Aufklärung

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Renaissance und Aufklärung

Eine neue Biographie über Lorenzo de Medici ist ebenso anzuzeigen [Perlentaucher] wie eine geistesgeschichtliche Studie über “Elektrizität in der deutschen Aufklärung” [Perlentaucher].

  • Ingeborg Walter: Der Prächtige. Lorenzo de Medici und seine Zeit (C.H. Beck TB)
  • Oliver Hochadel: Öffentliche Wissenschaft. Elektrizität in der deutschen Aufklärung
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    Empirismus im Mittelalter

    Das Mittelalter gehört zu den Epochen, die in der Öffentlichkeit am undifferenziertesten behandelt werden, was schon am gerne verwendeten Attribut “dunkel” zum Ausdruck kommt. Dabei gab es im Mittelalter eine Reihe von “modernen” Denkern, Roger Bacon etwa, oder William von Ockham.

    Eine Ausnahmeerscheinung ebenfalls Friedrich der Staufer (1194-1250), dessen empirischer Wissensfuror weit über seine Zeit hinauswies. Während die kolportierten (zum Teil ziemlich grausamen) Experimente mit Menschen nicht nachweisbar sind und vermutlich auf kaiserfeindliche Greuelpropaganda zurückgehen, liegt mit Friedrichs Falkenbuch ein höchst erstaunliches wissenschaftshistorisches Dokument vor: vermutlich die erste empirische wissenschaftliche Publikation in Europa, die diese Bezeichnung berechtigterweise trägt.

    Während die Traditionsgläubigkeit (fast) das komplette geistige Leben beherrscht, kritisiert Friedrich die zoologischen Untersuchungsmethoden des Aristoteles:

    Beim Schreiben sind Wir auch, wenn es erforderlich war, dem Aristoteles gefolgt; in manchen Dingen scheint er jedoch, wie Wir aus Erfahrung lernten, besonders bezüglich der Natur bestimmter Vögel, von der Wahrheit abzuweichen. Deshalb folgen Wir dem Fürsten der Philosophen nicht in allem; denn selten oder niemals hat er Jagd mit Vögeln ausgeübt. Wir aber haben sie immer geliebt und immer betrieben. Bei vielem aber, was er in seinem Buche über die Tiere erzählt, sagt er, so hätten es andere berichtet; das aber, was andere so sagten, sah er weder selbst, noch haben es seine Gewährsmänner gesehen; eine sichere Gewißheit erlangt man nicht durch Hörensagen (durch das Ohr).

    [nach: Eberhard Horst, Friedrich der Staufer. S. 196]

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    Pierre Bayle und deutschen Sozialdarwinisten

    Es gibt nur einen Grund für diese gewagte Überschrift, nämlich dass sich zu beiden Themen zwei lesenswerte Aufsätze im aktuellen Journal of the History of Ideas (2/2002) finden.

    Pierre Bayle (1647-1706), dem aufgeklärten Zeitgenossen als prominenter Frühaufklärer bekannt, steht im Mittelpunkt der Abhandlung von Thomas M. Lennon. Der stellt sich die Frage: “Did Bayle Read Saint-Evremond?”

    Die Antwort darauf läßt Rückschlüsse darüber zu, ob Pierre Bayle ein Atheist war oder nicht – eine immer wieder zentrale Frage im intellektuellen Prominentenklatsch des 18. Jahrhunderts.

    Charles de Marguetel de St. Denis, sieur de Saint-Evremond, war als Atheist notorisch und Bayle hat sich an mehreren Stellen auf ihn bezogen.

    The upshot of the overall argument here would be that Balye should be taken at face value in his profession of faith, or at least that one line of argument for not doing so [ein Zitat in bezug auf Saint-Evremond] ist highly questionable. But if the argument restores the credibility of Bayle’s profession of religious faith, it threatens the credibility of his philosophical position. [S. 235]

    Ceterum censeo, dass eine komplette Neuübersetzung von Bayle’s “Dictionnaire historique et critique” längst überfällig ist.

    In Darwinism and Death: Devaluing Human Life in Germany 1859-1920 zeigt Richard Weikart einen gespenstischen Reigen an sozialdarwinistischer Menschenverachtung. Viele (nicht alle!) deutsche Darwinisten hatten offenbar David Hume nicht genau gelesen (Sein-Sollen-Problem) und zogen aus ihrer Interpretation der Evolutionstheorie weitreichende ethische Schlussfolgerungen, etwa dass Euthanasie biologisch wünschenswert wäre.

    In sum, many leading Darwinian biologists and popularizers in the late nineteenth and early twentieth centuries led the attack on existing moral standards, on body-soul dualism, and so on the sanctity of human life. [S 343]

    Gerne verdrängt wird die Tatsache, dass in diesem argumentativen Umfeld auch für die Abtreibung Stellung bezogen wurde:

    Eugenics provided important impetus for those promoting the legalization of abortion. Most of the leading abortion advocates – Helene Stöcker, Adele Schreiber, Henriette Fürth, Grete Meisel-Hess, Oda Olberg, and others – were avid Darwinian materialists who saw abortion not only as an opportunity to improve the conditions of women, but also as a means to improve human race and contribute to evolutionary progress. [S. 341]

    Natürlich spricht das nicht gegen eine Befürwortung von Abtreibung heute, aber man sollte sich dieser Zusammenhänge immer bewusst sein.

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    David Hume (1711-1776)

    Die Philosophie der Aufklärung war und ist eine höchst komplexe Angelegenheit, was von den Verächtern derselben gerne übersehen wird, da sich auf imaginäre Konstruktionen besser einschlägt als auf eine in ihrer Heterogenität durchaus gemeinsame Züge aufweisende Denkrichtung.

    Einer der herausragendsten Denker der Aufklärung war der Schotte David Hume, dessen Bedeutung in der Entwicklung der empiristischen Philosophie gar nicht überschätzt werden kann. Bewertet man philosophische Leistungen ist nicht immer nur das konkrete Ergebnis in Form von Theorien entscheidend (auch hier hat Hume Beachtliches geleistet), sondern auch die Art und Weise, wie diese Erkenntnisse gewonnen werden, die Methode des Denkens. Es klingt wie eine Binsenweisheit, ein Philosoph müsse ohne Vor-Urteile sine ira et studio seiner Tätigkeit nachgehen. Die Philosophiegeschichte zeigt jedoch, dass diese Herangehensweise nicht immer wie wünschenswert befolgt wurde.

    Bei Hume war sie weit ausgeprägt, und sein Versuch, eine empirische Erkenntnistheorie von Grund auf zu erstellen, gehört zu seinen größten Verdiensten. Das Ergebnis seiner Bemühungen ist in “An Enquiry in Human Understanding” nachzulesen. Schritt für Schritt setzte er das menschliche Erkenntnisvermögen basierend auf “impressions” (Sinneswahrnehmungen) und “ideas” zusammen, ließ nur gelten, was sich evidenterweise herleiten ließ. Diese “Sturheit” beeindruckte nicht nur Kant ungemein – Hume gab Kant den Anstoß zur Entwicklung seiner kritischen Philosophie -, sondern führte ihn zu einer seiner größten intellektuellen Leistungen: der Analyse der Induktion und der Kauslität. Hume zeigt so Schritt für Schritt die logische Unzulässigkeit von Schlüssen, die von vergangenen Erfahrungen auf zukünftige schließen (das berühmte Induktionsproblem). Er konnte ebenso nachweisen, dass von empirischen Prämissen ausgehend, das Prinzip der Kausalität nicht (im strengen logischen Sinn) beweisbar ist.

    Beides ein (bis heute nachwirkender) schwerer Schlag für die Wissenschaft und einer von vielen Belegen dafür, dass der Kurzschluss “Aufklärung – Wissenschaft – viele Übel der Menschheit” von einer ebenso beeindruckenden wie hartnäckigen Kurzsichtigkeit zeugt. Die besten und kompetentesten Kritiker der rationalen Weltanschauung bedienten sich selbst rationaler und empirischer Methoden – und trugen dadurch maßgeblich zum geistigen Fortschritt bei.

    Humes Erkenntnistheorie eignet sich auch zur Veranschaulichung einer weiteren Leistung: Er hatte keine Scheu vor anthropologischen Überlegungen. So schädlich prinzipiell die Vermengung von psychologischen und philosophischen Fragestellungen ist, so progressiv war sie geistesgeschichtlich zur Zeit Humes. Es seien zwei Beispiele genannt: 1. Hume führte die globale, unreflektierte Anerkennung des Kausalitätsprinzips auf psychologische Mechanismen zurück (was knapp 200 Jahre später die Experimente der Gestaltpsycholgen belegten). 2. Er lehnte (“Of the Original Contract”) die damals von Locke und anderen vertretenen sozialphilosophischen “Vertragstheorien” als nicht nur historisch falsch und naiv ab, sondern setzte ihnen plausible anthropologische Erklärungsversuche – die Entstehung von höher entwickelten Gesellschaften aus der Keimzelle der Familie – gegenüber.

    Hume folgte seinen skeptischen Gedanken, wohin sie ihn führten, auch wenn die Ergebnisse aus Sicht (s)eines empirisch-aufgeklärten Weltbildes oft wenig erfreulich waren. Kant hat Humes Denkschärfe berechtigterweise bewundert. Die Beschäftigung mit seinen Werken eignete sich hervorragend als Einstieg in die Philosophie der Aufklärung.

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    Adolf Freiherr von Knigge

    Heute nur noch wenig gelesen und fälschlicherweise als Autor eines “Benimmbuchs” abqualifiziert, war Knigge doch einer der wichtigeren deutschen Schriftsteller der Aufklärung. Die im Fackelträger-Verlag erschienene Werkausgabe wird derzeit bei Frölich&Kaufmann für 99 Euro verramscht.

    Es handelt sich um zehn von Wolfgang Fenner herausgegebene, wohlgestaltete Bände, jeweils mit einem knappen Kommentar.

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    Thomas Nagel: Das letzte Wort

    Der New Yorker Philosoph nimmt in diesem kleinen Buch dezidiert Stellung zu den “culture war”, denn er läßt keinen Zweifel daran, dass die Prinzipien der Vernunft im Erkenntnisprozess immer das letzte Wort haben müssen.

    Dabei greift er einerseits klassische Argumente gegen den Relativismus auf (siehe Zitat), andererseits argumentiert Nagel intrinsisch, indem er zu zeigen versucht, dass bestimmte grundsätzliche Fragen logische Basis-Prinzipien bereits voraussetzen.
    Wenig explizit geht er auf die ontologischen Implikationen seiner Erkenntnistheorie ein. So wird dem Leser schnell klar, dass er eine quasi-platonische Auffassung des Geistes vertritt. Diese wird aber immer nur indirekt gerechtfertigt, metaphysische Probleme werden kaum angesprochen. Trotzdem ein wichtiger, lesenswerter Beitrag zur laufenden Debatte.

    Thomas Nagel: Das letzte Wort. (Reclam UB)

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    Goethe und Lessing

    Wilfried Barner schrieb eine Studie über dieses lohnenswerte Thema, Vera Viehhoever die Rezension darüber.

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    250 Jahre Encyclopédie

    Der kürzlich in der Anderen Bibliothek erschienene Prachtband mit ausgewählten Artikeln aus Diderots Encyclopédie ist umstritten, in der aktuellen ZEIT-Literaturbeilage findet sich ein Verriss mit plausiblen Argumenten. Dieser für Telepolis geschriebene Beitrag gibt einen kurzen Überblick über Diderots Projekt.

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