Plato: Der Staat

Diese Notizen entstanden von Herbst 2007 bis Frühjahr 2008 und werden hier zur leichtbaren Lesbarkeit zusammengefasst. Es handelt sich um meine zweite Lektüre des Buchs.

Erstes Buch

Platos “Politeia” zählt zu den faszinierendsten mir bekannten Büchern. Eine zweite, sorgfältige Lektüre war längst überfällig. Zur Erinnerung: Plato schrieb seinen umfangreichsten Dialog wahrscheinlich um 380 BCE und veröffentlichte damit einen Text, der zu den einflussreichsten der Geistesgeschichte zählt. Seit Jahrtausenden wird er sorgfältig rezipiert und sorgt für heftige Debatten. Alfred Whiteheads berühmtes Bonmot, die europäische Philosophiegeschichte bestünde nur aus Fußnoten zu Plato, bringt dies rhetorisch überspitzt auf den Punkt.

Die “Politeia” gilt als Platos Hauptwerk. Nimmt man diese Kategorisierung in dem Sinn, dass sich in ihm viele zentrale Motive seines Denkens finden, und es sich um das ästhetisch am sorgfältigsten komponierte Buch handelt, kann man dieser Einschätzung zustimmen. Um Platos Philosophie (und dessen Entwicklung) verstehen zu können, muss man freilich alle Dialoge lesen.

Während uns von Aristoteles nur seine Notizen überliefert sind (und nicht seine publizierten Werke), was die Lektüre mangels didaktischer Aufbereitung erschwert, präsentiert Plato seine Gedanken in der Form des philosophischen Gesprächs. Man darf deshalb die literarischen und ästhetischen Aspekte und deren Implikationen nie aus den Augen verlieren.

Wie sorgfältig Plato die Politeia komponiert hat, sieht man sehr schön am ersten Buch, das quasi den Rahmen zu den Gesprächen setzt. So ist es naturgemäß kein Zufall, dass die Handlung (für die gerne gegen 410 BCE als Zeitpunkt genannt wird) nicht im Zentrum Athens angesiedelt ist, sondern im Hafen Piraeus, einem Ort von nicht zu überschätzender Bedeutung für die Athener. Durch eine Mauer mit der Stadt verbunden, stand er symbolisch für Athens Seeimperium, war während des Peloponnesischen Krieges lebenswichtig für den Nachschub und in den ersten Jahren Rückzugsgebiet für die Landbevölkerung als die Spartaner anrückten. Es brach zu dieser Zeit dort auch eine der größten Tragödien über die Athener herein: Die Pest. Schließlich sammelte sich während der Diktatur der Dreißig der demokratische Widerstand im Piraeus und eines der Hauptthemen der “Politeia” ist bekanntlich die Frage nach dem richtigen politischen System.

Das erste längere Gespräch des Sokrates findet mit Kephalos statt, einem ebenso alten wie reichen Mann, den Sokrates wenig taktvoll mit der Frage konfrontiert, wie es ihm so kurz vor dem Tod denn ginge, worauf sich ein geistvoller Dialog über Alter und Reichtum entwickelt.

Im Zentrum des ersten Buches steht aber eine Diskussion über Gerechtigkeit. Thrasymachos vertritt die These, Gerechtigkeit sei, was den Stärkeren nütze. Er setzt damit einen fulminanten Auftakt mit einer Geisteshaltung, die bis heute immer wieder in diversen Abwandlungen vertreten wird, und zu Zeiten der Athener “Blütezeit” auch Staatsräson war. Könnte folgendes Zitat nicht direkt von einer größenwahnsinnigen Romanfigur Dostojewkijs stammen oder irgendwo bei Nietzsche stehen?

Denn wer Ungerechtigkeit schmäht, tut dies nicht aus Scheu vor dem Unrechttun, sondern vor dem Unrechtleiden. So hat denn, Sokrates, die Ungerechtigkeit, wenn nur gehörig im Großen verübt, etwas viel Kraftvolleres, Vornehmeres und Herrenmäßigeres als die Gerechtigkeit […]
[344]

Sokrates tut sich durchaus schwer, diesen Standpunkt zu widerlegen, und versucht es unter anderem, in dem er Thrasymachos Widersprüche nachweist und (wie so oft) durch Analogien Ungereimtheiten in seiner Position aufzeigt.

Zweites Buch

Das erste Buch fungiert als eine Art Einleitung und rückt das Thema der Gerechtigkeit in den Mittelpunkt der Diskussion. Im zweiten Buch wird nun der literarische Rahmen für die weitere Vorgehensweise gesetzt. Dieser besteht in der Behauptung einer Analogie zwischen den Teilen der Seele und den Teilen einer Stadt. Vorher jedoch wird die Grundlagendiskussion des ersten Buches fortgesetzt. Glaukon fordert Sokrates auf dafür zu argumentieren, dass die Gerechtigkeit “an sich” wünschenswert ist (wie etwa die Gesundheit) und gleichzeitig auch gute Konsequenzen zeitigt. Diese These setzt sich von der These ab, dass die Gerechtigkeit zwar gute Folgen hat, aber an sich nicht wünschenswert sein muss. Nebenbei sei bemerkt, dass Plato in diese Kategorie auch die Erwerbsarbeit steckt. Diese sei zwar lästig, aber bringe doch eine Reihe von positiven Konsquenzen mit sich:

Denn diese Dinge werden wir zwar als beschwerlich bezeichnen, aber doch auch als nützlich für uns, und um ihrer selbst willen würden wir sie niemals wünschen, wohl aber um des Lohnes willen und der übrigen Vorteile, die aus ihnen hervorgehen.
[357]

Nachdem Glaukon als Illustration die Geschichte des Gyges erzählt hat (der einen Ring findet, der unsichtbar macht und deshalb ungestraft Verbrechen begehen kann), beginnt Sokrates mit dem Gedankenexperiment und konstruiert eine Stadt, in der nur die Grundbedürfnisse gedeckt werden können (Nahrung, Wohnung, Kleidung).

Glaukon kann sich mit diesem spartanischen Leben nicht anfreunden, weshalb Sokrates Luxusgegenstände hinzufügt. Dies setzt nun einen expansiven Wirtschaftskreislauf in Gang, der zwangsläufig aufgrund Ressourcenmangelns zu aggressivem Verhalten gegenüber benachbarten Städten führen muss. Deshalb muss zusätzlich die Militärkaste der Wächter eingeführt werden. Die sozialen Probleme, die damit verbunden sind (Aggression auch nach innen) führt schließlich zur Forderung, dass diese herrschende Kaste eine besondere Erziehung durchlaufen muss. Diese wird im nächsten Buch diskutiert.

Was mich an Plato fasziniert, ist die intellektuelle Unabhängigkeit seiner Ansichten. Damit ist nicht gemeint, dass es es keine geistesgeschichtlichen Einflüsse oder inhaltlichen Vorbilder gäbe, sondern dass er in der Lage ist, weitgehend von seinem kulturellen Umfeld zu abstrahieren, und rationale Lösungen ohne Scheuklappen zu suchen. Dass die Ergebnisse aus heutiger Sicht oft seltsam anmuten, ändert nichts an der Tatsache, dass Plato einer der unabhängigsten Köpfe war, welche die europäische Philosophie hervorbrachte.

Drittes Buch

In diesem Teil des Werks findet man die Fortsetzung der berüchtigten Forderung nach Zensur im literarischen Bereich. Zugespitzt könnte man sagen, dass Platos totalitäres Programm hier besonders augenscheinlich wird. Von der Voraussetzung ausgehend, dass erstens adäquate Erziehung nicht nur für die elitäre Klasse der Wächter maßgeblich zum Erfolg seines idealen Staatwesens beiträgt, und zweitens Erziehung zu einem großen Teil aus Nachahmung besteht, will er schlechte Einflüsse verbieten. Dieses Argument unterscheidet sich im Prinzip nicht von dem, was konservative Politiker heute fordern. Will man in der Gegenwart Kinder vor “Killerspielen” oder schlechten Einflüssen aus dem Internet schützen, will Plato die Kinder seines Staates vor nicht nachahmenswerten mythologischen Geschichten schützen. Sogar Homer wird von der Kritik nicht ausgenommen, stellt er doch die Götter sehr oft unwürdig (von Leidenschaften beherrscht) vor.

Darum müssen wir solchen Erzählungen den Abschied geben, auf daß sie unseren Jünglingen nicht den ungehemmten Trieb zur Schlechtigkeit erzeugen.
[392]

Auch “schlechte” musikalische Stile darf es in Platos Staat nicht geben, da Musik direkt das Seelenleben beeinflusse.

Im Zentrum des dritten Buches steht auch die Frage nach dem Umgang mit der Wahrheit in der Politik. Plato argumentiert hier sehr autoritär. Nachdem er (mythologisch begründet) seine Gesellschaft in drei verschiedene Klassen einteilt (solche mit goldenen, silbernen, bronzenen “Seelen”), rechtfertigt er “noble Lügen” aus utilitaristischem Blickwinkel: Es nütze dem Staat insgesamt und damit auch ihren Mitgliedern, wenn entsprechende “Wahrheitspolitik” betrieben wird.

Plato errichtet hier ein präfaschistoides Staatswesen mit einer Klassengesellschaft und einer ausgeprägten Medienpolitik. Interessant finde ich daran vor allem, dass sich dieser elaborierte Totalitarismus bereits so früh geistesgeschichtlich expliziert findet, und dass hier zahlreiche Fragen zum ersten Mal systematisch behandelt werden, welche bis heute die Diskussion bestimmen (Zensur und Medien, Erziehung, Nature/Nurture …). Bemerkenswert auch, wie schnell die Wahrheit einem angeblich höherwertigen Gut geopfert wird, speziell wenn man an das skeptische Wahrheitspathos vieler platonischer Dialoge denkt.

Viertes Buch

Nach den ersten drei Büchern dürfte fast jeder moderne Leser ein Unbehagen über Platos Staatstotalitarismus verspüren. Aber auch für die Zeitgenossen im alten Athen war dieser Idealstaat eine Provokation. So überrascht es nicht, dass Adeimantos das vierte Buch mit folgendem Einwand eröffnet:

Was wirst du nun, mein Sokrates, zu deiner Verteidigung vorbringen, falls jemand dir einwerfen sollte, mit dem Glück, das du diesen Männern bietest, sei es nicht weit her […]
[419]

Sokrates antwortet darauf, dass es nicht um das Glück von Gruppen oder Individuen geht, sondern um das Wohl des Staates insgesamt.

Im Mittelpunkt dieses Teils steht erneut Platos problematische Analogie zwischen Seele und Staat, auf der er seine Argumentation aufbaut. Wie ein guter Mensch, zeichne sich ein Staat durch vier Eigenschaften aus: Weisheit, Tapferkeit, Mäßigung und Gerechtigkeit. Letztere bestehe darin, dass jeder Bürger der Tätigkeit nach gehe, zu der er am besten fähig ist (nach dem früher beschriebenen Klassensystem).
Anschließend führt Sokrates seine dreiteilige Psychologie bestehend aus Vernunft, Begierde und Geist (Seele) ein. Ein weiser Mensch hält alle drei Teile in Harmonie, wobei der Vernunft die lenkende Rolle zukommt. Diese Analogie zwischen Psyche und Staat wurde in der Forschung oft kritisiert, zu Recht meiner Meinung nach. In Anbetracht der Tatsache, zu welchen ontologischen Spitzfindigkeiten Plato in seiner Metaphysik fähig ist, wirkt die Gleichsetzung zwischen Individuen mit abstrakten sozialen Prozessen vergleichsweise plump. Trotzdem sind die psychologischen Passagen sehr aufschlussreich zu lesen, prägten sie die abendländische Psychologie doch bis in die Neuzeit. An dieser Stelle sollte man sich einmal mehr in Erinnerung rufen, dass es sich hier nicht um ein politisches Programm im engen Sinn handelt, sondern um ein radikales Gedankenexperiment.

Fünftes Buch

Dieses Buch enthält den gesellschaftspolitisch wohl radikalsten Vorschlag Platons: Die Aufgabe der klassischen Familie zu Gunsten eines geteilten “Besitzes” von Frauen und Kindern. Angereichert ist das mit einem charmanten Eugenikprogramm dahin gehend, dass der Staat durch Tricks besonders aussichtsreiche Erzeuger von Premiumnachwuchs zusammenbringt und auch dafür sorgt, dass diese öfters zur Kopulation schreiten dürfen wie von der Natur benachteiligte Paare:

Es müssen […] die besten Männer so häufig wie möglich den besten Frauen beiwohnen, den schlechtesten dagegen den schlechtesten so selten wie möglich. Und die Kinder der ersteren müssen aufgezogen werden, die der anderen nicht, sofern die Herde auf voller Höhe bleiben soll. Und von allen diesen Maßnahmen darf niemand etwas wissen außer die Herrscher selbst […]
[459]

Als Argument für dieses Arrangement bringt Sokrates die überragende Wichtigkeit des Zusammenhalts einer Gesellschaft ins Spiel, welcher durch dieses kommunitäre Zusammenleben optimiert würde.

Positiv davon setzt sich Platos Gleichheitsvorstellung zwischen den beiden Geschlechtern ab, speziell vor dem Hintergrund der altgriechischen Machogesellschaft betrachtet:

Es gibt also […] keine die Staatsverwaltung betreffende Beschäftigung, die der Frau als Frau oder dem Manne als Mann zukäme; vielmehr sind die natürlichen Anlagen auf ähnliche Weise unter beiden Geschlechtern verteilt, und naturgemäß hat die Frau ebenso wie der Mann Anspruch auf alle Beschäftigungen, bei allen aber ist das Weib schwächer wie der Mann.
[455]

Sechstes Buch

Dieses und die nächsten Bücher werden gerne die “philosophischen” genannt, weil hier theoretische Fragestellungen im engeren Sinn abgehandelt werden. Zuvor jedoch geht es einmal mehr um die Rolle des Philosophen in der Polis. Plato greift erneut auf eines seiner Lieblingsbilder zurück: Auf das Schiff. Der Philosoph sei wie der Steuermann auf einem Schiff der Bestqualifizierte, um den Staat zu lenken. Er beschreibt die Situation, die entstünde, setzten die Matrosen den Steuermann ab und übernähmen selbst ohne Qualifikation die Schiffsführung: Inkompetenz und Gefahr wären die Folge. Warum also sollten normale Bürger die Regierungsgeschäfte übernehmen? Ein weiterer Baustein in seiner Ablehnung der Demokratie.

Sokrates setzt mit einer unfreundlichen Beschreibung des politischen Alltags und der mangelnden intellektuellen Begabung seiner Mitmenschen fort. Die meisten hätten keinen Sinn für geistige Fragestellungen. Die Zuhörer des Sokrates und auch die Leser des “Staates” warten nun gespannt, auf die entscheidende Enthüllung seiner philosophischen Konzeption. Was ist dieses weitreichende Wissen, das den Philosphenkönig zum Herrschen auszeichnet? Es ist die Idee der Ideen: die des Guten.
Zu Beginn vermeidet Sokrates zu präzisieren, was das Gute nun eigentlich sein soll, und gibt stattdessen ex negativo Beschreibungen, was viele fälschlicherweise für gut halten. Von Glaucon damit konfrontiert, versucht Sokrates eine Antwort, in dem er erst zwischen dem Reich der Sinne und dem des Seins unterscheidet. Im Bereich des Seins und der Erkenntnis spiele sie eine ähnliche Rolle wie die Sonne für das Reich des Sinne. Die Sonne sei die Ursache für Licht und damit Leben. Die Idee des Guten sei die Ursache für Wissen und Wahrheit.

Das ist aus heutiger Sicht natürlich alles sehr vage formuliert. Man sollte sich aber bei der Lektüre immer vor Augen halten, dass Plato der erste war, der in dieser Ausführlichkeit diese theoretischen Kategorisierungen vorgenommen hat und seine scharfen Alltagsbeobachtungen seiner Mitmenschen bis heute aktuell sind.

Siebtes Buch

Dieses siebte Buch zählt wohl zu den berühmtesten Texten der Philosophie, eröffnet es doch mit dem Höhlengleichnis. Sokrates verwendet es dazu, seinen jungen Zuhörern seine Ontologie näherzubringen. Man kann die gefesselten Menschen, welche die Schatten an den Wänden für reale Gegenstände halten, auch als mächtige Metapher für (fehlende) Aufklärung sehen, was im 18. Jahrhundert nicht selten vorkam, sowie als Kritik an der mangelnden Bildung der Masse und den Schwierigkeiten der Wissens-Zwangsbeglückung. Laut Plato waren die Höhlenbewohner ja alles andere als glücklich als man ihnen zum ersten Mal von der Leben außerhalb der Höhle und der Existenz der Sonne berichtete.
Angesichts des totalitären Staatsentwurfs Platos, entbehrt diese Aufklärungsbilderwelt natürlich nicht der Ironie.
Im weiteren Verlauf des Buches wird die Frage diskutiert, welche Wissensgebiete für Platos Herrscherklasse am Wichtigsten sei, und man bekommt ein hübsches Plädoyer für Mathematik und rationales Denken geboten, das ich immer wieder gerne lese. Zum Abschluss erfolgt erneut eine prominente Stelle, nämlich die von Sokrates eingeführte epistemologische Hierarchie: An erster Stelle steht die Wissenschaft gefolgt von der mathematischen Verstandeserkenntnis. An dritter Stelle der Glauben (nicht religiös gemeint) und die Bildlichkeit, um die Übersetzung Otto Apelts zu übernehmen.

Achtes Buch

Am Ende des siebten Buches wird eine zentrale Frage angeschnitten: Ist dieser Idealstaat überhaupt möglich? Sokrates ist sich der Schwierigkeiten bewusst und macht deshalb einen radikalen Vorschlag: Bei der Gründung des Staates müssen alle Bewohner, die älter als zehn Jahre sind, aus der Stadt geschickt werden. Plato-Interpreten weisen zurecht darauf hin, dass man das nur als Euphemismus für das Töten der erwachsenen Bevölkerung sehen kann, eine in der Antike nicht unübliche Kriegspraxis.

Nun stellt sich die berechtigte Frage: Mein Sokrates das ernst? Oder ist es eine implizite reductio ad absurdum dieses Idealstaates und beendet damit das Gedankenexperiment, indem er es scheitern lässt? Ich habe mir selbst noch keine endgültige Meinung darüber gebildet, literarisch beurteilt würde diese Grausamkeit nicht kohärent mit dem Charakter des Sokrates’ sein, gemessen an allen platonischen Dialogen.

Bestechend ist auf alle Fälle, dass Plato hier bereits das Revolutionsdilemma illustriert: Egal wie gut die Intentionen und wie perfekt ausgearbeitet die Gesellschaftsutopie auch ist: Die praktische Umsetzung ohne Gewalt scheint ein Ding der Unmöglichkeit zu sein, was die Geschichte ja auch hinreichend belegt.

Das achte Buch ist vor allem der theoretischen Diskussion der möglichen Staatsverfassungen gewidmet, konkret der Timokratie, der Oligarchie, der Demokratie sowie der Dikatur. Es wird einerseits das System “strukturell” beschrieben, andererseits die Charaktere untersucht, die zu diesen Verfassungen passen. Viel hat sich leider nicht geändert, wenn man an aktuelle Regimie denkt und Folgendes liest:

Indem sie nun als auf diesem Wege des Gelderwerbs fortschreiten, kommt die Tugend bei ihnen in demselben Maße in Mißachtung, in dem das Geld in ihren Augen an Wert gewinnt. Oder steht es mit dem Unterschied von Reichtum und Tugend nicht so, daß sie gleichsam auf die Schalen einer Wage gelegt sind, von denen die eine steigt, während die andere sinkt?
[550]

Abschließend sei noch eine Stelle zitiert, die sehr schön belegt, wie alt und universal die Kritik an der Jugend ist, sie wiederholt sich seit tausenden von Jahren:

[…] der Lehrer hat unter solchen Verhältnissen Angst vor den Schülern und umschmeichelt sie, die Schüler haben keine Achtung vor den Lehrern und ebensowenig vor ihren Aufsehern; und überhaupt stellen sich die Jüngeren den Älteren gleich und suchen ihnen den Rang abzulaufen in Worten und Taten, während die Alten sich traulich mit den Jünglingen einlassen und, ganz im Geist der Jugend, unerschöpflich sind in Witzeleien und Spaßhaftigkeiten, um nur ja nicht griesgrämig und herrisch zu erscheinen.
[563]

Im zweiten Teil des fünften Buchs kommt Plato auf eine seiner zentralen sozialphilosopischen Vorstellungen zu sprechen: Die Herrschaft der Philosophen, die er als Liebhaber der Wahrheit beschreibt. Um zu erläutern, was er damit meint, sind die letzten Seiten dieses Abschnitts einer ersten erkenntnistheoretischen Abhandlung gewidmet: Er unterscheidet zwischen Wissen und Meinung und führt damit eine epistemologische Skala ein, auf die er im Folgenden aufbauen kann.

Neuntes Buch

Diese Buch ist zwei Themen gewidmet: Der Kritik an der Demokratie und der Diktatur als Staatsform. Es sollte inzwischen ja hinreichend klar geworden sein, dass Platon ein Demokratie-Kritiker war, obwohl er an einer Stelle durchaus einräumt, dass es wohl das fairste politische System sei, und das sein Idealstaat nur über die Demokratie als Übergangsform zu erreichen wäre.

Um meine hier oft wiederholte These zu illustrieren, dass Plato eine Menge intellektueller Grundlagenarbeit leistete, ein Beispiel aus dem neunten Buch. Freud hat die Psychoanalyse ins Leben gerufen? Von wegen:

Diejenigen, die sich im Schlafe regen, wenn der andere Seelenteil, der vernünftige nämlich und gesittete und jene herrschende, ruht, während der tierische und der Wildheit ergebene, mit Speise und Trank gefüllt, sich vor Unbändigkeit nicht zu lassen weiß und den Schlaf abschüttelnd loszustürmen und seinen Trieben zu frönen sucht. In solchem Zustand scheut er bekanntlich, bar und ledig jeglichen Schamgefühls und jeglicher Besinnung wie er dann ist, vor nichts zurück. Denn er bedenkt sich keinen Augenblick, der eigenen Mutter, wie er wähnt, beizuwohnen oder irgend welchem anderen Wesen, sei es Mensch, Gott oder Tier, und jede Blutschuld auf sich zu laden […]
[571]

Die Kritik an der Tyrannei ist psychologisch so hellsichtig und heute noch gültig, so dass man sie allen gerne zu lesen gäbe, die sich derzeit mit Iran und vergleichbaren Staaten herumschlagen müssen.

Zehntes Buch

Wer im Laufe der Lektüre meinte, Platos Literaturkritik sei im zweiten und dritten Buch abgeschlossen worden, wird nun überrascht zur Kenntnis nehmen müssen, dass er am Ende zu einer Fundamentalkritik an der Literatur ausholt. Er kritisiert sie von zwei Seiten: Metaphysisch und psychologisch. Ausgehend von seiner realistischen Ontologie, in der abstrakte Formen in der Hierarchie des Seins ganz oben stehen, schneidet die Kunst der Nachahmung denkbar schlecht ab, ahmt diese doch nicht einmal die Formen nach, sondern physische Gegenstände. Damit ist sie quasi eine Nachahmung zweiter Stufe und viel zu weit vom “wahren Sein” weg, um noch interessant zu sein.

Die psychologische Literaturkritik, lässt sich in moderner Begrifflichkeit so zusammenfassen, dass Literatur dem Irrationalismus Vorschub leiste. Die Geschichten seien bildhaft und emotional aufgeladen und sprächen dadurch die “unvernünftigen” Teile der menschlichen Psyche stark an und verstärkten deshalb unerwünschte Emotionen. Aristoteles wird bekanntlich in seiner Poetik diese Punkte aufgreifen, ihnen aber positive Effekte zuschreiben, nämlich die Reinigung von gewissen Affekten durch die Literatur.

Platos “Staat” zu lesen ist jedes Mal wieder eine spannende Reise in provozierendes Terrain. Es drängt sich nachhaltig die Frage auf, ob es sich bei seinem Idealstaat um ein warnendes Gedankenexperiment handelt, oder tatsächlich um eine von ihm vertretene Gesellschaftsutopie (für die meisten wohl -dystopie). Es gehört jedenfall zu den anregendsten Büchern der westlichen Philosophiegeschichte und sollte von allen gelesen werden, welche die europäische Geistesgeschichte verstehen wollen.

Plato: Der Staat

Altenberg Trio

Musikverein 20.12.

Johannes Brahms
Trio für Klavier, Violine und Violoncello Nr. 1 H – Dur, op. 8; 1. Fassung 1854 Trio für Klavier, Violine und Violoncello Nr. 1 H – Dur, op. 8; 1. Fassung 1854

Franz Schubert
Trio für Klavier, Violine und Violoncello Es – Dur, D 929; ungekürzte Fassung des Autographs Trio für Klavier, Violine und Violoncello Es – Dur, D 929; ungekürzte Fassung des Autographs

Das Altenberg Trio versteht es meisterlich, aus bekannten Werken neue Funken zu schlagen, ohne sich zu weit vom musikalischen Gehalt zu entfernen. Brahms komponierte die erste Fassung des Werks 1854 und überarbeitete sie 1891 noch einmal. Die vier Sätze sind ausgesprochen abwechslungsreich.

Spannend war an diesem Abend aber vor allem Schuberts berühmtes Klaviertrio D 929, welches meiner Meinung zu den schönsten musikalischen Werken überhaupt zählt, und das ich nun erstmals in dieser ungekürzten Fassung hörte. Etwa 55 Minuten lang, wirkte vor allem der letzte Satz noch stärker als in der kürzeren Fassung. Das Spätwerk von Schubert halte ich für eine der großartigsten ästhetischen Leistungen der gesamten Kulturgeschichte. Die Interpretation des Altenberg Trios ist höchst empfehlenswert.

Von Fischen, Vögeln und Reptilien

Die Ausstellungen im Prunksaal der Nationalbibliothek sind für Bücherfreunde immer sehr sehenswert. Die aktuelle Schau widmet sich zoologischen Schautafeln. Gezeigt werden Buchmalereien aus dem 16. und 17. Jahrhundert, deren Detailreichtum und sorgfältige Ausführung bis heute beeindruckt. Im Mittelpunkt stehen zwei Werke, die in den letzten Jahren restauriert wurden. Vom Erfolg des Projekts kann man sich nun selbst überzeugen.

Das Bestiaire Rudolfs II. sowie Aquarelle mit Meeresgetier, die von Ferdinand II (Erzherzog von Tirol) bei Giorgio Liberale (1527 – ca. 1580) in Auftrag gegebenen wurden. Ersteres enthält in zwei Bänden 181 Ölbilder und sollten die Wunderkammer Rudolfs II. mit „virtuellen Exponaten“ ergänzen, die sich nur schwer in realiter hätten dort ausstellen lassen.

Die Meerestieraquarelle waren sowohl aus naturhistorischer als auch ästhetischer Perspektive eine Entdeckung für mich. Man wird Augenzeuge wie eine naturwissenschaftlicher Blick den religiös-symbolischen auf die Natur ablöst. (Bis 29.1.)

Joseph Roth: Rechts und Links

Dieser Roman aus dem Jahr 1929 zeigt viele der literarischen Qualitäten des Joseph Roth: Seine unnachahmliche Formulierungskunst, seinen scharfen Blick auf Menschen aller Schichten sowie seine Zeitdiagnosen, die sich aus heutiger Sicht oft wie Prognosen lesen.

Roth öffnet dieses Zeitpanorama am Beispiel der Bankiersfamilie Bernheim, deren verwöhnter Spross Paul im Mittelpunkt der Handlung steht. Als Jugendlicher gibt dieser einen glänzenden Vertreter des Schnöseltums ab, bis der erste Weltkrieg „korrigierend“ eingreift. Nach dem Krieg und dem Tod des Vaters droht der finanzielle Ruin, vor dem ihn schließlich eine glänzende Heirat mit der Nichte eines reichen Chemieindustriellen rettet. Paul Bernheim verdankt diesen Hochzeitscoup nicht zuletzt einem undurchsichtigen Flüchtling aus Russland, der sich aufgrund seines Geschickes schnell zu einem reichen Magnaten mausert. Auch in der Weimarer Republik gab es also bereits Neureiche aus dem Osten mit zweifelhafter Reputation.

Paul Bernheim ist weltanschaulich eine Fahne im Wind. Während des Kriegs etwa versucht er, sich einige Zeit als pazifistischer Agitator, was aber nur kurz andauert. Sein Bruder Theodor rutscht ins illegale Nazimilieu ab und muss bis zu einer Amnestie in Ungarn untertauchen. An diesem hier nur angedeuteten Handlungsgerüst entlang, entwickelt Joseph Roth einen furiosen Zeitroman. Die Komposition ist überzeugender (weil konziser) als in einigen seiner anderen Bücher. Mit einer Ausnahme: Der Schluss kommt zu abrupt und wirkt auf den Leser etwas aufgesetzt.

Privatbibliothek: Neuzugänge

Auf David Deutsch, der als Physiker philosophische Bücher schreibt, machte mich eine Rezension in der New York Review of Books aufmerksam. Die Biographie über Joseph Roth setzt meine systematische Beschäftigung mit dem Autor fort. Der Band über Musil war ein Geschenk. Nach meiner Südamerika-Reise, lässt mich das Thema noch nicht los…

Wie wird ein Klassiker ein Klassiker?

Mit dieser Frage beschäftigt sich Prof. Georg Franck in der Neuen Zürcher Zeitung in seinem Essay Über Thomas Bernhard schimpft man nicht mehr. Seine Erklärung ist eine primär ökonomische. Das ist zwar ein wichtiger Aspekt, vernachlässigt aber ästhetische Fragen zu sehr:

Klassiker wird man nicht, indem man Aufnahme in ein Archiv findet (und womöglich dort verschwindet), sondern dadurch, dass man sich auf dem Markt der Beachtlichkeit hält. Klassiker sind Werke, die, obschon gealtert, immer noch Aufmerksamkeit verdienen. Das Werk muss immer noch ausgestellt und immer noch einmal besprochen werden, immer noch besucht und noch einmal untersucht, weiterhin publizistisch präsent sein und schliesslich Eingang in Geschichtsbücher, Nachschlagewerke und Lehrbücher finden. Als Klassiker muss man, anders gesagt, im Diskurs präsent bleiben, obwohl die aktuelle Entwicklung über einen hinweggegangen und die Mode weitergezogen ist. Ob man das schafft, hängt von dem Einkommen an Aufmerksamkeit ab, das der Markt als Preis für die Attraktionsleistung ermittelt. Auf diesem Markt kommen, wie auf allen Märkten, Machenschaften und falsches Spiel vor. Man braucht aber nach keinen Verschwörungstheorien zu greifen, um zu erklären, wie die Auswahl der Klassiker zustande kommt. Es reicht, auf die Dynamik des Markts beziehungsweise darauf zu achten, wie sich die Preisbildung selbst organisiert.

Richard Strauss: Daphne

Dirigentin: Simone Young

Peneios: Georg Zeppenfeld
Gaea: Elisabeth Kulman
Daphne: Meagan Miller
Leukippos: Michael Schade
Apollo: Johan Botha

Es gibt viele Opern mit dämlichen Libretti und großartiger Musik. Dieses Spätwerk des Richard Strauss ist ein besonders eklatanter Fall. Obwohl mich die Antike in jeglicher Ausprägung bekanntlich sehr fasziniert, und Ovids Metamorphosen zu meinen Lieblingsbüchern zählen, langweilte ich mich inhaltlich den überwiegenden Teil der Oper. Für Richard Strauss war dieser mythologische Stoff natürlich willkommen unheikel, fand die Uraufführung der Daphne doch im Herbst 1938 in Dresden statt.

Die musikalische Seite dagegen ist ausgezeichnet und dieser Abend war sicher nahe an der Referenz. Meagan Miller und Johan Botha glänzten mit einer exzellenten Form. Dirigentin (!) Simone Young stand dem Ensemble mit dem Staatsopern Orchester an Perfektion kaum nach. Trotzdem wird Daphne sicher keine meiner Lieblingsopern werden. Die Inszenierung störte nicht.

Tolstoi: Krieg und Frieden

Kasino des Burgtheaters 10.1./8.12.

Regie: Matthias Hartmann

mit
Elisabeth Augustin
Stefanie Dvorak
Sabine Haupt
Yohanna Schwertfeger
Mareike Sedl

und
Franz Csencsits
Sven Dolinski
Ignaz Kirchner
Peter Knaack
Fabian Krüger
Oliver Masucci
Rudolf Melichar
Udo Samel
Moritz Vierboom

[8.12.] Nach der im letzten Januar gesehen „Generalprobe“ nun also die „Premiere“. Die Unterschiede halten sich in Grenzen. Einiges wird etwas mehr herausgearbeitet, anderes zurückgenommen. Die multimediale Inszenierung wirkt noch professioneller. Auch beim zweiten Mal bestätigte sich mein Eindruck: Es war einer meiner besten Theaterabende überhaupt.

[10.1.] Während an manchen Bühnen schnell zusammeninszenierte Stücke pompös Premiere feiern, reagiert bei diesem gelungenen Theaterprojekt das Understatement: Es wird als öffentliche Probe verkauft. Dabei sind die fünf Stunden des Abends so penibel vorbereitet wie ein Diner für die beste Gesellschaft St. Petersburgs.

Wie kann man eine so „verrückte Idee“ haben, einen etwa 1600seitigen Roman auf die Bühne zu bringen? mag sich mancher fragen. Gibt es nicht schon genügend schlechte Verfilmungen? Matthias Hartmann versucht das anscheinend Unmögliche, und das Publikum ließ sich fünf Stunden lang in den Bann ziehen. Selbstverständlich kann man in dieser Zeit nur einen kleinen Teil des Romans veranschaulichen, aber die Auswahl der Kapitel ist so geschickt und die Darstellung der Romanfiguren so überzeugend, dass man tatsächlich einen hervorragenden Eindruck von Tolstois Monumentalwerk erhält.

Die Inszenierung ist irgendwo zwischen einer szenischen Lesung und einer Dramatisierung des Textes angesiedelt. Alle wichtigen Figuren werden durch Schauspieler verkörpert, wobei einige mehrere Figuren spielen. Die schauspielerische Leistung war exzellent. Teilweise werden Szenen gespielt, aber oft sprechen die Figuren schlicht Tolstois Beschreibungen. D.h. sie berichten in der dritten Person von sich. Was künstlich klingt, funktioniert auf der Bühne hervorragend. Das Bühnenbild besteht aus einem langen Tisch (zusammengestellt aus vielen kleinen Tischen) und jeder Menge Stühle, die auf verblüffende Art und Weise als Requisiten eingesetzt werden. Multimediale Technik und Livemusik kommen ebenfalls zum Einsatz. Zur Orientierung wird die Seitenzahl auf die Wand geworfen, so dass man immer weiß, wo die eben gezeigten Szenen im Roman angesiedelt sind.

Tolstois fesselnde Erzählkunst wird damit so kreativ in einen Theaterraum transferiert, dass ich gerne noch viel Weltliteratur in dieser Form sehen würde. Ein aufwändiges, originelles, berührendes, witziges, kurzweiliges Theaterprojekt. Unbedingt ansehen.

Thornton Wilder: The Bridge of San Luis Rey

Es gibt nur wenige Klassiker, die in Peru spielen. Einer davon ist Wilders The Bridge of San Luis Rey (1927). Die erste Hälfte des Romans las ich in Peru, die zweite Hälfte dann nach meiner Rückkehr.

Der Text ist für einen historischen Roman sehr kurz. Das Thema ist ein Weltanschauliches, nämlich ein religiöses Experiment. Die Brücke von San Luis Rey, gelegen zwischen Lima und Cusco, stürzte 1714 ein. Fünf Menschen hatten nicht nur das Pech, zum Zeitpunkt des Unglücks auf der Brücke zu sein, sie wurden bei ihrem Missgeschick auch noch vom Franziskanermönch Juniper beobachtet. Bruder Juniper ist von einem Ziel besessen, nämlich die Theologie als exakte Wissenschaft zu etablieren. Er ergreift die sich ihm nun bietende Gelegenheit beim Schopf, und will durch die Analyse dieser fünf Biographien ein Begründung dafür finden, warum ausgerechnet sie zu diesem Zeitpunkt ums Leben kamen.

In fünf Teilen erzählt Wilder nun die Lebensgeschichten der Opfer, die alle auf ihre Art außergewöhnlich sind. Die fünf Unglücksraben standen tatsächlich jeweils an der Schwelle eines neuen Lebensabschnitts. Als Leser erschließt sich einem allerdings kein plausibler Grund für ihren Tod. Die Kirchenobrigkeit sah das anders: Bruder Juniper wird wegen Ketzerei zum Tod auf dem Scheiterhaufen verurteilt.

Das ist literarisch alles exzellent ausgeführt. Die Verknüpfungen zwischen den Geschichten sind subtil, aber an vielen Stellen vorhanden. Sprachlich ist es ein Lesevergnügen. Trotzdem hält sich meine Begeisterung für das Buch in Grenzen. Wenn man bedenkt, was in den zwanziger Jahren des letzten Jahrhunderts (und davor) noch alles geschrieben wurde, haftet der Bridge of San Luis Rey etwas Anachronistisches an.

Thornton Wilder: The Bridge of San Luis Rey. (Penguin)

Mark Adams: Turn Right at Machu Picchu

Zu dem Buch schrieb ich bereits Mitte Oktober eine Notiz, die beim Hacken der Notizen leider verloren ging.

Eines der Bücher, die ich als Vorbereitung für meine Südamerika-Reise las. Der New Yorker Mark Adams arbeitet seit Jahrzehnten als Redakteur für Reisemagazine. Unzählige berichtende Reisende schickte er in alle Weltregionen, selbst verließ er die USA jedoch kaum. Als sein Interesse für den Entdecker Machu Picchus, Hiram Bingham, wuchs und wuchs, fasste er den Entschluss, auf seinen Spuren Peru zu bereisen. Es sei an dieser Stelle gleich gesagt, dass Bingham zwar Machu Picchu weltberühmt machte, Machu Picchu aber genau genommen nie vergessen war. Binghams Artikel und Fotos beförderte National Geographic aus der Nische der Fachzeitschriften heraus: Die Auflage vervielfachte sich. Die Legende Bingham war geboren und hält sich bis heute.

Mark Adams engagiert mit John Leivers einen Expeditionsleiter der alten Schule. Gemeinsam mit Maultieren und Trägern beginnen sie das Abenteuer. Das Buch schildert nun abwechselnd die Reiseabenteuer dieser Truppe, die Biographie und Expeditionen des Hiram Bingahm sowie die Grundlagen der Geschichte der Inka. Der aktuelle Forschungsstand und der politische Streit um die Rückgabe der nach den USA transportierten Kunstwerke kommen ebenfalls nicht zu kurz.

Das Ergebnis ist ein sehr abwechslungsreich zu lesendes Buch. Im Vergleich zu den anderen Ebenen des Buches nehmen allerdings die Reiseschilderungen Mark Adams etwas zu viel Raum ein. Die Geschichte Binghams und die allgemeinen Ausführungen sind interessanter und hätte stärker gewichtet werden sollen.

Wer nach Peru will oder sich für Machu Picchu interessiert, wird Turn Right at Machu Picchu gerne lesen.

Mark Adams: Turn Right at Machu Picchu. (Plume)

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„Die Presse“ meint:

"Aber das Internet ist nicht schuld daran, dass Zeitungen reihenweise ihre Literaturseiten „gesundschrumpfen“. Vielmehr hat es das Monopol der traditionellen Medien auf seriöse Literaturkritik gebrochen. Blogs wie die „Notizen“ des promovierten österreichischen Literaturwissenschaftlers Christian Köllerer (koellerer.net) zeigen: Es gibt genug Qualität, man muss sie nur suchen."
(5. Januar 2013)

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