Bibliothek: Neuzugänge

  • o.N.: Syrakus. Kunst – Geschichte – Natur (o.V.; in Syrakus gekauft)
  • Giuseppe Schiro: Der Dom von Moreale (Mistretta; in Palermo gekauft)
  • Arnd Morkel: Die Universität muss sich wehren. Ein Plädoyer für ihre Erneuerung. (Wissenschaftliche Buchgesellschaft; Geschenk der WBG bzw. Primus)
  • In Sizilien unterwegs

    Bin bis 16.3. in Sizilien unterwegs. Auf dem Programm stehen u.a. Palermo, Segesta, Marsala, Selinunt, Agrigent, Enna, Syrakus und Catania.

    Klassizismus in Wien und die Kunst des Steinschnitts

    2.3.

    Zwei interessante Ausstellungsbesuche. Zuerst Antike in Wien – Die Akademie und der Klassizismus um 1800 in der Gemäldegalerie am Schillerplatz. Gemälde und ausgewählte Skulpturen geben einen guten Überblick über die klassizistische Bewegung in Wien. Dominierend sind (wenig überraschend) Gemälde mit mythologischen Motiven, es finden sich aber auch zahlreiche Selbstportraits der Beteiligten. Eine gute Gelegenheit, sich ins Gedächtnis zu rufen, welches antiseptische Antikenbild von der deutschen Klassik vertreten wurde.

    Im Kunsthistorischen Museum sind Höhepunkte der Steinschneidekunst zu bewundern. Erstaunliche Werke aus Bergkristall, mit dem Auge von Glas kaum zu unterscheiden. Wer weiß, dass diese Steine härter als Stahl sind, kann sich nicht erklären, welche filigranen Arbeiten hier möglich sind. Sehr sehenswert!

    Wie Esoteriker abstimmen

    „All those who believe in psychokinesis, raise my hand.“

    Thukydides und die Fahrt der Griechen nach Sizilien

    Als Vorbereitung für die in einer Woche beginnende Sizilien-Studienreise las ich die Bücher VI bis VIII des „Peloponnesischen Krieges“ zum zweiten Mal*, die den Untergang eines riesigen griechischen Heeres bei Syrakus schildern und damit den Beginn des Endes der Großmacht Athen.

    Ich kenne keinen antiken Autor, der so intelligente Prosa schreiben kann. Die Schilderung der Ereignisse ist präzise, geschickt auf Spannung hin konstruiert, im richtigen Maße abstrahierend und bewertend, kurzum ein literarisches Meisterwerk. Bedenkt man, dass Thukydides dieses Genre quasi erfunden hat, wird diese Leistung noch rätselhafter.

    * Siehe auch meine Reihe über die „Geschichte des Peloponnesischen Kriegs“: Teil 1, Teil 2, Teil 3, Teil 4 und Teil 5.

    Darwinian Storytelling

    Der epistemologisch Vorbelastete weiß, es gibt nichts erkenntnisfördernderes als fundierte Kritik von Theorien, die einem interessant erscheinen, wie etwa die neuen von der Evolutionstheorie ausgehenden psychologischen Modelle.

    Das moderne Evolutionskonzept bietet tatsächlich eine Fülle von Einsichten in verschiedene Fragestellungen. Steven Pinker stellte diese in den Mittelpunkt seines neuen Buchs, „The Blank Slate: The Modern Denial of Human Nature“. Er schadet seine Sache eher als er ihr nützt, meint H. Allen Orr* in seinem ausgezeichneten Artikel in der New York Review of Books Nr. 3/2003. Seine Kritik ist im besten Sinne analytisch, hier ein Beispiel:

    Take this statement: „History and culture, then, can be grounded in psychology, which can be grounded in computation, neuroscience, genetics, and evolution.“ This is one of Pinker’s big conclusions. But it might mean several very different things. One is that culture is made from minds which are made from neurons which are made by genes. This is undeniable. Another is that culture is made from minds that have been hardwired by genes to have certain contents—to think certain thoughts, say—a stronger claim. Yet another is that culture is made from minds that have been shaped by natural selection to think certain thoughts because those thoughts maximized the number of children ancestral thinkers had on the savanna and so gave them an evolutionary advantage over those who did not think such thoughts. This claim is stronger still.

    This ambiguity comes in handy. If Pinker senses doubt about a strong version of his claims, he can adroitly slip into a defense of a weak version. Are you feeling uneasy about the notion that culture can be reduced to neurons and genes? But surely you admit that „culture relies on neural circuitry that accomplishes the feat we call learning“? Surely you acknowledge that „culture could not exist without mental faculties that allow humans to create and learn.“ Well, of course you do.

    * Der Artikel ist mittlerweile Teil des kostenpflichtigen Archivs der NYRB.

    Space Station 3D

    IMAX Wien 25.2.

    Mein (vor)letzter Besuch eines IMAX-Kinos dürfte 10 Jahre her sein, und ich war sehr erstaunt, welche Fortschritte die 3D-Technik inzwischen gemacht hat. Die Bilddarstellung wirkte viel realer als erwartet und war technisch ausgesprochen beeindruckend.

    Der Film über die Space Station vermittelte einen realistischen Eindruck über die Enge der Station und die Weiten des Weltraums. Das Pathos war triefend, offenbar hat die NASA den größten Teil des Projekts finanziert, zumindest wirkt es wie ein gut gelungener Werbefilm. Trotzdem sehenswert.

    Gangs of New York

    English Cinema Haydn, 21.2.
    Regie: Martin Scorsese

    Wenn es stimmt, was die Marketing Abteilung von Miramax verbreiten läßt, nämlich dass Scorsese dreißig Jahre lang an diesem Film gearbeitet hat, möchte man ihm den zugegebenermaßen verspäteten Ratschlag geben, sich Zeit zu lassen, und vielleicht noch einmal 30 oder 60 Jahre anzuhängen. In der Kunst soll man ja nichts überstürzen.

    Von „Kunst“ im eigentlichen Sinn kann freilich auch nicht die Rede sein, angesichts dieses gewaltverherrlichenden Mainstreamspektakels. Welchen Zweck die perfekt choreografierten Gewaltszenen und die farblich überzeugend arrangierten Blutszenen haben, bleibt im Dunkeln. Avanciertere Mittel der Filmästhetik vermisst man, nicht hingegen zahllose Anspielungen auf Filmklassiker (den Berichten von Cineasten nach zu schließen).

    Das Beste an dieser faszinierenden Geldverschwendung (100 Millionen Dollar), ist die schauspielerische Leistung. Herausragend Daniel Day-Lewis als Bill the Butcher, dessen ungewöhnliche Figur einen Kinobesuch teilweise lohnt. DiCaprio versucht tapfer, gegen sein Image anzuspielen, nicht unerfolgreich alles in allem.

    Der kitschig-reaktionäre Schluss ist sehr aufschlussreich, wenn man sich für die kommerzielle Prostitution von Pop“musikern“ interessiert (was ich eigentlich nicht tue). Aber wer den Welterfolg einer irisch-katholischen Zumutung wie U2 verstehen will, sehe sich das Ende von „Gangs of New York“ an. Geboten wird eine musikalische Analogie zur Kronenzeitung: Eine Mischung aus politischer Dummheit, Kitsch und hohlem Pathos. Die nächsten Grammys sind ihnen also sicher.

    Bush-Karikaturen…

    …gibt es derzeit unzählige. Eine der Besten findet sich hier*.

    * Nachträglich adaptierter Link.

    Alban Berg Quartett (Haydn, Janácek,…)

    Haydn: Streichquartett C-Dur Hob. III/77
    Janá?ek: Streichquartett Nr. 1
    Beethoven: Streichquartett f-moll op. 95
    Konzerthaus 16.2.

    Wie das auf das ABQ zugeschnittene Programm schon vermutet läßt: Es war ein großartiges Konzert, und ich fürchte das mir langsam die positiven Adjektive dafür ausgehen. Besonders gut in Form Gerhard Schulz (2. Violine), der energischer als sonst an die Stücke heranging.

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    „Die Presse“ meint:

    "Aber das Internet ist nicht schuld daran, dass Zeitungen reihenweise ihre Literaturseiten „gesundschrumpfen“. Vielmehr hat es das Monopol der traditionellen Medien auf seriöse Literaturkritik gebrochen. Blogs wie die „Notizen“ des promovierten österreichischen Literaturwissenschaftlers Christian Köllerer (koellerer.net) zeigen: Es gibt genug Qualität, man muss sie nur suchen."
    (5. Januar 2013)

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