Zwei New-York-Reiseführer

  • David Ellis: New York City (lonely planet)
  • Werner Skrentny: New York (Dumont Reise-Taschenbuch)
  • Diese beiden Bücher begleiteten mich auf meinen Wegen durch Manhattan. Die Zuverlässigkeit ließ in keinem Fall zu wünschen übrig. Der Band aus der renommierten lonely planet Reihe übertrifft in punkto Praxisnähe das deutsche Buch bei weitem. Dafür muss sich David Ellis „kulturgeschichtlich“ geschlagen geben, auch wenn die gebotenen Informationen vom ihm sehr konzis und pointiert geschrieben wurden.

    Beide Reiseführer ergänzen sich gut, so dass ich diese Kombination durchaus empfehlen kann. Mehr über das aktuelle New York demnächst auf diesem Kanal.

    Bibliothek: Neuzugänge

    Folgende drei Bücher habe ich in einem hervorragend sortierten Antiquariat (Upper West Side) gekauft, mehr ging sich tragetechnisch leider nicht aus :-)

  • Emory Elliott (Editor): Columbia Literary History of the United States (Columbia University Press, 1988; knapp 1300 Seiten; gebunden; regulär derzeit [2010] sehr teuer!)
  • Joseph Frank: Dostoevsky. The Seeds of Revolt. 1821-1849 (Princeton University Press; Frank ist der bekannteste amerikanische D.-Forscher und schrieb eine mehrbändige Biographie)
  • Raphael Sealey: A History of the Greek City States 700-338 B.C. (University of California Press 1976; Paperback; Darstellung mit Schwerpunkt auf Forschungsproblemen)
  • Marius Fränzel publiziert nun…

    …endlich sein Buch über Arno Schmidt: „Dies wundersame Gemisch. Eine Einführung in das erzählerische Werk Arno Schmidts“. (ISBN 3933598540) Möge es viele Käufer und Leser finden!

    Addendum Jan. 2010: Und nicht vergessen sollte natürlich ein Hinweis auf Bonaventura, dem Weblog von Marius, sein.

    Reise-Skizzen Griechenland (4): Mistra, Olympia

    Die mittelalterliche Stadt Mistra, unweit von Sparta gelegen, wurde unter beachtlichen bautechnischen Anstrengungen hoch an einem Berg errichtet. Auch das Alltagsleben war schwierig, mussten sich die Bewohner doch (samt den Tieren versteht sich) auf schmalen Bergwegen von Haus zu Haus bewegen.

    Besucht wird diese Ruinenstadt heute vor allem aus kunsthistorischem Interesse: es finden sich in den Kirchen dort originale byzantinische Wandgemälde (viele leider in ziemlich schlechtem Zustand). Bemerkenswert die christlichen „medizinischen“ Votivgaben. Sie unterscheiden sich nur geringfügig von den um 1600 Jahre älteren in Epidauros. Das religiöse Gegenüber war ein anderes, das Ritual blieb nahezu dasselbe.
    Die sozial- und kulturgeschichtliche Bedeutung von Olympia ist bekannt, traf sich dort doch regelmäßig das antike Griechenland zu Wettkämpfen, die den Anlass zu vielfältigen Nebentätigkeiten boten. Händler aller Art (auch solche mit Informationen) fanden sich ebenso ein, wie die unterschiedlichsten Berufe.

    Für eine Ausgrabungsstätte gibt es noch viel zu sehen, so dass die Orientierung nicht übermäßig schwer fällt. Höhepunkt ist das Museum mit zahlreichen Skulpturen des Zeus Tempels (dessen Überreste draußen zu besichtigen sind), welche die unglaubliche Ausdruckskraft griechischer Kunst vor Augen führen und bestes Beispiel dafür sind, dass die antiken Künstler ihren Formenkanon in einem rasanten Tempo erweiterten.

    Bin für ein paar Tage in New York…

    …Updates daher frühestens in einer Woche.

    Alban Berg: Wozzeck

    Orchester-Neufassung von John Rea
    Neue Oper Wien am 31.10.
    Musikalische Leitung: Walter Kobéra
    Inszenierung: Anton Nekovar
    Wozzeck: Rupert Bergmann
    Marie: Ingrid Habermann

    Freie Operngruppen haben es nicht leicht, deshalb sollte man nicht allzu strenge Maßstäbe bei der Beurteilung ihrer Arbeiten anlegen, denkt man sich üblicherweise. Mit dieser Erwartungshaltung fuhr ich in das alte Jugendstiltheater auf der Baumgartner Höhe, das mitten im Steinhofkomplex liegt, der berühmten Wiener psychiatrischen Anstalt.

    Die Aufführung war ausgezeichnet, vor allem Rupert Bergmann hatte als Wozzeck eine unglaubliche Bühnenpräsenz, eine für einen Sänger höchst ungewöhnliche Leistung. Die von John Rea auf 21 Musiker „heruntergeschraubte“ Orchesterpartitur war der Wirkung nicht abträglich. Die Inszenierung war einfallsreich. Ein hervorragender Opernabend.

    Bibliothek: Neuzugänge

    Viele günstige Bücher bei Jokers gekauft + zweimal Büchergilde. Offenbar werden die ersten Könemann-Titel nun verramscht, d.h. die regulär schon günstigen dicken Kunstbildbände werden noch billiger angeboten…

  • Rudolf Lorenzen: Alles andere als ein Held. Roman (Büchergilde Gutenberg bzw. Verbrecher Verlag; hochgelobte „Wiederentdeckung“)
  • Imre Kertész: Fiasko (Büchergilde Gutenberg bzw. Rororo; schönes, gebundendes Buch für 10.-)
  • Bernard Lewis: Stern, Kreuz und Halbmond. 2000 Jahre Geschichte des Nahen Ostes (Piper gebunden; Lewis ist ausgewiesener Kenner der Materie)
  • José Maria Eca de Queiroz: Die Reliquie. Roman (Aufbau Bibliothek; schade, dass Aufbau diese Reihe längst eingestellt hat)
  • Johann Sebastian Bach: Das wohltemperierte Klavier. Partitur. Band 1 & Band 2 (Könemann; Urtext)
  • Meinrad Maria Grewenig (Hrsg.): Antike Welten. Meisterwerke griechischer Malerei aus dem Kunsthistorischen Museum Wien (Gerd Hatje; offenbar ein Ausstellungskatalog, schön gedruckte Abbildungen)
  • Carlo Cresti; Claudio Rendina: Die römischen Villen & Paläste (Könemann; wunderbarer Kunstband; Fotografien von Massimo Listri)
  • Wolfgang Schadewaldts Sophokles Übersetzungen

    Endlich sind alle Übersetzungen in einem Band bei Artemis & Winkler erschienen. Sehr erfreulich, das meint auch die NZZ via Perlentaucher.

    Gibt es Dunkle Materie?

    Da wir gerade bei den Naturwissenschaften sind: Im selben SdW-Heft (siehe MRR und Musil) findet sich ein ausgesprochen anregender Artikel über die prominenteste Alternativtheorie zu dieser Frage. Alle gängigen kosmologischen und astrophysikalischen Theorien müssen bekanntlich riesige Mengen dieser eigenartigen Substanz voraussetzen, damit sie mit den bekannten Naturgesetzen übereinstimmen. Dumm nur, dass bis jetzt kein direkter Nachweise derselben gelang, auch wenn die Annahme ihrer Existenz nicht unplausibel ist.

    Die anerkannteste „Gegentheorie“ wählt eine gewagte Vorgehensweise: sie versucht es mit der Modifikation der Newton’schen Dynamik (vulgo „Mond“ genannt). Mordechai Milgrom beleuchtet in seinem Text ausführlich die Stärken und Schwächen dieses Ansatzes.

    Evolution und Religion

    Jared Diamond, den ich für einen der brillantesten lebenden Historiker halte, und dessen intelligente Studie „Arm und Reich. Über das Schicksal menschlicher Gesellschaften“ („Guns, Germs and Steel“) ich dringend zur Lektüre empfehle, hat in der vorletzten Ausgabe der New York Review of Books (17/2002) eine Abhandlung von David Sloane Wilson rezensiert*, die dieser unter dem Titel „Darwin’s Cathedral: Evolution, Religion, and the Nature of Society“ publizierte.

    Seine These formuliert Wilson folgendermaßen:

    Something as elaborate – as time-. energy. and thought-consuming – as religion would not exist if it didn’t have secular utility. Religions exist primarily for people to achieve together what they cannot achieve alone. The mechanisms that enable religious groups to function as adaptive units include the very beliefs and practices that make religion appear enigmatic to so many people who stand outside of them.

    Diamond ist voll des Lobes über das Buch (und gute Bücher über Religion gibt es nicht so viele):

    Discusscions of these subjects tend to be partisan, oversimplified, and riddled with misstatements. A great virtue of Wilson’s book is the scrupulous fairness with which he treats controversial matters. He is careful to define concepts, to asses both their range of applicability and their limitations, and to avoid posturing, misrepresentations, exaggerated claims, and cheap rhetoric devices. Thus, Wilson’s book is more than just an attempt to understand religion. Even to readers with no interest in either religion or science [wo gibt es denn so etwas? :-); CK] his book can serve as a model of how to discuss controversial subjects honestly.

    * Der Artikel ist mittlerweile Teil des kostenpflichtigen Archivs der NYRB.

    • RSS Feed for Posts
    • RSS Feed for Comments
    • Twitter
    • XING
    • Facebook

    „Die Presse“ meint:

    "Aber das Internet ist nicht schuld daran, dass Zeitungen reihenweise ihre Literaturseiten „gesundschrumpfen“. Vielmehr hat es das Monopol der traditionellen Medien auf seriöse Literaturkritik gebrochen. Blogs wie die „Notizen“ des promovierten österreichischen Literaturwissenschaftlers Christian Köllerer (koellerer.net) zeigen: Es gibt genug Qualität, man muss sie nur suchen."
    (5. Januar 2013)

    Aktuell in Arbeit

    Kategorien

    Tweets

    Aktivste Kommentatoren