Musil

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Musil und Trump

In der Los Angeles Review of Books schreibt David Auerbach einen ausgesprochen ungewöhnlichen Artikel mit dem hübschen Titel Make America Austria Again: How Robert Musil Predicted the Rise of Donald Trump. Darin beschäftigt er sich ausführlich mit den Parallen zwischen Donald Trump und Christian Moosbrugger. Lesenswert.

Die ersten Bände der neuen Robert-Musil-Ausgabe

Auf die neue Gesamtausgabe der Werke Musils wies ich bereits an anderer Stelle hin. Hier nur der kurze Hinweis, dass nun die ersten beiden dicken Bände erschienen sind. 38 Jahre nach der letzten Edition!

Mann ohne Eigenschaften 1: Erstes Buch, Kapitel 1-75

Mann ohne Eigenschaften 2: Erstes Buch, Kapitel 76-123

Vom großzügigen Satzspiegel her sicher die bisher best lesbare Buchausgabe dieses grandiosen Romans.

Die neue Robert-Musil-Ausgabe ab Herbst 2016

2009 erschien die im Wesentlichen von Walter Fanta erarbeitete Klagenfurter Musil-Gesamtausgabe. Sie hat aus Sicht der Leser allerdings einen maßgeblichen Schönheitsfehler: Es handelt sich um eine DVD. So erfreulich die Verfügbarkeit eines zuverlässigen Textes für die Literaturwissenschaft auch sein mag, eines der wichtigsten literarischen Werke des 20. Jahrhunderts muss auch in Buchform verfügbar sein. Diesen Wunsch äußerte ich bereits 2010 in meiner Rezension der digitalen Ausgabe.

Nun ist es endlich soweit! Im Salzburger Jung und Jung Verlag erscheint ab dem Herbst 2016 eine zwölfbändige neue Leseausgabe. Nach meinen Recherchen veröffentliche ich diese Informationen hier exklusiv zum ersten Mal.

Der Editionsplan sieht folgendermaßen aus:

Band 1 – Der Mann ohne Eigenschaften 1 (Herbst 2016)
Band 2 – Der Mann ohne Eigenschaften 2 (Herbst 2016)
Band 3 – Der Mann ohne Eigenschaften 3 (Frühjahr 2017)
Band 4 – Der Mann ohne Eigenschaften 4 (Herbst 2017)
Band 5 – Der Mann ohne Eigenschaften 5 (Frühjahr 2018)
Band 6 – Der Mann ohne Eigenschaften 6 (Herbst 2018)
Band 7 – Selbstständige Veröffentlichungen (Frühjahr 2019)
Band 8 – Unselbstständige Veröffentlichungen 1 (Herbst 2019)
Band 9 – Unselbstständige Veröffentlichungen 2 (Frühjahr 2020)
Band 10 – Fragmente aus dem Nachlaß (Herbst 2020)
Band 11 – Tagebuchhefte (Herbst 2021)
Band 12 – Briefe von und an Robert Musil (Herbst 2022)

Ergänzt werden die Bücher durch zahlreiche Online-Informationen wie einer Konkordanz und einem Stellenkommentar.

Die Preise pro Band sind noch nicht bekannt.

Mit Robert Musil in Wien

So heißt eine von der ZEIT angebotene Studienreise, auf die ich als großer Musilfreund hier natürlich hinweisen muss.

Ignanz Kirchner liest den „Mann ohne Eigenschaften“

Jeden ersten Sonntag eines Monats wird Ignanz Kirchner aus Musils großartigem Roman Der Mann ohne Eigenschaften im Foyer des Burgtheaters vorlesen. Der erste Termin ist am 6. Oktober.

Zu meiner MoE-Notiz.

Robert Musils Werke als Ebook

In meiner Rezension der neuen digitalen Musilausgabe – Die Edition für das 21. Jahrhundert – beklagte ich, dass es seine Werke noch in keinem standardisierten Ebook-Format gäbe. Nachdem ich meine Lieblingsklassiker fast alle immer auf meinem Kindle unterwegs dabei habe, vermisste ich den geistreichen Mann ohne Eigenschaften schmerzlich.

Nach Ablauf des Urheberrechts gibt es nun endlich eine Epub-Ausgabe der gesammelten Werke des Robert Musil. Die textliche Qualität kann sicher nicht mit der neuen digitalen Ausgabe mithalten. Ich konnte mir aber bisher noch kein detailliertes Bild dazu machen.

Törleß als Oper in Köln

Die Musil-Freunde – und wer ist das nicht! – dürfte folgendes Projekt interessieren: Die Verwirrungen des Zögling Törleß sind Thema eines Opernprojekts der Literaturoper Köln. Premiere ist am 16. Mai. Weitere Termine.

Oliver Pfohlmann: Robert Musil

Robert Musils Leben und Werk in Kürze darzustellen gehört sicher zu den schwierigeren Aufgaben der Literaturwissenschaft. Einerseits bedarf der komplexe intellektuelle Gehalt seiner Werke genügend Raum, andererseits ist die Forschungslandschaft eine unübersichtliche. Alleine zum umfangreichen Nachlass, der zum Verständnis vor allem des Mann ohne Eigenschaften (Notiz) unverzichtbar ist, sind dicke Monographien erschienen.

Pfohlmann gelingt beides exzellent. Er schafft es, sowohl den soziokulturellen Kontext als auch Musils intellektuelles und ästhetisches Programm prägnant darzustellen. Der schwierige Charakter des Schriftstellers wird ebenfalls nicht ausgespart. Erfrischend auch, dass er sich nicht scheut, klare Worte zum Leseeindruck der problematischeren Texte Musils zu finden. So schreibt Pfohlmann über die Vereinigungen:

Auch heutige Leser empfinden die Lektüre nicht selten als strapaziösen Drahtseilakt, bei dem man stets dann erleichtert Atem holt, wenn man einen der wenigen Pfeiler der äußeren Handlung erreicht, zwischen denen die Bilderfolgen aufgespannt sind.
[S. 58]

Anders als andere Einführungen, kippt dieses kleine Buch nicht zu sehr in Richtung Mann ohne Eigenschaften um. Pfohlmann bemüht sich, auch den anderen Werken genügend Raum zu geben, und lenkt den Blick erfreulicherweise auch auf für viele Leser noch unbekanntes Terrain. So unterschätze man Musil als Literatur- und Theaterkritiker:

Seine Rezensionen sind, ungeachtet ihrer meist zweit- oder gar drittklassigen Gegenstände, mit ihrer sprachlichen und reflexiven Brillanz Höhepunkte der Literaturkritik des 20. Jahrhunderts
[S. 93]

Es bleibt zu hoffen, dass diese gelungene Einführung Musil zu neuen Lesern verhilft. Musil zählt zweifellos zu den klügsten Autoren der Literaturgeschichte. Man kann seine Lesezeit kaum besser investieren als in seine Werke. Die Zinsen sind weit höher als jene auf griechische Staatsanleihen!

Oliver Pfohlmann: Robert Musil. (rororo monographie)

Robert Musil, Kakanien und die Literaturwissenschaft

Der Salzburger Literaturwissenschaftler Norbert Christian Wolf legte kürzlich sein opus magnum über Robert Musil vor. „Magnum“ darf hier auch wörtlich genommen werden, ist das Buch doch mehr als 1200 Seiten dick:

Der ORF zeichnet sich üblicherweise nicht durch eine fundierte Literaturwissenschaftsberichterstattung aus. Desto erfreulicher, dass zumindest online das Buch ausführlich vorgestellt wird.

Angelo Soliman: Ein Afrikaner in Wien

Wien Museum 1.10.

Der Name „Soliman“ begegnete mir zum ersten Mal als ich Musils Mann ohne Eigenschaften las. In ihm spielt Soliman, ein jugendlicher schwarzen Diener des Industriellen Arnheim, eine wichtige Nebenrolle. Recherchen ergaben schnell, dass Musil damit auf den berühmtesten Wiener Migranten des 18. Jahrhundert anspielte: Angelo Soliman (ca. 1721-1796). Der Kindersklave landete nach Zwischenstationen am Hofe des Fürst Liechtenstein. Dort wurde er respektvoll behandelt, was freilich an seiner Rolle als exotischer Hofaufputz nichts änderte. Trotz des am Ende seines Lebens vergleichsweise hohen sozialen Status, wurde sein Leichnam beschlagnahmt und ausgestopft: Soliman landete als Präparat im Naturalienkabinett des Kaisers.

In Wien ist diese Geschichte sehr bekannt und das Wien Museum hat nun dem Leben Solimans eine höchst sehenswerte Ausstellung gewidmet. Sie zeigt nicht nur anhand diverser Exponate und Quellen sehr anschaulich die Lebensstationen des Afrikaners. Ein Teil der Schau widmet sich auch dem kulturellen und historischen Nachwirken. Am Ende äußern sich in Wien lebende Afrikaner via Video zu Soliman und berichten eindrücklich über ihre Erfahrungen in der Stadt. (Bis 29.1.)

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„Die Presse“ meint:

"Aber das Internet ist nicht schuld daran, dass Zeitungen reihenweise ihre Literaturseiten „gesundschrumpfen“. Vielmehr hat es das Monopol der traditionellen Medien auf seriöse Literaturkritik gebrochen. Blogs wie die „Notizen“ des promovierten österreichischen Literaturwissenschaftlers Christian Köllerer (koellerer.net) zeigen: Es gibt genug Qualität, man muss sie nur suchen."
(5. Januar 2013)

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