Buenos Aires

Reise-Notizen: Buenos Aires

Vorherige Station: Peru / Bolivien

Von der Hauptstadt Boliviens geht es nach Buenos Aires. In 4000 Meter Höhe starten Passagierflugzeuge aufgrund der dünnen Luft nicht mehr so leicht, weshalb man besser mit wenig Treibstoff abhebt. Wir fliegen also eine halbe Stunde zu einem tiefer gelegenen Flughafen und von dort weiter nach Argentinien.

Was für ein Kontrast zu den Anden! Als sei man von Südamerika nach Europa geflogen. Buenos Aires erinnert einen an vielen Ecken an europäische Städte: An Paris etwa oder Madrid. Die Einwohner nennen sich Portenos, weil der Hafen der Stadt lange eine zentrale Rolle spielte. Unzählige Kaffeehäuser und Restaurants sowie riesige Park- und Gartenanlagen zeugen von der Lebensfreude der Portenos, die sich durch Militärdiktaturen und Staatspleiten offenbar nicht nachhaltig verderben ließ.

Architektonisch ist Buenos Aires sehr abwechslungsreich. Von pittoresken Kolonialgebäuden bis zu modernen Hochhäusern der zeitgenössischen Baumeisterprominenz ist alles vertreten. Eine riesige Fußgängerzone gibt es ebenso wie malerische Viertel (Telmo!) mit jeder Menge an Antiquitätenläden und Buchhandlungen. Einige der schönsten je gesehen Antiquariate betrat ich dort. Ich war viele Stunden zu Fuß unterwegs, was der beste Weg ist, die Stadt zu erkunden.

Enttäuschend ist La Boca, das in jedem Reiseführer prominent empfohlen wird. Das ehemalige Armenviertel mit den billigen und bunten Holzhäusern ist nur noch eine sich selbst perpetuierende Touristenattraktion. Der Weg dorthin durch die heutigen Slums der Stadt ist noch am aufschlussreichsten. Im Gegensatz zu anderen Städten Südamerikas liegen die Favelas nicht in hübscher Hanglage, sondern in der Nähe des alten Hafens. Der neue Hafen dagegen ist eines der modernsten Viertel der Stadt und wird jedem Besucher stolz präsentiert. Die Kombination aus Schiffen, Gewässer, Brücken und Skyline ist freilich auch eine höchst ansprechende.

Gespannt betrete ich auch den berühmten Friedhof Recoleta, wo die Elite der Stadt (und jene, die sich dafür halten) begraben liegt. Eine Symphonie an Skulpturen und Grabdenkmälern! Zählt zweifellos zu den faszinierendsten Schädelstätten aller bisher von mir besuchten Großstädte. Weniger beeindruckend finde ich die nationale Gemäldegalerie. Zwar bekommt man einen guten Überblick über die argentinische Kunst, aber für ein Nationalmuseum ist der Bestand ziemlich gering.

Empfehlen kann ich dagegen eine Führung durch das Opernhaus, das bis zur Fertigstellung der Oper in Sydney lange das größte auf der Südwelthalbkugel war. Das Teatro Colón braucht sich in Größe und Ausstattung vor der Wiener Staatsoper nicht zu verstecken. Im Parterre hat man sogar mehr Beinfreiheit als in vielen anderen Häusern. Kulturelle Deprivation ist für die Portenos also keine Gefahr.

Buenos Aires ist eine beeindruckende und sympathische Stadt. Wäre sie besser zu erreichen, wäre ich sicher Dauergast dort.

Nächste Station: Iguazu.

Südamerika-Reiseliteratur

In vier Ländern war ich unterwegs, was an die Reisebuch-Logistik einige Anforderungen stellt. Als Vorbereitung las ich u.a. bereits eine historische Quellensammlung über die Entdeckung Perus.

Der Schwerpunkt meiner Reise lag auf den Andenkulturen in Peru und Bolivien, weshalb mir Rolf Seelers Kunstreiseführer über diese beiden Länder, wie fast alle Bände der Reihe bisher, gute Dienste leistete. Sich nur theoretisch mit den vielen Präinkakulturen zu beschäftigen, ist nicht leicht. Sobald man aber deren Werke in Museen sah und einige Ausgrabungsstätten besichtigte, ändert sich das schnell.

Seeler hat einen exzellenten einführenden Teil geschrieben, in dem er auf die Kultur und Geschichte der beiden Andenländer eingeht. Auch der konkrete Reiseteil ist sehr informativ. Rund um den Titicacasee hätte er allerdings etwas ausführlicher sein dürfen.

Als Ergänzung hatte ich aus der Reihe C.H. Beck Wissen Berthold Rieses kleine Monographie über Machu Picchu mit. Das kleine Büchlein ist sehr kenntnisreich verfasst und auch vor Ort hoch nützlich. Erfrischend ist die an Fakten orientierte Darstellungsweise und das Aufräumen mit zahlreichen Legenden. Auch wenn keine Reise nach Peru ansteht, für alle an Archäologie Interessierten sehr empfehlenswert.

Für Buenos Aires gab ich mich dem Lonely Planet City Guide zufrieden. Er erfüllte seinen Zweck gut. Ich sah mir fast alle „Top Picks“ an, die nachvollziehbar ausgewählt waren. Wie bei der Reihe nicht anders zu erwarten, liegt der Schwerpunkt natürlich auf Praktischem, weshalb die Wissensvermittlung sehr kompakt ist.

Für die wenigen Tage in Iguazu und Rio de Janeiro gönnte ich mir nur noch den ADAC Reiseführer Brasilien, die für eine Billigreihe immer sehr solide Reiseinformationen bieten.

Rolf Seeler: Peru und Bolivien. Indianerkulturen, Inka-Ruinen und barocke Kolonialpracht der Andenstaaten (DuMont Kunstreiseführer)

Berthold Riese: Machu Picchu. Die geheimnisvolle Stadt der Inka (C.H. Beck Wissen)

Sandra Bao; Bridget Gleeson: Buenos Aires. (Lonely Planet City Guide)

ADAC Reiseführer: Brasilien. (ADAC)

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„Die Presse“ meint:

"Aber das Internet ist nicht schuld daran, dass Zeitungen reihenweise ihre Literaturseiten „gesundschrumpfen“. Vielmehr hat es das Monopol der traditionellen Medien auf seriöse Literaturkritik gebrochen. Blogs wie die „Notizen“ des promovierten österreichischen Literaturwissenschaftlers Christian Köllerer (koellerer.net) zeigen: Es gibt genug Qualität, man muss sie nur suchen."
(5. Januar 2013)

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