Antike im Web (5): Ephesus

Eine virtuelle Stadttour mit Panorambildern, einschließlich des Tempels des Hadrian und der Badeanlagen. Besonders empfehlen möchte ich naturgemäß einen Bibliotheksbesuch.

John Updike: Unter dem Astronautenmond

Der zweite Teil der Rabbit-Tetralogie ist ästhetisch komplexer als sein Vorgänger. Ein Grund dafür ist die explizite politische Dimension des Werks. Implizit ist ein Roman als fiktionale Darstellung von Wirklichkeit natürlich immer politisch (wenn man den Begriff nicht zu eng fasst).

„Rabbit Redux“ zeigt die Umwälzungen der amerikanischen Gesellschaft Ende der sechziger Jahre aus der Sicht eines Kleinbürgers, dessen Leben befristet aus den Fugen gerät. Updikes Leistung besteht darin, diese Bedeutungsschichten so in den Roman einzubetten, dass sie als integraler Bestandteil der Handlung wirken, keinesfalls aufgesetzt wie so oft in politischen Thesenromanen. Zudem konfrontiert Updike den Leser mit einer Vielzahl von Perspektiven und unorthodoxen Meinungen, die erst kombiniert ein Gesamtbild ergeben.

Literarisch ist das Buch von erstaunlicher Perfektion: Von der komplexen Metaphorik über die personale Erzähltechnik bis hin zur Zeitstruktur, Updike beherrscht sein Handwerk. Motivation genug, sich nach und nach durch sein Gesamtwerk zu lesen.

John Updike: Unter dem Astronautenmond (rororo)

Bücherherbst (13): Reclam

Es ist schon bemerkenswert, dass eines der spannendsten Herbst-Verlagsprogramme aus dem Hause Reclam kommt. Aber da deutschsprachige Verlage kaum noch existieren, die regelmäßig geistesgeschichtliche und weltliterarische Werke in akzeptabler editorischer Qualität verlegen, hält sich die Überraschung in Grenzen.
Dank Reclam wird es endlich wieder einmal eine größere deutsche Ausgabe der Schriften Plotins geben. Übrigens sind die Werke Arthur Schnitzlers jetzt in der UB zu haben, nachdem sie nicht mehr urheberrechtlich geschützt sind.

  • Arnold Werner-Jensen: Das Reclam Buch der Musik (Reclam 10/2001; DM 49,90.-)
  • Ulrich Suerbaum: Der Shakespeare Führer (Reclam 9/2001; DM 50.-)
  • Goethe: Zeichnungen (Reclam Sonderausgabe; 9/2001; DM 90.-)
  • Hans Dietrich Irmscher: Johann Gottfried Herder (Reclam UB 12/2001; DM 18.-)
  • Hans-Peter Ecker (Hrsg.): Legenden. Heiligengeschichten vom Altertum bis zur Gegenwart (Reclam UB 12/2001; DM 22.-)
  • Hans-Ulrich Thamer: Der Nationalsozialismus. Charisma und Gewalt (Reclam UB 12/2001; DM 20.-)
  • Benedikt Jeßnig: Arbeitstechniken des literaturwissenschaftlichen Studiums (Reclam UB 10/2001; DM 9.-)
  • Sebastian Graeb-Könneker: Literatur im Dritten Reich. Texte und Dokumente (Reclam UB 12/2001; DM 16.-)
  • Elisabeth Schmierer: Kleine Geschichte der Oper (Reclam UB 10/2001; DM 14.-)
  • Plotin: Ausgewählte Schriften (Reclam UB 10/2001; DM 24.-)
  • Thomas von Aquin: Über sittliches Handeln (Reclam UB 12/2001; DM 14.; zweisprachig)
  • La Mettrie: Der Mensch eine Maschine (Reclam UB 10/2001; DM 6.-)
  • Amazon

    Sechs fast gleichzeitig bestellte Bücher bei Amazon.de zeitigten folgendes Ergebnis: Heute trafen sechs Päckchen ein. Jedes Buch wurde einzeln versendet, darunter solche bei denen das Porto von Bad Hersfeld nach Wien definitiv mehr kostet als das Buch.
    Amazon argumentiert, dass das Zusammenfassen der Bücher logistisch teurer käme als sie getrennt zu verschicken. Auf diese Weise werden sie im Buchbereich aber kaum schwarze Zahlen schreiben…

    Bibliothek: Neuzugänge

  • Werner Liersch: Goethes Doppelgänger. Die geheime Geschichte des Doktor Riemer (AtV; gerade als TB erschienen)
  • Arthur Schnitzler: Jugend in Wien. Eine Autobiographie (Fischer TB; Nachwort von Friedrich Torberg)
  • Gustav Meyrink: Der Golem (Ullstein TB; Ullstein! :-))
  • Nico Rost: Goethe in Dachau. Ein Tagebuch (List Taschenbuch)
  • John Irving: Die Pension Grillparzer (detebe; Mini-detebe für DM 5.-)
  • John M. Keynes: The General Theory of Employment, Interest, and Money (Great Mind Series; dringend notwendige Verstärkung der ökonomischen Bibliothek)
  • Web-Tipp: netbib weblog

    Ein gelungenes Weblog rund um Bibliotheks-Themen. Regelmäßige Besuche lohnen sich.

    Das Museumsquartier Wien

    Ich wollte mir mit einer ersten ausführlichen Besichtigung Zeit lassen, bis der Eröffnungsansturm auf das neueröffnete Museumsquartier vorüber war. Durch Aufsätze von Architekturkritikern wie Jan Tabor vorgewarnt, fand ich deren Befürchtungen bestätigt: Der Betrachter sieht sich mit einer uninspirierten Ansammlung von Gebäuden konfrontiert, die wie zufällig von einer gewaltigen Barockanlage eingerahmt werden. Nach der Umsetzung von kühnen architektonischen Ideen sucht man vergeblich. Es bleibt zu hoffen, dass wenigstens die Programme der dort untergebrachten Einrichtungen plausible Konzepte entwickeln, als Kontrapunkt zur architektonischen Beliebigkeit.

    Andreas Breitenstein über Robert Menasses neuen Roman

    Viel wird sie gescholten, die Literaturkritik der Gegenwart: Es mangele ihr an ästhetischer Reflexion, sie sei zum verlängerten Arm der Werbeabteilungen der Verlage verkommen.

    Aber es gibt sie noch, die klugen Rezensionen, nicht wenige davon sind in der NZZ zu finden.

    Ein aktuelles Beispiel ist Andreas Breitensteins umfangreiche Auseinandersetzung mit „Die Vertreibung aus der Hölle“. Er beschränkt sich nicht auf die ereignisreichen Handlungsstränge des Romans, sondern untersucht vorbildlich auch die ästhetische Struktur des Werkes.

    [Zusammenfassung von Breitensteins Rezension beim „Perlentaucher“]

    Thomas Bernhard: Amras

    Suhrkamp Taschenbuch (Amazon Partnerlink)

    1964 geschrieben ist diese Erzählung aufschlussreich für Bernhards literarische Entwicklung. So finden sich eine Vielzahl von thematischen Motiven, die für seine späteren Werke konstitutiv sind: die Beschäftigung der Figuren mit Geistesfragen (hier Naturwissenschaften und Musik), sein schonungsloser Blick auf die österreichische Provinz (hier Tirol), die Zurückgezogenheit der Protagonisten von der Welt (hier ein Turm), das Zerbrechen von Geistesmenschen an der Welt.

    Bernhards zukünftiger Stil klingt bereits an, er unterscheidet sich aber deutlich von seinem „reifen“ Romanstil. Seine spätere Übertreibungskunst relativiert seine Kritik durch Ironie, ohne sie zu entkräften. In „Amras“ ist wenig davon enthalten, so dass das schmale Werk einen viel düsteren Eindruck auf den Leser macht als seine Hauptwerke.

    Joseph Epstein: The Great Bookie Mortimer Adler

    Knapp hundertjährig starb Ende Juni Mortimer J. Adler Mortimer J. Adler, der maßgeblich an der letzten Revision der Encyclopeadia Britannica beteiligt war, eine der größten lexikographischen Leistungen des 20. Jahrhunderts. Auf Adlers Anregung basiert vor allem die strukturelle Aufteilung der Wissensgebiete, wie man sie in der Propeadia nachlesen kann, einer einzigartigen Kombination aus Gliederung & Inhaltsangabe für eine Enzyklopädie. Mit ihrer Hilfe ist es möglich, sich einen umfassenden Überblick über ein neues Sachgebiet zu erarbeiten.

    Auch „The Great Books of the Western World“, eine monumentale Anthologie wichtiger Werke der Geistesgeschichte in 54 Bänden wurde von Adler publiziert. Durch sein Engagement für die Lektüre von „Great Books“ wurde er zu einem der bekanntesten Verfechter des klassischen Kanons.

    Epstein zeichnet in seinem ausführlichen Nachruf allerdings ein wenig vorteilhaftes Bild des Philosophen. Vor allem Charakterschwächen Adlers haben es ihm angetan, seine Leistung rund um die neue Britannica würdigt er kaum. Es ist sicher richtig, dass Adler kein bedeutender Philosoph im traditionellen Sinn des Wortes war: Er leistete kaum Beiträge zu neuen Erkenntnissen. Trotzdem war sein Streben, umfassende Wissensvermittlung auf hohem intellektuellen Niveau für ein möglichst breites Publikum zu erreichen, klassisch aufklärerisch.

    Ein Trost zu wissen, dass Adler fast 100 Jahre alt wurde, so war ihm deutlich mehr Zeit zur Lektüre seiner „Great Books“ vergönnt, als dem durchschnittlichen Sterblichen zur Verfügung steht.

    Buch-Hinweise:

  • Mortimer J. Adler; Charles van Doren: How to Read a Book. The Classical Guide to Intelligent Reading (New York 1972)
  • Mortimer J. Adler: Six Great Ideas (New York 1981)
  • Mortimer J. Adler: Philosopher at Large. An intellectual Autobiography 1902 – 1976 (New York 1977)
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    „Die Presse“ meint:

    "Aber das Internet ist nicht schuld daran, dass Zeitungen reihenweise ihre Literaturseiten „gesundschrumpfen“. Vielmehr hat es das Monopol der traditionellen Medien auf seriöse Literaturkritik gebrochen. Blogs wie die „Notizen“ des promovierten österreichischen Literaturwissenschaftlers Christian Köllerer (koellerer.net) zeigen: Es gibt genug Qualität, man muss sie nur suchen."
    (5. Januar 2013)

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    • "Österreicher glücklicher als EU-Durchschnitt". Glück ist ja direkt proportional zu Dummheit. 3 Stunden
    • Es gibt ja kaum etwas Überflüssigeres im Universum als die britischen Royals. 3 Stunden
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