Habsburger

Ausstellungen in Wien: Handyfilmen & Maria Theresia

Volkskunde Museum Wien 12.3. 17
Prunksaal der Nationalbibliothek 12.3. 17

Enttäuscht lässt mich Handyfilmen. Jugend. Alltag. Medienkultur zurück. Das Thema wäre interessant. Die Umsetzung dieser an der Universität Zürich konzipierten Wanderausstellung geht aber nicht genügend in die Tiefe. Auf großen Hand-Skulpturen sind Touchscreens angebracht auf denen man themenspezifisch angeordnet diverse Handyfilme von Jugendlichen ansehen kann. Vor jedem Film erhält man einen kurzen erläuternden Text. Das ist alles solide gemacht, enthielt für mich aber keine Überraschungen. Lobenswert ist natürlich die Intention, uns Erwachsenen diverse Vorurteile darüber zu nehmen, was die Teenies da so alles auf ihren Smartphones haben. Abgesehen von den kurzen Kontexttexten fehlt aber eine weiter gehende Analyse. Außerdem fehlen Beispiele für die „dunklere“ Seite der Medaille, die es ja sehr wohl gibt. Schade, aus dem Thema hätte man mehr machen können. (Bis 7.5.)

Mehr machen können hätte man auch aus der Maria-Theresia-Ausstellung im Prunksaal der Nationalbibliothek. Sie ist mit ihrer Kombination aus überwiegend thematischen Schautafeln und ausgewählten, teils sehr schönen veranschaulichenden Objekten und Büchern in Vitrinen darunter, zwar sorgfältig kuratiert. Es findet sich aber so gar nichts darunter, das eine neue Perspektive oder neue Gedanken über sie anregen würde. Einige ihrer dunklen Seiten, wie ihr talibanähnlicher Sittenwahn, kommen überhaupt nicht zur Sprache. (Bis 5.6.)

Zwischen Dürer und Napoleon

Die Gründung der Albertina

Albertina 22.3. 2014

Man muss über diese Ausstellung eigentlich nicht mehr wissen, als dass die Albertina viele ihrer kunsthistorisch bedeutsamsten Zeichnungen aus dem Depot geholt hat. Ebenso wie historische Druckgrafik sind diese sehr empfindlich und werden nur alle paar Jahre gezeigt. Am berühmtesten darunter ist natürlich Dürers Feldhase. Will man dessen ästhetischen Eindruck einige Zeit im Gedächtnis behalten, empfehle ich allerdings dringend, den direkt an die Ausstellung anschließenden Shop mit geschlossenen Augen zu durchqueren. So viel potthässlichen Hasenkitsch zusammenzutragen, ist allerdings beinahe schon wieder ein Kunstwerk.
Neben Dürer gibt Michelangelo, Raphael, Rubens, Bosch und Brueghel den Älteren zu sehen. Alle mit erstklassigen und berühmten Werken.

Um zu diesen Teil der Ausstellung zu gelangen, muss man sich durch das eigentliche Thema der Schau vorarbeiten: Herzog Albrecht von Sachsen-Teschen und seiner Gattin Marie Christine, der Lieblingstochter Maria Theresias. Beide waren einigermaßen aufgeklärt und sehr kunstsinnig. Sie legten den Grundstein für die grandiose Sammlung der Albertina und bewohnten auch dieses Gebäude damals. Der Herzog stellte ebenfalls eine bemerkenswerte Bibliothek zusammen, weshalb man in der Ausstellung einige hübsche alte Bücher sehen kann: Frühe Ausgaben von Lessing und Winckelmann ebenso wie einige Bände der berühmten Encyclopédie. Dieser Teil bewegt sich an der Biographie des Ehepaares entlang, birgt aber wenig Überraschungen. Trotzdem wegen der Fülle der Exponate und der sorgfältigen Arbeit der Ausstellungsmacher ausgesprochen sehenswert.

(Bis 29.6.)

Friedrich Weissensteiner

Die großen Herrscher des Hauses Habsburg. 700 Jahre europäische Geschichte (Serie Piper)

Ich wollte mein Wissen um die Habsburger auffrischen und bin bei meiner Recherche auf das Buch des Hofrats (!) Friedrich Weissensteiner gestoßen. Es enthält vierzehn kaiserliche Portraits von Rudolf von Habsburg, dem Begründer der Dynastie, zu Karl I. der nach dem ersten Weltkrieg abdanken musste. Diese biographischen Skizzen sind solide geschrieben, was leider das Beste ist, das man vom dem Buch sagen kann. Es stellt zwar die wesentlichen Informationen zusammen, ist aber sonst denkbar uninspiriert. Es gibt keine Abwechslung, keine methodischen Überraschungen, kurz es fehlt an Geist. Weissensteiner ist sicher ein Kenner der Materie und hat enorm viel Material verarbeitet. Das Ergebnis ist aber leider ein höchst durchschnittliches Sachbuch.

Die Habsburger und ihre Untertanen

Eine sehr bezeichnende Episode zu diesem Thema gibt Michael Tomasky in der The New York Review of Books 2/2004 wieder, und zwar in einem Artikel* über den New Yorker Bürgermeister La Guardia:

During the great wave of emigration at the turn of the century, it was an occasional diversion for members of the European aristocracy to gather at various ports to watch the sweaty surge of human cargo boarding ship for America. In the spring of 1904, the Austro-Hungarian imperial archduchess Maria-Josepha was visiting Fiume, where she made known to the local constables her desire to observe the crowd of emigrants embarking for the New World. The SS Panonia was to sail on Saturday, but the archduchess would be in Fiume on Wednesday only. To accommodate her, the local Cunard agent, the port director, and Count Szapari, the provincial governor general, agreed that the emigrants would be boarded that day. This meant that they would be spending three days in the steerage hold before sailing—cramped and dark, a virtual petri dish of bacteria and viruses. Many passengers had contracted diseases there that prevented them from being allowed entry at Ellis Island, and they had been sent back on the next boat.

But the resident US consular officer in Fiume who was responsible for signing the certificate of medical clearance required of any ship before it left for America protested that such treatment stood in contravention of both the law and standards of decency. In an attempt to mollify him, local officials invited him to tea with her highness to view the embarkation at her side. The officer’s refusal was considered an insult to the Hapsburg crown. Washington, the consul was assured, would hear of this. „I told them,“ Fiorello La Guardia would later write in his memoirs, „to tell their precious Archduchess that maybe she could boss her people around but she couldn’t boss the American consul.“ The embarkation did not take place on Wednesday; the archduchess returned to Vienna disappointed.

* Die Rezension ist nun Teil des kostenpflichtigen NYRB-Archivs.

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„Die Presse“ meint:

"Aber das Internet ist nicht schuld daran, dass Zeitungen reihenweise ihre Literaturseiten „gesundschrumpfen“. Vielmehr hat es das Monopol der traditionellen Medien auf seriöse Literaturkritik gebrochen. Blogs wie die „Notizen“ des promovierten österreichischen Literaturwissenschaftlers Christian Köllerer (koellerer.net) zeigen: Es gibt genug Qualität, man muss sie nur suchen."
(5. Januar 2013)

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