“Umbau bei Random House”

Große Aufregung in der deutschen Buchbranche verursachte der Personalumbau bei Random House in Deutschland. Die NZZ hat Details.

Hundstage

Regie: Ulrich Seidl
Apollo Kino 6. März

Seidl ist ein vielbeachteter österreichischer Filmemacher. “Hundstage” erhielt letztes Jahr den Großen Preis der Jury in Venedig. Daran wäre an sich nichts Bemerkenswertes, wäre nicht noch eine Kleinigkeit: Es ist ein grottenschlechter Film. Ästhetisch verbrämte Sozialpornographie, die sich als Kunstfilm tarnt.

Die Tarnung funktioniert allerdings mehr schlecht als recht, denn das Apollo ist ein Cineplex, das wie vergleichsweise Einrichtungen vor allem dem Mainstream frönt. Trotzdem war der Kinosaal bis auf den letzten Platz gefüllt und das Publikum genoss, was es an Demütigungen zu sehen bekam, egal was Seidl und die versammelte Filmkritik über die “kritischen” Qualitäten dieser Zelluloidverschwendung von sich geben.

Der Kampf um Troja

Neuigkeiten vom aktuellen Streit der Gelehrten anläßlich zweier Neuerscheinungen gibt es in der “Welt”: Schliemann, Troja und die Griechen.

Nabokov: Das wahre Leben des Sebastian Knight

rororo

Mit dem zehnte Roman des Autors, im Dezember und Januar 1938/39 in Paris geschrieben, hat es eine besondere Bewandtnis: Er wurde zum ersten Mal direkt auf Englisch verfasst, Übersetzungen gab es bereits davor. Man kann es Nabokov also nicht verdenken, dass er seinen Erzähler spiegelbildlich anlegt, nämlich als einen im noch ungewohnten Idiom schreibenden Russen.

Das Werk wirkt auf den ersten Blick geradliniger und weniger komplex als andere seiner Bücher. Ohne Doppelbödigkeiten geht es freilich auch hier nicht: Am Schluss bleibt offen, was es mit Sebastian Knight wirklich auf sich hatte. Sicher kein Hauptwerk, aber trotzdem die Lektüre lohnend.

Nachwuchsprobleme…

…sind aus der Verlagsbranche zu vermelden und wer könnte dies kompetenter analysieren als Joachim Güntner für die NZZ.

Noch keine Thomas-Mann-Ausgabe in Sicht

Angekündigt für Oktober 2001, wegen “technischer” Probleme auf den Februar verschoben, gibt es nun einen neuen Termin: Im Juni soll der Auftakt diesmal stattfinden…

Addendum: Die ersten Bände erschienen tatsächlich im Juni. Siehe auch meine Seite auf koellerer.de zur GKFA.

Flaubert: November

Ein 1910 postum veröffentlichtes Jugendwerk, das aus durchaus unterschiedlichen Gründen eine aufmerksame Lektüre verdient. Einerseits ist der 1842 abgeschlossene Text stilistisch und inhaltlich ungewöhnlich: Flaubert schildert in einem höchst expressiven Stil, dessen Bilderwelt an spätere expressionistische Texte erinnert, ziemlich freizügig die sexuellen Nöte eines Jugendlichen.

Andererseits macht sich beim einundzwanzigjährigen Autor schon dessen späteres, völlig andersgeartete sprachliche Ideal bemerkbar, der expressive Text wird gegen Ende als Aufzeichnung relativiert und ein vergleichsweise nüchterner Erzähler berichtet vom Ende des Helden, wobei auch Seitenhiebe auf den Stil des “Manuskripts” nicht fehlen.

Flaubert: November. Erzählung (detebe)

Neues aus Leipzig

Markus Kolbeck hat, seine Leser werden es ihm danken, die verschiedenen bibliomanen Weblogs zu einem zusammengefasst*.

Addendum Jan. 2010: Mittlerweile ist Buecherlei.de der Schwerpunkt von Markus Kolbecks Aktivitäten.

* Gespiegelte Seite beim Internetarchiv aus Dokumentationszwecken. Bei ezines.onb findet man übrigens noch eine Version von Markus’ “Bibliomaniac List”, die Mitte der 90er mit dem “Zeit”-Preis ausgezeichnet wurde.

Robert Darnton: A Euro State of Mind

The New York Review of Books 3/2002

Es gibt eine Art von intellektueller Folklore, die darin besteht, gewisse Thesen gebetsmühlenartig zu wiederholen, Belege dafür aber schuldig zu bleiben. Eine Spielart davon ist eine undifferenzierte Aufklärungskritik: ohne zu präzisieren, was mit ‘Aufklärung’ eigentlich gemeint ist, wird diese für eine Reihe von Übeln auf der Welt verantwortlich gemacht, vom Waldsterben bis zu Konzentrationslagern.
Freilich führte bisher noch niemand den Nachweis, welche Ursachen genau dafür in Frage kommen und wie die Kausalkette im Detail aussieht, die von einer teilweise ziemlich heterogenen Denkhaltung im achtzehnten zu diversen Scheußlichkeiten im zwanzigsten Jahrhundert führen soll. Die Vorgehensweise von Adorno und Horkheimer in ihrer inzwischen oft belächelten “Dialektik der Aufklärung”, den Aufklärungsbegriff semantisch so aufzublähen, dass von Homer bis zum Nationalsozialismus alles hineinpasst (vom bösen Jazz gar nicht zu reden), ist vom methodischen Denkansatz auch ohne diese inhaltlich absurden Thesen nicht ernst zu nehmen.

Desto erfrischender wirkt vor diesem Hintergrund der Essay* Robert Darntons, der mit Verve für die Aufklärung eintritt und viel Vorbildhaftes für die Gegenwart herausarbeitet, etwa den sprichwörtlichen Kosmopolitismus unter den Gelehrten des 18. Jahrhunderts:

The Enlightenment itself was a complex movement, full of contradictions and countercurrents. It never commanded the allegiance of a majority among the elite, and it cannot be equated with all of intellectual life in the eighteenth century. But it championed the values that lie at the heart of the European Community today, and it did so in a way that offers an alternative to nationalism – that is, it developed a pan-European mode of existence known at the time as cosmopolitanism. [S. 30]

* Der Essay ist mittlerweile Teile des kostenpflichtigen NYRB-Archivs.

Private Literaturleidenschaften…

…dokumentiert der vor allem als Theaterkritiker der SZ bekannte C. Bernd Sucher in seinem neuen Buch, das Daniela Strigl rezensiert hat.

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“Die Presse” meint:

"Aber das Internet ist nicht schuld daran, dass Zeitungen reihenweise ihre Literaturseiten „gesundschrumpfen“. Vielmehr hat es das Monopol der traditionellen Medien auf seriöse Literaturkritik gebrochen. Blogs wie die „Notizen“ des promovierten österreichischen Literaturwissenschaftlers Christian Köllerer (koellerer.net) zeigen: Es gibt genug Qualität, man muss sie nur suchen."
(5. Januar 2013)

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