Moderne Erzähltheorie

So heisst ein bei UTB publizierter Aufsatzband, der von Stefan Schmitzer auf den Seiten des Wiener Literaturhauses rezensiert wird.

Vorsicht Literaturwissenschaft!

Dass in der Literaturwissenschaft anstatt seriöser Erkenntnisse oft originelle Spektakel angesagt sind, zeigt die Arbeit eines Siegener Literaturwissenschaftlers, der die Karl-May-Lektüre Hitlers für Hitlers Osteuropa-Pläne verantwortlich macht [Telepolis: Amerika im Osten?]

Sophokles: Antigone

Kammerspiele des Deutschen Theaters am 1.5.

Der erste Theaterbesuch setzte hohe Maßstäbe: Die Inszenierung von Peter Wittenberg traf genau den Punkt zwischen Modernität und Werktreue, die einer antiken Tragödie angemessen ist. Der Chor wurde durch die Schauspieler selbst gesprochen, die durchgehend sehr gute Leistungen erbrachten, besonders Inka Friedrich als Antigone und David Rott als Haimon.

Sophokles Werk halte ich für eines der besten Dramen überhaupt, dessen Zeitlosigkeit mich bei jeder Lektüre oder Aufführung erneut verblüfft. Ein Höhepunkt der Weltliteratur, man möge mir diese Phrase verzeihen.

Tschechow: Die Möwe

Gorki Theater am 2.5.

Die klassisch-psychologische Inszenierung von Luc Bondy (Wiener Akademietheater) noch in guter Erinnerung, war der Kontrast besonders reizvoll. Katharina Thalbach lieferte solides Regietheater ab, garniert mit zahlreichen (mehr oder weniger) witzigen Einfällen und einigen gelungenen Theaterbildern. Schauspielerisch gab es nichts auszusetzen.

Eine Entscheidung zwischen beiden Regiestilen zu treffen, fiele mir schwer. Beide Varianten haben ihre Berechtigung. Die Theaterästhetik kann von einer pluralistischen Herangehensweise nur profitieren. Das beliebte Ausspielen von Regietheater gegen „literarische“ Inszenierungen führt zu nichts und sollte deshalb tunlichst unterlassen werden.

Noch ein Wort zum Publikum: Die Berliner scheinen „modernen“ Inszenierungen wesentlich aufgeschlossener gegenüber zu stehen als die Wiener, gemurrt wurde kaum. Die allgemeine „Theaterkompetenz“ scheint jedoch nicht größer zu sein. Zumindest war es ein hartes Stück Arbeit, ein Berliner Ehepaar, nach eigener Aussage regelmäßige Theaterbesucher, davon zu überzeugen, dass „Die Möwe“ mit dem 3. Akt (Pause) noch nicht zu Ende war…

Goethe: Stella

Deutsches Theater am 3.5.

Der einzige theatralische Reinfall in Berlin. Stephan Kimmings völlig überdrehte Regie setzt auf eine Mischung von Slapstick und Übertreibungen. Diese Lächerlichkeit wird dem Stück keineswegs gerecht. Ein Musterbeispiel für schlechtes Regietheater.

Bibliothek: Neuzugänge

  • Schreibheft Nr. 60: Leave us alone – Generationen des Erzählens (Rigodon Verlag; Richard Powers, David Foster Wallace u.a.)
  • Polyglott: Die schönsten Reiseziele: Italien (Polyglott; Sonderausgabe für 10 Euro)
  • Anthropologie online

    Das Palomar College (Kalifornien) hat eine Reihe gelungener Tutorials online. Besonders empfehlenswert sind die umfangreichen Linklisten.

    Johann Heinrich Meyer und Bücher über Bücher

    Drei lesenswerte Rezensionen sind anzuzeigen. Klaus Hübner stellt in literaturkritik.de die erste Biographie über den Goethefreund Johann Heinrich Meyer vor. Zwei neue Nachschlagewerke über Bücher werden in Lirez vorgestellt, nämlich das „Wörterbuch des Buches“ sowie „Reclams Sachlexikon des Buches“.

    Über Wahrheit

    Diesem Thema nimmt sich Bernard Williams in seinem neuen Buch „Truth and Truthfulness: An Essay in Genealogy“ an. Colin McGinn wiederum rezensiert* es in der New York Review of Books Nr. 6/2002. Da heutzutage kaum ein Begriff mehr missverstanden wird als ‚Wahrheit‘ sei McGinns kurze Zusammenfassung zitiert:

    Williams argues that truth is both indispensable to responsible discourse and unscathed by recent „postmodernist“ critiques (such as Richard Rorty’s). Such critiques „depend on the remarkable assumption that the sociology of knowledge is in a better position to deliver truth about science than science is to deliver truth about the world.“ But his main concern with what he calls […] „the virtues of truth“, which he divides into two, labeled Accuracy and Sincerity.

    Accuracy is the disposition to take care that in acquiring our beliefs we do our utmost (within reasonable limits) to ensure that wie have the best evidence possible, that we weigh it impartially and thoroughly, and that we remain always ready for counter-evidence

    […]

    Sincerity is related to communication between people: speaking the truth, expressing what one really believes, avoiding deception.

    * Der Artikel ist mittlerweile Teil des kostenpflichtigen Archivs der NYRB.

    Alban Berg Quartett (Mozart, Schwertsik,…)

    Per Arne Glorvigen (Bandoneon)
    (Konzerthaus 17.5.)
    Mozart: Streichquartett Es-Dur K421b
    Kurt Schwertsik: Adieu Satie op. 86 (2002)
    Astor Piazolla: Tango Sensations
    Smetana: Streichquartett Nr. 1 e-moll

    Das letzte Konzert des ABQ in dieser Saison zeichnete sich durch zwei Dinge aus: Die ungewöhnliche Länge (mehr als zweieinhalb Stunden) sowie die noch ungewöhnlichere Popularität des Programms. Die beiden Stücke von Schwertsik und Piazolla für Streichquartett und Bandoneon waren rhythmische Feuerwerke, sehr zur Freude des Publikums, das offenbar jederzeit auf subtilere ästhetische Herangehensweisen zu verzichten bereit ist.

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    „Die Presse“ meint:

    "Aber das Internet ist nicht schuld daran, dass Zeitungen reihenweise ihre Literaturseiten „gesundschrumpfen“. Vielmehr hat es das Monopol der traditionellen Medien auf seriöse Literaturkritik gebrochen. Blogs wie die „Notizen“ des promovierten österreichischen Literaturwissenschaftlers Christian Köllerer (koellerer.net) zeigen: Es gibt genug Qualität, man muss sie nur suchen."
    (5. Januar 2013)

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