IASL – Neue Rezensionen

    Eingetroffen: Schreibheft Nr. 56

    Schon das Durchblättern der neuen Ausgabe reicht aus, um den besonderen Rang dieser Zeitschrift bestätigt zu finden. Ein Schwerpunkt ist diesmal das Verhältnis von Literatur und Wissenschaft. Als Beispiel seien nur Jan Kjaerstads „Die Spaltung des Romans. Literatur und Quantenphysik“ sowie Svend Age Madsens „Der Gen-Spiegel“ genannt.

    Österreich – ein Land der Wissenschaft

    öS 200.- Telefonbudget für Professoren: Die Zustände an den österreichischen Universitäten nehmen immer groteskere Ausmaße an. International renommierte Spitzenwissenschaftler wie die Politologen Anton Pelinka und Fritz Plasser dürfen an ihrem Institut nur noch für 200 Schilling [= DM 29.-] telefonieren. Jeder Schilling mehr wird vom Gehalt abgezogen. Pelinka nimmt es locker: „Ich schreibe halt mehr Mails.“

    (Format 21/2001)

    Ibsen: Rosmersholm

    3 SAT, Burgtheater Wien

    Seit Monaten versuche ich für diese Inszenierung im Wiener Akademietheater Karten zu bekommen – vergeblich. Gestern schließlich eine Aufzeichnung im Fernsehen. Peter Zadek inszeniert zurückhaltend, läßt sich ruhig auf die Dialoge ein, verläßt sich auf die Gestaltungskraft der Schauspieler Gert Voss (Johannes Rosmer), Angela Winkler (Rebecca) und Peter Fitz (Dr. Kroll). Ein Beleg dafür, wie spannend „klassische“ Inszenierungen auch in Zeiten des Regietheaters sein können. Beide Inszenierungesstile ergänzen sich optimal, das Gegenwartstheater braucht beide Varianten.

    Web-Tipp: NOVA

    Eine der erfolgreichsten Wissenschafts-Sendungen der Welt, naturgemäß etwas populärwissenschaftlich. Immerhin findet man dort im Realvideo- bzw. im Quicktime-Format* eine Reihe von Sendungen online, darunter auch eine zweistündige Sendereihe über das menschliche Genom.

    Update Jan. 2010: …bzw. dem heutzutage allgegenwärtigen Flash :-) Allerdings scheinen viele der aktuelleren NOVA-Sendungen aufgrund rechtlicher Einschränkungen von Europa aus nicht angesehen werden zu können.

    Grillparzer: Selbstbiographie

    Bibliothek Deutscher Klassiker, Band 1 bzw. J. G. Hoof (Amazon Partnerlink)

    Sicher einer der interessantesten autobiographischen Texte der deutschsprachigen Literatur. 1853 entstanden, unvollendet im Nachlass aufgefunden und 1872 erstmals publiziert. Grillparzer legt einen Schwerpunkt auf seine Kinder- und Jugendzeit, wohl auch um die Entwicklung seines komplexen Charakters zu veranschaulichen. Einerseits ist er ständig von Unsicherheit und Selbstzweifel geplagt, andererseits ist er sich seiner Bedeutung als Schriftsteller durchaus bewusst, weshalb er sich oft unverstanden und zurückgesetzt fühlt, eine emotionale Reaktion, wie sie bei Literaten nicht selten ist, man denke nur an Musil.

    Weitere Schwerpunkte sind ästhetische Reflexionen über die Entstehung seiner Werke und das literaturgeschichtliche Umfeld sowie seine Deutschlandreise, während der er nicht nur mit Goethe, Tieck und Hegel zusammentrifft.

    Bibliothek: Neuzugänge

    Eingetroffen: Journal of the History of Ideas

    Vol. 62, 1/2001

    Wohl die beste und vermutlich auch älteste Zeitschrift zum Themenkreis Geistesgeschichte. Die aktuelle Ausgabe enthält unter anderen Beiträge über „The Plot of History“ (Eric MacPhail), „Late Antiquity and the Florentine Renaissance“ (Christopher S. Celenza), „Gersonides“ (Steven Nadler), „Money and Sovereignity in Early Modern France“ (Jotham Parsons) und „William Gilbert’s Experimental Method“ (John Henry).

    Im Gegensatz zu vielen deutschsprachigen Zeitschriften ist das JHI auch relativ günstig, ein Abonnement kann ich nur empfehlen: Subscription Information

    Agota Kristof: Das große Heft

    Rotbuch Verlag bzw. Serie Piper (Amazon Partnerlink)

    Eine literarische Entdeckung. In knapper, eigenwilliger Prosa beschreibt Kristof die ruinösen psychologischen und moralischen Auswirkungen des 2. Weltkrieges auf zwei intelligente Jungen, Zwillinge. Der präzise Roman erzählt die Geschehnisse aus der Sicht der beiden (Wir-Roman), wie ich es in dieser Form noch nie gelesen habe.

    Bücher für das deutsche Kanzleramt

    Nun ist ja bekannt, dass die deutsche Kulturpolitik bis jetzt nicht auf die Idee gekommen ist, anspruchsvolle Verlage bzw. wichtige Bücher zu fördern. Dass Bundesbehörden aber nicht einmal in der Lage sind, Bücher selbst zu kaufen, sondern sich auf die Großzügigkeit der Verlage verlassen, erscheint mir sehr bezeichnend für das neue Deutschland zu sein. Im Börsenblatt ist zu lesen:

    Am Vorabend des Jahrestags der Bücherverbrennung (10.Mai) hat Börsenvereinsvorsteher Roland Ulmer mehr als 800 Bücher an Bundeskanzler Gerhard Schörder übergeben, die von deutschen Verlagen gestiftet wurden. Die Sammlung ist im Büro des Bundeskanzlers und weiteren Dienst- und Repräsentationsräumen des neuen Bundeskanzleramts aufgestellt. Die Buchauswahl erweitert die traditionelle Fachbibliothek des Kanzleramts. Schwerpunkte der neuen Büchersammlung bilden die Literatur des 20. Jahrhunderts sowie grundlegende Darstellungen zu den Bereichen Religion, Soziologie, Geschichte, Zeitgeschichte, Politik, Philosophie und Kunst.

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    „Die Presse“ meint:

    "Aber das Internet ist nicht schuld daran, dass Zeitungen reihenweise ihre Literaturseiten „gesundschrumpfen“. Vielmehr hat es das Monopol der traditionellen Medien auf seriöse Literaturkritik gebrochen. Blogs wie die „Notizen“ des promovierten österreichischen Literaturwissenschaftlers Christian Köllerer (koellerer.net) zeigen: Es gibt genug Qualität, man muss sie nur suchen."
    (5. Januar 2013)

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