Ingrid D. Rowland: Through a Glass, Darkly

The New York Review of Books 3/2002

In den letzten Jahren gibt es unter Kunsthistorikern verstärkt die Diskussion, inwieweit die alten Meister optische Hilfsmittel wie Linsen benutzten, um den fotorealistischen Effekt ihrer Gemälde zu verstärken. Propagiert wird diese These vor allem vom Künstler David Hockney in seinem Buch “Secret Knowledge. Rediscovering the Lost Techniques of the Old Masters”.

Rowland nimmt u.a. diese Publikation zum Anlass, um sich mit diesem Thema im Detail auseinanderzusetzen*. Besonders erhellend dabei ist der ausführliche Vergleich der Theorie Hockneys mit den Ausführungen Athanasius Kirchners, der sich in seinem Buch “Ars Magnae Lucis et Umbrae” (1646) ebenfalls mit diesen Fragen beschäftigte.

* Der Artikel ist mittlerweile Teil des kostenpflichtigen Archivs der NYRB.

Harald Frickes Kunstphilosophie

Als Literaturwissenschaftler zeigte Fricke, dass analytische Ansätze auch in dieser Wissenschaft vielen anderen Methoden überlegen sind. Seine in “Norm und Abweichung” vorgelegte Literaturtheorie gehört mit zum Besten, was zu diesem Thema in den letzten 15 Jahren publiziert wurde.

In seinem neuen Buch, “Gesetz und Freiheit”, legte Fricke nun eine umfassende Theorie der Kunst vor. Uwe Spörl stellt es in einer umfangreichen Rezension vor.

“Umbau bei Random House”

Große Aufregung in der deutschen Buchbranche verursachte der Personalumbau bei Random House in Deutschland. Die NZZ hat Details.

Hundstage

Regie: Ulrich Seidl
Apollo Kino 6. März

Seidl ist ein vielbeachteter österreichischer Filmemacher. “Hundstage” erhielt letztes Jahr den Großen Preis der Jury in Venedig. Daran wäre an sich nichts Bemerkenswertes, wäre nicht noch eine Kleinigkeit: Es ist ein grottenschlechter Film. Ästhetisch verbrämte Sozialpornographie, die sich als Kunstfilm tarnt.

Die Tarnung funktioniert allerdings mehr schlecht als recht, denn das Apollo ist ein Cineplex, das wie vergleichsweise Einrichtungen vor allem dem Mainstream frönt. Trotzdem war der Kinosaal bis auf den letzten Platz gefüllt und das Publikum genoss, was es an Demütigungen zu sehen bekam, egal was Seidl und die versammelte Filmkritik über die “kritischen” Qualitäten dieser Zelluloidverschwendung von sich geben.

Der Kampf um Troja

Neuigkeiten vom aktuellen Streit der Gelehrten anläßlich zweier Neuerscheinungen gibt es in der “Welt”: Schliemann, Troja und die Griechen.

Nabokov: Das wahre Leben des Sebastian Knight

rororo

Mit dem zehnte Roman des Autors, im Dezember und Januar 1938/39 in Paris geschrieben, hat es eine besondere Bewandtnis: Er wurde zum ersten Mal direkt auf Englisch verfasst, Übersetzungen gab es bereits davor. Man kann es Nabokov also nicht verdenken, dass er seinen Erzähler spiegelbildlich anlegt, nämlich als einen im noch ungewohnten Idiom schreibenden Russen.

Das Werk wirkt auf den ersten Blick geradliniger und weniger komplex als andere seiner Bücher. Ohne Doppelbödigkeiten geht es freilich auch hier nicht: Am Schluss bleibt offen, was es mit Sebastian Knight wirklich auf sich hatte. Sicher kein Hauptwerk, aber trotzdem die Lektüre lohnend.

Nachwuchsprobleme…

…sind aus der Verlagsbranche zu vermelden und wer könnte dies kompetenter analysieren als Joachim Güntner für die NZZ.

Noch keine Thomas-Mann-Ausgabe in Sicht

Angekündigt für Oktober 2001, wegen “technischer” Probleme auf den Februar verschoben, gibt es nun einen neuen Termin: Im Juni soll der Auftakt diesmal stattfinden…

Addendum: Die ersten Bände erschienen tatsächlich im Juni. Siehe auch meine Seite auf koellerer.de zur GKFA.

Flaubert: November

Ein 1910 postum veröffentlichtes Jugendwerk, das aus durchaus unterschiedlichen Gründen eine aufmerksame Lektüre verdient. Einerseits ist der 1842 abgeschlossene Text stilistisch und inhaltlich ungewöhnlich: Flaubert schildert in einem höchst expressiven Stil, dessen Bilderwelt an spätere expressionistische Texte erinnert, ziemlich freizügig die sexuellen Nöte eines Jugendlichen.

Andererseits macht sich beim einundzwanzigjährigen Autor schon dessen späteres, völlig andersgeartete sprachliche Ideal bemerkbar, der expressive Text wird gegen Ende als Aufzeichnung relativiert und ein vergleichsweise nüchterner Erzähler berichtet vom Ende des Helden, wobei auch Seitenhiebe auf den Stil des “Manuskripts” nicht fehlen.

Flaubert: November. Erzählung (detebe)

Neues aus Leipzig

Markus Kolbeck hat, seine Leser werden es ihm danken, die verschiedenen bibliomanen Weblogs zu einem zusammengefasst*.

Addendum Jan. 2010: Mittlerweile ist Buecherlei.de der Schwerpunkt von Markus Kolbecks Aktivitäten.

* Gespiegelte Seite beim Internetarchiv aus Dokumentationszwecken. Bei ezines.onb findet man übrigens noch eine Version von Markus’ “Bibliomaniac List”, die Mitte der 90er mit dem “Zeit”-Preis ausgezeichnet wurde.

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“Die Presse” meint:

"Aber das Internet ist nicht schuld daran, dass Zeitungen reihenweise ihre Literaturseiten „gesundschrumpfen“. Vielmehr hat es das Monopol der traditionellen Medien auf seriöse Literaturkritik gebrochen. Blogs wie die „Notizen“ des promovierten österreichischen Literaturwissenschaftlers Christian Köllerer (koellerer.net) zeigen: Es gibt genug Qualität, man muss sie nur suchen."
(5. Januar 2013)

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