Brockhaus 21. Auflage

Gibt es ab Herbst 2005, wie dieser Meldung zu entnehmen ist: Buchmarkt via Internetarchiv.

Ideengeschichte in der guter alter englischer Manier

Betreibt angeblich John Wyon Burrow in seinem Buch „Die Krise der Vernunft“, in dem er sich mit der europäischen Geistesgeschichte zwischen 1848 und 1914 auseinandersetzt [Perlentaucher].

* Addendum Dez. 2009: Der Link führt zur englischsprachigen Originalausgabe, da die deutsche Ausgabe vergriffen ist. John W. Burrow ist 2009 leider verstorben.

Platon-Rezeption

Ein interessantes Buch zu diesem Thema scheint Arbogast Schmitt geschrieben zu haben: „Die Moderne und Platon“. Leider mit 70 Euro viel zu teuer.

Addendum: Mittlerweile gibt es eine wesentlich günstigere Paperbackausgabe.

Siehe auch Perlentaucher: Die Moderne und Platon

Ian Hacking: Einführung in die Philosophie der Naturwissenschaften

Man muss dem Reclam Verlag dankbar sein, dass er wenigstens ab und zu Werke analytischer Philosophen verlegt, sonst sähe der deutschsprachige Büchermarkt hier noch düsterer aus. Der Titel allerdings ist schlecht übersetzt: „Representing and Intervening. Introductory Topics in the Philosophy of Natural Science“ ist deutlich treffender.

Im Zentrum des Buches steht die Frage nach dem wissenschaftlichen Realismus: Gibt es die Entitäten wirklich, welche wissenschaftliche Theorien und Modelle beschreiben? Im ersten Teil wird dem Leser ein Panoptikum der wissenschaftstheoretischen Diskussion der letzten Jahrzehnte geboten, nicht ohne Rückgriff auf die Philosophiegeschichte und historische Beispiele aus den Naturwissenschaften. Hacking macht keinen Hehl daraus, dass er diese rein theoretischen Debatten für nicht sehr fruchtbar hält, auch wenn er immer wieder gute Argumente für die realistische Position bringt.

Kern des Buches ist der zweite Teil, in dem es um die konkrete Einflussnahme der Wissenschaft auf die Wirklichkeit geht. Hackings These, etwas vereinfacht: Was man gezielt beeinflussen kann, muss real sein. Er bringt eine Fülle von wissenschaftshistorischen Beispielen, um das zu verdeutlichen. Er hat auch Interessantes zum Beobachtungsbegriff zu sagen und weist berechtigterweise auf die (semantische) Sinnlosigkeit des beliebten Vorwurfs „Alle Beobachtung sei theoriegeladen“ hin. Besonders ausführlich und ungewöhnlich für eine philosophische Studie ist sein detailliertes Kapitel über Mikroskope.

Das Buch ist solide und interessant, Argumente für wissenschaftlichen Realismus kann es ja nicht genug geben. Andererseits wünscht man sich ab und zu, Hacking würde mehr auf den Punkt kommen und konziser argumentieren.

Ian Hacking: Einführung in die Philosophie der Naturwissenschaften (Reclam UB)

Bibliothek: Neuzugänge

Wieder einmal: Jokers

  • André Pichot: Die Geburt der Wissenschaft. Von den Babyloniern zu den frühen Griechen (Campus; Standardmonographie für 9.-)
  • Heinrich Laag: Kleines Wörterbuch der frühchristlichen Kunst und Archäologie (Fourier; Lizenz: Reclam)
  • Lukian: Der Lügenfreund. Satirische Gespräche und Geschichten (Aufbau Bibliothek; in der Wieland-Übersetzung)
  • Rudolf A. Kühn (Hrsg.): Schillers Tod (Universitätsverlag Jena; kommentierter Reprint der Studie „Schillers Krankheit“ von Wolfang H. Veil aus dem Jahr 1936)
  • Laura Accomazzo (Hrsg.): Ägypten. Kultur und Landschaft (Karl Müller; Bildband)
  • Diktatur, Religion und Dummheit

    Christopher de Bellaigue war im Südirak unterwegs, um sich ein Bild von der Lage zu machen, und die Stimmung der schiitischen Bevölkerung zu sondieren. Es führte auch Gespräche mit Ayatollahs, die ihm ziemlich freimütig Auskunft gaben, und deren Einfluss auf ihre Gläubigen enorm ist. Lesen kann man seine analytische Reportage in der New York Review of Books 12/2003. Wie so oft profitieren die Kleriker von der Dummheit, bekanntlich eine zentrale Voraussetzung für ihre „Arbeit“:

    For as long as Iraq has no efficiently functioning authority, the claim of Shiite clerics to be the natural arbiters of human affairs for most Iraqis will go unchallenged. Some of these clerics say they are in favor of a kind Islamic democracy. Their popular legitimacy, they say, is attested to by the crowds that turn out for Friday prayers, and by the flow of supplicants to their doors. The may benefitas well from their associations with the al-Sadr name and from having survived Hussein without fleeing into exile. They have immense authority. Thanks in part to Saddam Hussein and his suppression of independent thought, the people of Al-Sadre City are credulous and uneducated. When judging a statement or an opinion, however absurd it may be, they tend to use one criterion: the authority of the teller.

    Quelle: The Shiites Under Occupation*

    * Der Artikel ist mittlerweile Teil des kostenpflichtigen Archivs der NYRB.

    Verbrannte Manuskripte

    Ende Mai 1944 trafen allierte Bomber die mittelalterliche Bibliothek von Chartres und richteten immensen Schaden an. Nun rückt man den verbrannten Manuskripten mit „multispectral imaging“ zu Leibe. Details auf den Seiten der BBC: Hi-tech imaging could reveal lost texts.

    Gustave Flaubert: Die Versuchung des heiligen Antonius

    Insel Taschenbuch (Amazon Partnerlink)

    Mit Abstand das seltsamste literarische Werk des 19. Jahrhunderts, das ich bis jetzt las, wobei „seltsam“ hier nicht negativ gemeint ist. Ästhetisch ist Flauberts Konzept sehr interessant, auch wenn ich mir unschlüssig bin, ob die Durchführung gelungen ist.

    Zu Beginn stellt sich die Gattungsfrage. Ein „Roman“ sucht man auf dem Buch vergeblich, trotzdem wird es gerne als „Dialogroman“ bezeichnet. Gegen die Klassifizierung als Drama spräche, dass die „Szenenanweisungen“ regelmäßig auf der Bühne prinzipiell nicht Darstellbares beschreiben.

    Die Versuchungen des heiligen Antonius bestehen in überbordenden Phantasmagorien, die Flaubert penibel und sehr evokativ beschreibt. Das ständige Aneinanderreihen von Höhepunkten nutzt sich jedoch schnell ab. In diesen Phantasmagorien erhalten so ziemlich alle bekannten Sekten und Vertreter vieler Religionen dieser Zeit ihren Auftritt. Flaubert war ein gewaltiger Verschlinger von Quellen.

    Dieses Buch passt so gar nicht in das 19. Jahrhundert, auch wenn manches an romantische Literatur erinnert. Alleine aufgrund dieser „Fremdheit“ ist es spannend zu lesen. Ein endgültiges Urteil werde ich mir in 10-20 Jahren bilden.

    Ausgezeichnet!

    Selbstlob ist nicht schön, die BBC aber weist verdientermaßen auf die vielen Auszeichnungen hin, die sie für ihre Online Newsseite erhalten haben. Wer sich für internationale Politik interessiert, findet tatsächlich wenig Vergleichbares. Das bezieht sich nicht nur auf Umfang und Qualität der Berichterstattung, sondern auch auf die Auswahl. Die „Top Stories“ sind so gut ausgewählt, dass man sie nicht alle 10 Minuten durch neue Agenturmeldungen austauschen muss.

    Kulturberichterstattung, die den Namen verdient, findet dort allerdings nicht statt, aber es darf ja auch Spezialisten geben.

    Gutes aus Texas!

    Nein, keine Politiker sind gemeint, sondern die Linkliste des Middle East Network Information Center.

    Addendum Dez. 2009: MENIC wurde inzwischen eingestellt (siehe die Stellungnahme des Projekts), kann aber noch über das Internetarchiv eingesehen werden.

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    Aktuell in Arbeit

    „Die Presse“ meint:

    "Aber das Internet ist nicht schuld daran, dass Zeitungen reihenweise ihre Literaturseiten „gesundschrumpfen“. Vielmehr hat es das Monopol der traditionellen Medien auf seriöse Literaturkritik gebrochen. Blogs wie die „Notizen“ des promovierten österreichischen Literaturwissenschaftlers Christian Köllerer (koellerer.net) zeigen: Es gibt genug Qualität, man muss sie nur suchen."
    (5. Januar 2013)

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    • "Österreicher glücklicher als EU-Durchschnitt". Glück ist ja direkt proportional zu Dummheit. 3 Stunden
    • Es gibt ja kaum etwas Überflüssigeres im Universum als die britischen Royals. 4 Stunden
    • "Verhüllung - Burkaverbot: Leukämiepatient in Wien verwarnt" https://t.co/1TXlQ5q1DJ 5 Stunden

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