Bibliothek: Neuzugänge

Neun Bücher für ca. 30 Euro, man muss nur wissen, wo man sie kauft (die ersten sieben hier bei Jokers, die nächsten beiden bei Booklooker, die restlichen vier (Reclam und rororo schließlich regulär).

  • Mary W. Shelley: Frankenstein oder Der neue Prometheus (Hanser, gebunden bzw. Fischer TB)
  • E.H. Lenneberg: Biologische Grundlagen der Sprache (suhrkamp taschenbuch wissenschaft; Standardwerk)
  • Felix Gilbert: Venedig, der Papst und sein Bankier (Campus; Studie über den Bankier Agostino Chigi und Papst Julius II.)
  • David Ewing Duncan: Der Kalender. Auf der Suche nach der richtigen Zeit (Heyne bzw. Harper Perennial; halten einige für Standardwerk :-))
  • Francis Haskell: Maler und Auftraggeber. Kunst und Gesellschaft im italienischen Barock (Dumont; klassische kunsthistorische Studie)
  • Franz Dornseiff: Der deutsche Wortschatz nach Sachgruppen (de Gruyter, gebunden; 922 Seiten)
  • Petr Wittlich: Prag. Fin de Siecle (Evergreen/Taschen; schöner Bildband)
  • Heimito von Doderer: Ein Mord den jeder begeht. Roman (dtv; via Booklooker)
  • John Updike: Ehepaare. Roman (rororo; via Booklooker)
  • Giuseppe Verdi: La Traviata (Reclam UB; zweisprachig)
  • Giuseppe Verdi: Rigoletto (Reclam UB; zweisprachig)
  • Giuseppe Verdi: Othello (Reclam UB; zweisprachig)
  • Herbert Nette: Friedrich II. von Hohenstaufen (rororo monographie; Reinbek 1975)
  • Neues bei Suhrkamp und Co.

    Die neuen Verlagsvorschauen sind angekommen. Wer Mischkalkulation verstehen will, findet kaum ein geeigneteres Studienobjekt. Cash cow „Hermann Hesse“ wird in allen denkbaren Varianten den Buchmarkt penetrieren. Das „Wissenschafts“programm auf der anderen Seite wird inzwischen von Irrationalisten der diversen Fraktionen dominiert. Der geistige Weichspüler Hesse finanziert damit die intellektuellen Esoteriker der Gegenwart. Also wenn das keine brillante Verlagsstrategie ist!

    Ansonsten erscheinen die Romane des Robert Walser anläßlich seines 125. Geburtstages im April in sehr günstigen, gebundenen Sonderausgaben. Erwähnenswert auch, dass Insel eine fünfbändige Taschenbuch-Ausgabe mit „Sämtlichen Erzählungen“ von Lew. N. Tolstoj ankündigt (10/03; 35 Euro).

    Gustav Klimt und Franz Xaver Messerschmidt

    Gleich zwei außergewöhnliche Ausstellungen sind im Belvedere zu sehen. Der Andrang zu den Landschaftsbildern des Gustav Klimt ist enorm. Während ich mit Klimts Hauptwerken verhältnismäßig wenig anfangen kann, sind viele seiner Landschaftsgemälde sehr faszinierend: Das Oszillieren zwischen Figürlichem und Abstraktem, die leuchtenden Farben sowie die pointillistische Harmonie vieler Kompositionen hinterlassen einen nachhaltigen Eindruck.

    Fassungslos machte mich der Audioguide. Die (durchaus guten) Erläuterungen der Exponate wurde teilweise durch „Musik“ hinterlegt (oft Mahler), was angesichts der akustischen Qualität dieser Geräte klang, als würde auf einer kaputten Drehorgel klassische Musik karikiert. Wem fallen solche ästhetische Grausamkeiten ein?

    Im Unteren Belevedere ist eine umfassende Skulpturenschau des Franz Xaver Messerschmidt (1736-1783), einem der bekanntesten Bildhauer des Wiener Spätbarock. Berühmt vor allem durch seine grotesken Charakterköpfe, mit denen er die unterschiedlichsten Charaktere und Emotionen zeigen wollte. „Wollte“ deshalb, weil in den meisten Fällen die Mimik nur ansatzweise zur Beschreibung passt. Viele Köpfe grinsen mehr oder weniger plausibel vor sich hin. So liegt die Leistung dieser eigenartigen Arbeiten weniger im von Messerschmidt intendierten enzyklopädischen Charakter seiner Serie, sondern in der individuellen skurrilen und grotesken Qualität der einzelnen Skulpturen.

    Reise-Skizzen New York (3)

    Wie fast alle Touristen besuchte ich Ellis Island. Die Sicherheitskontrollen waren enorm. Bevor man die Fähre betreten durfte wurde man durchleuchtet, sogar die Gürtel mussten ausgezogen werden. Hatte man diese Prozedur geschafft und die Freiheitsstatue umschifft, landete man, wie viele Millionen Einwanderer in der Vergangenheit, auf Ellis Island, auf dem ein umfangreiches Museum untergebracht ist.

    Die Dauerausstellung dort versucht eine Balance zu finden zwischen Kritik an den Zuständen einerseits und der Zurschaustellung amerikanischer Ideologeme andererseits. Zweifelsfrei handelte es sich um eine Massenabfertigung, die zahlreiche unmenschliche Züge trug. Trotzdem dauerte die Abwicklung in den meisten Fällen nicht länger als einen Tag und die zukünftigen Amerikaner wurden ziemlich korrekt behandelt. Zurückgewiesen wurde nur ein äußerst geringer Prozentsatz. Kranke wurden kostenlos in einem angeschlossenen Krankenhaus gesund gepflegt. Gerade aus europäischer Perspektive, wo ein Land wie Deutschland nicht in der Lage ist, ein rationales Einwanderungsgesetz zu verabschieden, wirkt die amerikanische Einwanderungspolitik vorbildlich. Die meisten Immigranten waren unterprivilegiert und schlecht ausgebildet und bekamen trotzdem ihre Chance. Ein wenig dieser Einstellung würde Europa in diesen Tagen sehr gut tun.

    War die Gruppe 47 antisemitisch?

    Klaus Briegleb schrieb eine Streitschrift zu diesem Thema, die in der ZEIT von Dorothea Dieckmann fulminant verrissen wird:

    Doch der Literaturwissenschaftler behält als „Historiker“ nicht nur den penetranten Urteilsjargon permanent wertender moralischer Subjektivität bei; er präsentiert zudem sein Material in einer undurchschaubaren Mischung aus Theorieabwehr, verquasten methodischen Volten und Anleihen an die Lacansche Psychoanalyse, die Aussagen als pathologische Symptome liest. Der Beweis einer „bewußten Täuschung“ etwa sei „in der Tat im Subtext … den hier gelesenen Dokumenten … eingeschrieben“ – und zwar als „Auslassung, Lücke, Deckbild“. Gemeint ist hier Richters Diktum vom „moralischen, geistigen und literarischen Massaker“ der Jahre bis 1945, das Briegleb als Verleugnung des physischen Massakers an den Juden gilt.

    Philip Roth: The Dying Animal

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    Das Buch trägt keine Gattungsbezeichnung und ist für einen Roman auch nicht umfangreich genug. Roth setzt sich in der Erzählung mit seinem bevorzugten Themenkreis auseinander: Sex, Alter, Krankheit, Tod. Er macht das in der üblichen Brillanz: David Kepesh, ein siebzigjähriger renommierter Literatur- und Kunstkritiker in New York, berichtet über seine sexuellen Obsessionen, in deren Mittelpunkt eine vierundzwanzigjährige (Ex)studentin steht. Diese monomanische Passion schildert Roth mit Verve, immer wieder unterbrochen von Rückblenden auf das Leben des David Kepesh. Lesenswert.

    Norbert Schneider: Porträtmalerei

    „Hauptwerke europäischer Bildniskunst 1420-1670“

    Taschen (Amazon Partnerlink)

    Der Autor ist Professor für Kunstgeschichte in Karlsruhe und nähert sich seinem Gegenstand aus mentalitätsgeschichtlicher Perspektive. Nach einem einleitenden Kapitel, das sehr plausibel die zahlreichen Probleme thematisiert, die mit dem Verständnis historischer Porträts verbunden sind, folgen zahlreiche Einzelinterpretationen von Gemälden.

    Das Gliederungsprinzip (neben der Chronologie) ist typologisch: Frauenporträts, Herrscherporträts, Humanistenporträts usw.

    Die einzelnen Interpretationen sind wohltuend zurückhaltend und beziehen die aktuelle Forschung kritisch ein. Die Abbildungen erweisen sich für einen so preisgünstigen Bildband (15.-) von akzeptabler Qualität. Eine Empfehlung.

    Reise-Skizzen New York (2)

    Nach meinem Besuch im Metropolitan Museum of Art suchte ich (nicht nur, aber auch aus Gründen der intellektuellen Gerechtigkeit :-) das American Museum of Natural History auf sowie das daran angeschlossene Hayden Planetarium.

    Während der zoologische Teil weitgehend mit anderen Naturkunde-Museen vergleichbar ist, sind die Erd- und Himmelswissenschaften didaktisch hervorragend aufbereitet. Damit nicht genug: Es drehen Damen und Herren ihre Runden, die durch ein Schild als „Sky and Earth Explainer“ ausgewiesen sind, und für Erläuterungen zur Verfügung stehen. Mir wurde so die geologische Beschaffenheit der Insel Manhattan näher gebracht.

    Das Planetarium ist angeblich das modernste der Welt. Diese Gelegenheit wollte ich nutzen, um mir die aktuelle Space Show anzusehen: Nach ein paar Minuten gab es einen veritablen Tonausfall, der innerhalb einer halben Stunde nicht repariert werden konnte, so dass ich auf die Vorführung schließlich verzichtete.

    Haltbarkeit von CDs

    Viele Musikfreunde fragen sich angesichts der zahlreichen widersprüchlichen Informationen, wie haltbar CDs wirklich sind. Einen informativen Artikel dazu gab es in der August-Ausgabe von Gramophone. Der Scan (Grafik-Datei) findet sich auf koellerer.de.

    Opern für Anfänger

    In die Intelligenz von Klassik-CD-Käufern scheinen die großen Labels kein übermäßig großes Vertrauen mehr zu setzen. Der „Unique Listening Guide“, den Decca auf ihren Midprice-Opernaufnahmen anpreist, enthält einen Abschnitt „In aller Kürze“. Verdis Otello wird – in aller Kürze – so zusammengefasst:

    Der Bösewicht Jago bringt seinen Freund Otello so weit, daß er an der Treue seiner Frau Desdemona zweifelt. Aus Eifersucht tötet er sie. Nachdem die Lügen Jagos aufgedeckt wurden, bringt sich Otello aus Verzweiflung über seine Tat um.

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    „Die Presse“ meint:

    "Aber das Internet ist nicht schuld daran, dass Zeitungen reihenweise ihre Literaturseiten „gesundschrumpfen“. Vielmehr hat es das Monopol der traditionellen Medien auf seriöse Literaturkritik gebrochen. Blogs wie die „Notizen“ des promovierten österreichischen Literaturwissenschaftlers Christian Köllerer (koellerer.net) zeigen: Es gibt genug Qualität, man muss sie nur suchen."
    (5. Januar 2013)

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