Web-Tipp: Biologie

Ein Online-Lehrbuch für Biologiestudenten. Bietet zahlreiche einführende Texte an, u.a. zur Zellbiologie, Genetik und Biochemie.

Bücherherbst (9): Stroemfeld, Steidl, Karl Blessing,…

…text+kritik. J.B. Metzler

Bücherherbst (8): Suhrkamp und Co.

Suhrkamp ist auch nicht mehr, was es nie war. Der Verlust der Wissenschaftslektoren Friedhelm Herborth und Horst Brühmann vor drei Jahren wird immer mehr im Programm sichtbar: Die Postmoderne und andere irrationale Ideologien breiten sich immer ungenierter im Verlagsprogramm aus.

Es nimmt inzwischen schon skurrile Züge an, ich staunte nicht schlecht als ich beim Durchblättern auf eine Seite stieß, die sich nur philosophisch gefestigte Gemüter (vorzugsweise Stoiker) ansehen sollten: hier ist sie. Man braucht also seinem Gehirn nur regelmäßig und systematisch den Sauerstoff zu entziehen, indem man auf den höchsten geologischen Formationen dieses Planeten herumkriecht, um von Suhrkamp zum Philosophen befördert zu werden…

Die Laune hebt sich nicht wirklich, wenn man auf die Seite daneben blickt, wo einen Jacques Derrida, der seit über 30 Jahren Unsinn mit Tiefsinn verwechselt, und Peter Sloterdijk, der hier eigentlich gar nicht erwähnt werden dürfte, mit ihren neuen Büchern belästigen. Jede Zeit hat die Philosophen, die sie verdient.

Aktualisiert: Neu aufgenommen…

…in die Linkliste:

Bücherherbst (7): C.H. Beck, Hanser

Heute sind gleich drei wichtige Verlagsvorschauen eingetroffen. Außer C.H. Beck und Hanser noch Suhrkamp, über letztere werde ich in den nächsten Tagen berichten. C.H. Beck bringt wieder eine Reihe spannender Sach- und Fachbücher, während Hanser vielversprechende Belletristik publiziert, darunter den zweiten Roman von Norbert Niemann, der eines der besten Romandebuts der letzten Jahre vorgelegt hat. Auf sein zweites Buch darf man sehr gespannt sein.

IASL – Neue Rezensionen

Bücherherbst (6): Arche, Alexander Fest

Sokrates enzyklopädisch

Es ist ein leider weit verbreitetes Vorurteil, dass sich die besten enzyklopädischen Artikel immer in der aktuellsten Auflage eines Lexikons befinden. Das mag für naturwissenschaftliche und aktuelle technische Themen zutreffend sein, nicht zwangsläufig aber für (geistes)geschichtliche, wie ein Vergleich mehrerer Einträge zum Stichwort Sokrates einmal mehr belegt.

1. Meyer’s neues Konversations-Lexikon. Zweite Auflage 1861

Der anonyme Autor gibt einen durchaus brauchbaren Überblick. Die Parteinahme für Sokrates ist nicht zu übersehen, alles in allem wird das klassische Sokrates-Bild vermittelt. Kritiker werden mit erfrischender Polemik bedacht. So gab es schon im 19. Jahrhundert die Meinung, der Philosoph sei zurecht verurteilt worden, worüber sich der Verfasser erbost:

Diese ungenirte Rechtfertigung eines Aktes, der ganz einfach das Ergebniß sophistischer und demagogischer Ränke war und die sittliche Korruption bekundete, ist selbst als ein Zeugnis moderner sophistischer Zersetzung zu betrachten. Die große Bedeutung des S. ist in der Anregung zu suchen, die er durch sein Leben und noch mehr durch seinen Tod gab. Die ganze platonische und aristotelische Philosophie würden nicht das geworden sein, was sie sind, wenn der Gedanke an die Persönlichkeit des S. nicht der sophistischen Zersetzung des damaligen Denkens in einigen edleren Geistern die Wage gehalten und gleichsam als moralischer Rückhalt und Trost gedient hätte. [Band 14, S. 705]

2. Meyers Großes Konversationslexikon. Sechste Auflage 1907ff.

Knapp 50 Jahre später, wird der ältere Artikel als Basis herangezogen, eine Reihe von Passagen werden trotz einer allgemeinen Überarbeitung wörtlich übernommen. Auch der Tenor ist derselbe, allerdings ist der Text „technischer“, d.h. es wird deutliche mehr philosophische Fachterminologie ins Spiel gebracht (Induktion, Definition):

Das eigentlich Neue in der Kunst des S. bestand (nach Aristoteles) darin, einerseits von der Betrachtung des Besonderen zum Allgemeinen aufzusteigen (Induktion), andererseits durch Ausscheidung des Unwesentlichen und Ungehörigen wie durch Zusammenfassung des Wesentlichen und Unentbehrlichen zum Begriff zu gelangen (Definition), welch letzterer, weil er der Sache selbst entspricht, immer derselbe bleibt, während das Allgemeine, weil es aus dem Besonderen gewonnen worden ist, dieses letztere sämtlich in sich begreift. [Band 18, S. 573]

Den kompletten Eintrag gibt es bei zeno.org zu lesen.

3. The Encyclopaedia Britannica. Eleventh Edition 1911

Dieser ausführliche Artikel – schätzungsweise knapp 30 normale Buchseiten – gehört zum Besten, was ich bisher über Sokrates las. Der fast zeitgleich verfasste Meyer-Beitrag bleibt im Vergleich damit qualititativ und quantitativ zurück.
Geschrieben von dem mir bis dato unbekannten Prof. Henry Jackson geht er ausführlich auf die diversen Probleme der Sokrates-Forschung ein, präsentiert bei Bedarf aber auch eigenständige Lösungsvorschläge. So etwa auf die Frage, warum Sokrates zum Tode verurteilt wurde. Adams argumentiert hier plausibel unter Bezugnahme auf eine gemäßigt-oligarchische Partei, von der in der bisher von mir ausgewerteten Literatur nirgends die Rede war. Ein weiteres Beispiel ist die Behandlung des sokratischen „Daimons“. Der Verfasser zählt analytisch sechs mögliche Interpretationen auf, bewertet sie und übernimmt, etwas modifiziert, die beste.

Der Artikel ist stilistisch hervorragend geschrieben, etwas wenn in einem treffenden Nebensatz die Glaubwürdigkeit Xenophons als Zeugen folgendermaßen begründet wird:

Xenophon, having no philosophical views of his own to develop, and no imagination to lead him astray – being, in fact, to Socrates what Boswell was to Johnson – is an excellent witness. [Band 25, S. 332]

Da mir bewusst ist, dass die elfte Britannica-Auflage im deutschsprachigen Raum ziemlich selten ist, der Text aber weite Verbreitung verdient, habe ich diesen Artikel digitalisiert und biete ihn hier als Download an. Es handelt sich um acht JPG-Grafiken als ZIP-File (ca. 2,6 MB).

Update Jan. 2010: Mittlerweile gibt es die 11. Auflage schon seit einigen Jahren (komplett) online. Der Artikel zu Sokrates bei „Classic Encyclopedia“.

4. Encyclopaedia Britannica. Fifteenth Edition 1997

5. Der Brockhaus – Die Enzyklopädie (1996?)

Der Artikel wurde von mir digital über Xipolis.net* besorgt, weshalb ich mangels Quellenangaben nicht sicher bin, aus welcher Auflage des Lexikons er stammt, vermutlich aus der aktuellen 20.

Wie dem auch sei: Der Artikel behandelt Sokrates auf denkbar knappem Raum, und schafft es hervorragend, oberflächlich die wichtigsten Informationen zu geben, ohne auch nur ansatzweise auf interessante Probleme einzugehen. Hier ist man schon mit dem Meyer Artikel aus dem Jahr 1861 wesentlich besser bedient. Apropos: Eine kritische Rezension des aktuellen großen Brockhaus sei auch noch erwähnt.

Mehr Notizen zu Sokrates: Martens und Stone .

* Xipolis.net wurde Mitte 2009 eingestellt.

Martin Geck: Ludwig van Beethoven

rororo monographie

1996 erschienen, gibt Gecks kleine Monographie einen soliden Überblick über das Leben & Werk Beethovens. Das Buch ist denkbar unspektakulär, was angesichts der Menge an verklärender Beethoven-Literatur durchaus als Kompliment gemeint ist. Erwähnenswert ist das kurze rezeptionsgeschichtliche Kapitel. Da viele Sinfoniker des 19. Jahrhunderts musikalisch-strukturell weniger wagemutig gewesen seien als Beethoven – Geck nennt als Beispiel die vergleichsweise traditionellen Durchführungen bei Mendelssohn und Schumann – zieht er folgende Schlussfolgerung:

Vielleicht sind Gustav Mahler und Dimitrij Schostakowitsch die einzigen gewesen, welche den phantastisch-romantischen Beethoven auch innerhalb des sinfonischen Genres haben weiterleben lassen. (S. 133)

Web-Tipp: Karl-Popper-Sammlung

Hier wird seit 1995 der Nachlass Karl Poppers verwaltet, darunter auch Poppers Arbeitsbibliothek, die 7000 Bände umfasst. Es gibt eine online abrufbare Datenbank, die aber im Moment nicht zur Verfügung steht. Die Sammlung wird von der Universitätsbibliothek Klagenfurt verwaltet.

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„Die Presse“ meint:

"Aber das Internet ist nicht schuld daran, dass Zeitungen reihenweise ihre Literaturseiten „gesundschrumpfen“. Vielmehr hat es das Monopol der traditionellen Medien auf seriöse Literaturkritik gebrochen. Blogs wie die „Notizen“ des promovierten österreichischen Literaturwissenschaftlers Christian Köllerer (koellerer.net) zeigen: Es gibt genug Qualität, man muss sie nur suchen."
(5. Januar 2013)

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