Noch keine Thomas-Mann-Ausgabe in Sicht

Angekündigt für Oktober 2001, wegen “technischer” Probleme auf den Februar verschoben, gibt es nun einen neuen Termin: Im Juni soll der Auftakt diesmal stattfinden…

Addendum: Die ersten Bände erschienen tatsächlich im Juni. Siehe auch meine Seite auf koellerer.de zur GKFA.

Flaubert: November

Ein 1910 postum veröffentlichtes Jugendwerk, das aus durchaus unterschiedlichen Gründen eine aufmerksame Lektüre verdient. Einerseits ist der 1842 abgeschlossene Text stilistisch und inhaltlich ungewöhnlich: Flaubert schildert in einem höchst expressiven Stil, dessen Bilderwelt an spätere expressionistische Texte erinnert, ziemlich freizügig die sexuellen Nöte eines Jugendlichen.

Andererseits macht sich beim einundzwanzigjährigen Autor schon dessen späteres, völlig andersgeartete sprachliche Ideal bemerkbar, der expressive Text wird gegen Ende als Aufzeichnung relativiert und ein vergleichsweise nüchterner Erzähler berichtet vom Ende des Helden, wobei auch Seitenhiebe auf den Stil des “Manuskripts” nicht fehlen.

Flaubert: November. Erzählung (detebe)

Neues aus Leipzig

Markus Kolbeck hat, seine Leser werden es ihm danken, die verschiedenen bibliomanen Weblogs zu einem zusammengefasst*.

Addendum Jan. 2010: Mittlerweile ist Buecherlei.de der Schwerpunkt von Markus Kolbecks Aktivitäten.

* Gespiegelte Seite beim Internetarchiv aus Dokumentationszwecken. Bei ezines.onb findet man übrigens noch eine Version von Markus’ “Bibliomaniac List”, die Mitte der 90er mit dem “Zeit”-Preis ausgezeichnet wurde.

Robert Darnton: A Euro State of Mind

The New York Review of Books 3/2002

Es gibt eine Art von intellektueller Folklore, die darin besteht, gewisse Thesen gebetsmühlenartig zu wiederholen, Belege dafür aber schuldig zu bleiben. Eine Spielart davon ist eine undifferenzierte Aufklärungskritik: ohne zu präzisieren, was mit ‘Aufklärung’ eigentlich gemeint ist, wird diese für eine Reihe von Übeln auf der Welt verantwortlich gemacht, vom Waldsterben bis zu Konzentrationslagern.
Freilich führte bisher noch niemand den Nachweis, welche Ursachen genau dafür in Frage kommen und wie die Kausalkette im Detail aussieht, die von einer teilweise ziemlich heterogenen Denkhaltung im achtzehnten zu diversen Scheußlichkeiten im zwanzigsten Jahrhundert führen soll. Die Vorgehensweise von Adorno und Horkheimer in ihrer inzwischen oft belächelten “Dialektik der Aufklärung”, den Aufklärungsbegriff semantisch so aufzublähen, dass von Homer bis zum Nationalsozialismus alles hineinpasst (vom bösen Jazz gar nicht zu reden), ist vom methodischen Denkansatz auch ohne diese inhaltlich absurden Thesen nicht ernst zu nehmen.

Desto erfrischender wirkt vor diesem Hintergrund der Essay* Robert Darntons, der mit Verve für die Aufklärung eintritt und viel Vorbildhaftes für die Gegenwart herausarbeitet, etwa den sprichwörtlichen Kosmopolitismus unter den Gelehrten des 18. Jahrhunderts:

The Enlightenment itself was a complex movement, full of contradictions and countercurrents. It never commanded the allegiance of a majority among the elite, and it cannot be equated with all of intellectual life in the eighteenth century. But it championed the values that lie at the heart of the European Community today, and it did so in a way that offers an alternative to nationalism – that is, it developed a pan-European mode of existence known at the time as cosmopolitanism. [S. 30]

* Der Essay ist mittlerweile Teile des kostenpflichtigen NYRB-Archivs.

Private Literaturleidenschaften…

…dokumentiert der vor allem als Theaterkritiker der SZ bekannte C. Bernd Sucher in seinem neuen Buch, das Daniela Strigl rezensiert hat.

Zyklus Alban Berg Quartett: 3. Konzert

Mozart: Streichquartett D-Dur K 589
Rihm: Streichquartett Nr. 4
Beethoven: Streichquartett C-Dur op. 59/3
Wiener Konzerthaus 2.3.

Es ist immer wieder erstaunlich zu hören, wie das Ensemble zur Höchstform aufläuft, wenn Beethoven auf dem Programm steht, aber das ist ja auch diskographisch hinreichend dokumentiert.

Neu war für mich das 1979/81 entstandene vierte Streichquartett Wolfgang Rihms, das er dem Alban Berg Quartett gewidmet hatte und von diesem 1983 auch uraufgeführt wurde. Obwohl Rihm viele der klanglichen Möglichkeiten ausnutzt, welche die Neue Musik bietet, mutet das Werk vom Gesamteindruck beinahe “klassisch” an, zumal wenn es eingerahmt von Mozart und Beethoven präsentiert wird.

Ronald Dworkin: The Bush Threat

The New York Review of Books 2/2002

Die NYRB setzt erfreulicherweise ihre linksliberale Kritik am juristischen Amoklauf der US Regierung fort. Die Militärtribunale seien einer demokratischen Regierung unwürdig:

[...] and the verdict might be reviewed only by the President, or the secretary of defense if the President so designates.. This is the kind of “trial” we associate with the most lawless of totalitarian dicatorships. If any American were tried by a foreign government in that way, let alone a capital crime, we would denounce that government itself criminal. [S. 44]

Es bleibt zu hoffen, dass sich diese Stimmen mehren. Dworkin beklagt sich berechtigterweise darüber, wie wenig Kritik an diesen beispiellosen “Antiterror-Maßnahmen” geübt wird.

Ronald Dworkin: The Threat to Patriotism

Ein österreichisches Journal

Geschrieben von Karl-Markus Gauß, rezensiert von Ulrich Weinzierl.

343 amerikanische Autoren …

…versammelt das neue Metzler-Lexikon amerikanischer Autoren. Laut Thomas Leuchtenmüller ein sehr lobenswertes Unterfangen [Perlentaucher].

Klassiker-Verlage (15): Felix Meiner

Die Philosophische Bibliothek ist wohl die wichtigste Editionsreihe philosophischer Texte im deutschsprachigen Raum. Das Anliegen blieb seit 1868 gleich, die Leser sollten mit sorgfältig editierten Texten versorgt werden. Möge ihr noch ein langes Leben beschert sein :-)

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“Die Presse” meint:

"Aber das Internet ist nicht schuld daran, dass Zeitungen reihenweise ihre Literaturseiten „gesundschrumpfen“. Vielmehr hat es das Monopol der traditionellen Medien auf seriöse Literaturkritik gebrochen. Blogs wie die „Notizen“ des promovierten österreichischen Literaturwissenschaftlers Christian Köllerer (koellerer.net) zeigen: Es gibt genug Qualität, man muss sie nur suchen."
(5. Januar 2013)

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