungen. Dieses Misslingen transponiert Arturo Marelli in seine Inszenierung, wo zirkushafte Einlagen mit Clowns und Akrobaten so gar nicht zu den prominent platzierten abgeschlagenen Köpfen passen wollen.

Vokal war der Abend hervorragend. Das Wiener Staatsopernorchester war dagegen hörbar noch in der Sommerpause. Auch der Chor neigte zur klanglichen Schwammigkeit. Insgesamt aber ein akzeptabler Opernabend.

Puccini: Madama Butterfly

Staatsoper 22.4. 2015

Dirigent: Philippe Auguin
Regie: Josef Gielen

Cio-cio-san, genannt Butterfly: Hui He
B.F.Pinkerton: Jorge de Leon
Sharpless: David Pershall
Suzuki: Monika Bohinec
Kate Pinkerton: Lydia Rathkolb
Goro: Thomas Ebenstein
Yamadori: Peter Jelosits
Onkel Bonze: Alexandru Moisiuc
Kaiserlicher Kommissär: Yevheniy Kapitula

Madame Butterfly zählt nicht zu meinen bevorzugten Puccini-Opern, obwohl sie interessante historische Dimensionen eröffnet. Die vom amerikanischen Offizier Pinkerton arrangierte Scheinehe mit einer ehemaligen japanischen Geisha spricht in Sachen Kolonialismus ohnehin für sich. Sie konvertiert für ihn sogar zum Christentum und wird dafür von einem aufgebrachten Bonzen samt Mob zur Rede gestellt: Ein deutlicher Seitenhieb auf religiöse Intoleranz. Gleichzeitig entspricht das treue und geduldige Warten der Butterfly auf die vermeintliche Rückkehr ihres Mannes auch heute noch dem Frauenbild in unaufgeklärten Gesellschaften.

Musikalisch war der Abend hoch erfreulich. Hui He ist nicht nur stimmlich beeindruckend, sondern auch schauspielerisch auf der Höhe ihrer Rolle. Vokale Schwächen gibt es auch bei den anderen Beteiligten nicht. Auch das Staatsopernorchester liefert ein differenziertes Klangspiel.

Puccini: Tosca

Wiener Staatsoper 31.01. 2012

Diriginet: Marco Armiliato
Floria Tosca: Martina Serafin
Mario Cavaradossi: Aleksandrs Antonenko
Baron Scarpia: Ambrogio Maestri
Cesare Angelotti: Ryan Speedo Green

Makellos mit einem überraschend präsentem Ambrogio Mastri!

Wiener Staatsoper 19.11. 2012

Dirigent: Philippe Auguin
Regie: Margarethe Wallmann

Floria Tosca: Emily Magee
Mario Cavaradossi: Neil Shicoff
Baron Scarpia: Falk Struckmann

Viel spricht dafür, Tosca als Höhepunkt und Abschluss der klassischen italienischen Operntradition zu verstehen. Weist sie doch nicht nur alle musikalischen Stärken des Genres auf, was melodiösen Einfallsreichtum und Emotionalisierung betrifft, sondern transzendiert diese italienische Opernästhetik gleichzeitig, in dem Puccini „wagnerianische“ Stilmittel einsetzt.
Bereits Verdi komponierte „politische“ Opern, die auf klassischen Vorlagen von Schiller und Shakespeare beruhen. Puccini griff für Tosca auf ein Stück von Victorien Sardou zurück. Das Ergebnis ist kompromissloses Antidiktatoren-Musiktheater, dessen politischer Gehalt ausgezeichnet die melodramatischen Elemente der Musik ausbalanciert. Balance ist auch das Stichwort was die perfekte Verknüpfung von Arien, Rezitativen und Chören angeht.
In der Staatsoper wird die Oper selbstverständlich hoch konservativ inszeniert, ist sie doch eine der ältesten im Repertoire. Seltsamerweise störte mich das an diesem Abend gar nicht. Shicoff ließ vorsichtshalber ankündigen, dass er noch etwas erkältet sei, sang seinen Part aber ebenso makellos wie Emily Magee ihre Tosca. Großartig und überzeugend gab Falk Struckmann den Bösewicht Scarpia. Das Orchester versuchte tapfer und überwiegend erfolgreich, mit dem vokalen Niveau mitzuhalten. Ein fast perfekter Opernabend!

Puccini: La Boheme

Wiener Staatsoper 12.10.

Dirigent: Constantinos Carydis
Rodolfo, ein Poet: Joseph Calleja
Marcello, Maler: Markus Eiche
Mimì: Krassimira Stoyanova
Musetta: Ildikó Raimondi

Zu sehen und zu hören war eine sehr solide Repertoire-Aufführung, die ich hier mehr der Vollständigkeit halber erwähne. Allerdings sind erstklassige „normale“ Opernabende an der Staatsoper keine Selbstverständlichkeit mehr, so dass dieser durchaus Lob verdient.

Das Ensemble sang homogen auf hohem Niveau und auch das Staatsopernorchester war hörenswert. Das Bühnenbild und die Inszenierung gehören freilich längst in ein Museum.

Puccini: La Boheme

Wiener Staatsoper 24.2.

Dirigent: Constantinos Carydis
Inszenierung und Bühnenbild: Franco Zeffirelli
Kostüme: Marcel Escoffier
Chorleitung: Thomas Lang

Rodolfo: Ramón Vargas
Schaunard: Eijiro Kai
Marcello: Boaz Daniel
Colline: Dan Paul Dumitrescu
Benoit: Alfred Šramek
Mimì: Krassimira Stoyanova
Musetta: Simina Ivan
Alcindoro: Alfred Šramek

Sukzessive arbeite ich mich durch das Schlagerrepertoire der italienischen Oper, weshalb ich mir die 374. Aufführung dieser Inszenierung ansah. Wie diese Zahl dezent andeutet, handelt es sich um keine frische Regie. Im Vergleich mit anderen verstaubten Konkurrenten des Hauses, kann sie aber gut bestehen. Das Elend des Künstlerlebens wird so realistisch im Bühnenbild umgesetzt, dass Gerhart Hauptmann seine Freude daran gehabt hätte. Vermutlich mutig von Zeffirelli damals, dass er einige Szenen in malerischem Halbdunkel spielen lässt.

Musikalisch war der Abend überraschend erstklassig. Zwar sparte das Staatsopernorchester nicht an breiten Klängen, die gesangliche Leistung war aber durchgehend großartig. So kamen die Puccini-Schlager mit dem gehörigen Nachdruck über den Graben, sehr zur Begeisterung des Publikums. Popmusik auf hohem Niveau, die man sich ab und zu gönnen darf.

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(5. Januar 2013)

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