Bibliothek: Neuzugänge

Die Fontane-Ausgabe ist ein Werbegeschenk der Wissenschaftlichen Buchgesellschaft. Die anderen Bücher wurden günstig bei Jokers erworben.

  • Theodor Fontane: Werke in 10 Bänden
  • Karl Eibl u.a.: Der junge Goethe in seiner Zeit. Text und Kontexte (Insel, 2 Bände samt CD-ROM; für nur 7,70 Euro bei Jokers zu haben)
  • Torry J. Luce: Die griechischen Historiker (Artemis & Winkler; behandelt die üblichen Verdächtigen)
  • Jean-Pierre Vernant (Hrsg.): Der Mensch der griechischen Antike (Fischer TB Geschichte, Frankfurt 1996)
  • Dieter Kühn: Goethe zieht in den Krieg. Eine biographische Skizze (S. Fischer, gebunden, 1999 bzw. Fischer TB)
  • Bertelsmann Buchclub wird intellektuell

    Neue Zielgruppen erorbern will Bertelsmann durch das Gründen neuer Buchclubs liest man im Buchmarkt via Internetarchiv:

    Auch sollen zwei Clubs neu gegründet werden. Sie sollen zum einen anspruchsvoll-intellektuelle Zielgruppen, zum anderen trendorientierte Kunden für Bertelsmann besser erschließen.

    Offenbar will Bertelsmann nun am Mitgliederstamm der Büchergilde und der Wissenschaftliche Buchgesellschaft knabbern.

    Adolf H. Borbein (Hrsg.): Das alte Griechenland.

    „Kunst und Geschichte der Hellenen“

    C. Bertelsmann bzw. Orbis (Amazon Partnerlink)

    Wer sich für die griechische Antike interessiert, wird mit diesem umfangreichen Bildband seine Freude haben. 460 Seiten mit hunderten Fotos führen kompetent in die Materie ein. Die einzelnen Kapitel befassen sich mit der materialen Kultur der alten Griechen, d.h. Literatur und Philosophie werden bewusst ausgeklammert. Die einzelnen Beiträge sind von bekannten Fachleuten geschrieben und befassen sich u.a. mit Architektur und Städtebau, Plastik, Keramik und Malerei, Alltag in der Kleinkunst und Münzen.

    Der sorgfältig gestaltete Anhang enthält nicht nur Karten, sondern auch einen nützlichen Überblick über archäologische Stätten und Sammlungen mit griechischer Kunst. Das Buch ist derzeit für 25 Euro als gebundene Sonderausgabe zu haben, ein Schnäppchen also.

    Platon: Phaidon

    Meiner Verlag (Amazon Partnerlink)

    Warum sich gerade dieser Dialog besonders großer Berühmtheit erfreut, ist nicht schwer zu erraten. Kombiniert er doch ein literarisch höchst bewegendes Thema – die letzten Stunden des Sokrates – mit einer konzisen Einführung in diverse platonische Themen.

    Sokrates spricht nicht nur die wichtige Aspekte der Ideenlehre an, er führt auch seine logische Argumentationstechnik komprimiert vor. Zwar halten diese Argumente einer genaueren Überprüfung weniger stand als diejenigen in anderen Dialogen – die Unsterblichkeit der Seele läßt sich eben nur durch fragwürde starke Axiome „beweisen“. Das tut der formalen Eleganz des Vorgetragenen aber keinen Abbruch. Bei der wiederholten Lektüre stellt sich ein quasi-musikalischer Effekt ein und man genießt die logische Raffinesse (etwa die subtilen Wechsel diverser Abstraktionsebenen) wie die Durchführung eines musikalischen Themas.

    Der Dialog endet mit einem kurzen Abriss der platonischen Kosmologie, ein wohltuender Kontrapunkt, der die Grenzen des platonischen Wissens deutlich macht.

    Lexikographisches

    Gedanken über die aktuelle Lexikonflut von Hans-Albrecht Koch in der NZZ.

    Literaturpolitik

    Es ist ein jahrhundertelanges Ritual, dass Schriftsteller sich abfällig über Literaturkritik(er) äußern. Wie wichtig ihnen gute Besprechen entgegen aller Lippenbekenntnisse wirklich sind, zeigt ein Brief des jungen Thomas Mann, in dem er völlig ungeniert am 26.11. 1901 eine Buddenbrooks-Rezension bei seinem Freund Otto Grauthoff beauftragt:

    Ein paar Winke noch, Buddenbrooks betreffend. Im Lootsen sowohl wie in den Neuesten betone, bitte, den deutschen Charakter des Buches. Als zwei echt deutsche Ingredienzen, die wenigsten sim II. Bande (der wohl überhaupt der bedeutendere sei) stark hervorträten, nenne Musik und Philosophie. Seine Meister, wenn schon von solchen die Rede sein müsse, habe der Verfasser freilich nicht in Deutschland. Für gewisse Partien des Buches sein Dickens, für andere seien die großen Russen zu nennen. Aber im ganzen Habitus (geistig, gesellschaftlich) und schon nach dem Gegenstande echt deutsch: schon im Verhältnis zwischen den Vätern und den Söhnen in den verschiedenen Generationen der Familie (Hanno zum Senator). Tadle ein wenig (wenn es Dir recht ist) die Hoffnungslosigkeit und Melancholie des Ausgangs. Eine gewisse nihilistische Neigung sei bei dem Verf. manchmal zu spüren. Aber das Positive und Starke an ihm sei sein Humor.

    Der äußere Umfang sei etwas nicht ganz Bedeutungsloses, In der Zeit des „Überbrettls“ und der Fünf-Secunden-Lyrik sei es wenigstens ein Zeichen ungewöhnlicher künstlerischer Energie, ein solches Werk zu concipieren und zu Ende zu führen. Es sei dem Verf. gelungen, den epischen Ton vortrefflich festzuhalten. Die eminent epische Wirkung des Leitmotivs. Das Wagnerische in der Wirkung dieser wörtlichen Rückbeziehung über weite Strecken hin, im Wechsel der Generationen. Die Verbindung eines stark dramatischen Elementes mit dem epischen Dialog.

    Damit genug! Mach Deine Sache recht gut und verschiebe sie nicht zu lange.

    [Briefe I, S. 179f.]

    Grauthoff hielt sich weitgehend an diese unbescheidenen Vorgaben, seine Rezension erschien in „Der Lotse“ (Jahrgang 2, 1902, S, 442ff).

    Thomas Mann: Briefe I. 1889 – 1913

    Fischer Verlag (Amazon Partnerlink)

    GFKA

    Man hat es nicht leicht, wenn man sich intensiver mit deutschsprachiger Literatur beschäftigt. Ist man bei der Lektüre der Kafka-Briefe mit einem idiosynkratischen, krankhaft sensiblen Menschen konfrontiert, tritt einem bei der Lektüre der Briefe des jungen Thomas Mann nicht selten ein arroganter Schnösel entgegen.

    Als Vielschreiber hatte TM darüber hinaus die Angewohnheit, viele (mehr oder weniger) geistreiche Sentenzen in Briefen an unterschiedliche Adressaten wortgleich zu wiederholen. Trotzdem lohnt es sich, den 800-Seiten-Band in die Hand zu nehmen. Man erfährt viel über die geistige Entwicklung des TM. Bis zur Jahrhundertwende beispielsweise wiederholt er kritiklos diverse Anschauungen seines Bruders Heinrich, bevor er nach und nach zu seiner eigenen Weltanschauung findet. Man stößt später auf sehr aufschlussreiche Briefe an Heinrich, in denen TM die Romanästhetik seines Bruders heftig kritisiert und seine eigene, in den „Buddenbrooks“ umgesetzte, verteidigt.

    Was ist zur Editionsqualität eines der ersten Bände der GFKA zu sagen? Äußerlich fällt auf, dass der Kommentar (im Gegensatz zu den „Buddenbrooks“ und den „Essays I“) in den Textband integriert ist. Der Textteil ist solide editiert, auch handwerklich gibt es nichts an dem Buch auszusetzen. Die Auswahl der Briefe ist nachvollziehbar, viele davon werden hier zum ersten Mal abgedruckt, etwa viele Briefe an den Wiener Richard Schaukal.

    Der Kommentar hinterläßt einen zwiespältigen Eindruck. Offenbar konnten sich die Verantwortlichen nicht entscheiden, für welche Lesergruppen sie arbeiten. Das Resultat ist eine mitunter absonderliche Mischung von für Spezialisten interessanten Anmerkungen mit Banalitäten. Muss man einem Leser der Briefe des Thomas Mann wirklich erklären, wer Turgenjew oder Flaubert waren?

    Bücher, die noch geschrieben werden müssen

    Eines dieser Bücher müßte den Titel „Geschmacklosigkeiten der Neureichen. Eine Geschichte von der Antike bis in die Gegenwart“ tragen. Anlass zu diesem Gedanken gaben einige ausgedehnte Spaziergänge auf dem Semmering. Bis zum 1. Weltkrieg sind dort viele Villen gebaut worden, deren architektonische Geschmacklosigkeit manchmal einen Grad erreicht, dass man ihnen hohen Unterhaltungswert nicht absprechen kann.

    Hermeneutische Abgründe

    Wer glaubt, die schlimmsten methodischen Auswüchse der Hermeneutik gehörten inzwischen der Vergangenheit an, sollte besser nicht zu „How Milton Works“ greifen, dem jüngsten Opus des amerikanischen Star-Literaturwissenschaftlers Stanley Fish.

    In der New York Review of Books 12/2002 zeigt sich John K. Leonard über dessen Vorgehensweise sehr verwundert*:

    His chief instrument for doing this is a bizarre close reading that claims to find hidden meanings […] Most of Fish’s claims about Milton’s alleged puns […] are unconvincing and some just plainly preposterous.

    Wenn Fish Verszeilen für seine Interpretation störend findet, erklärt er sie zum „pun“, einem Wortspiel, das eigentlich etwas völlig anderes meint:

    But Fish writes that Milton’s words „cannot mean“ what they say; instead they must mean what Fish wants them to mean, even though the price of his lexical wrenching is that some words mean nothing at all […] The problem is that this method is to convenient. Whenever a difficulty arises in Milton’s texts, Fish triumps it by claiming to find not very credible puns.

    Die Literaturwissenschaft wird methodisch erst dann erwachsen** sein, wenn solche Lächerlichkeiten unmöglich sind.

    * Der Artikel ist mittlerweile Teil des kostenpflichtigen Archivs der NYRB.
    ** Link führt auf einen Auszug meiner Dissertation

    Bücherherbst 2002 (3): Böhlau

  • Richard von Dülmen: Poesie des Lebens. Eine Kulturgeschichte der deutschen Romantik (Böhlau, 2 Bände, je 30 Euro, Band 2)
  • Michael Zaremba: Johann Gottfried Herder. Prediger der Humanität. Eine Biographie (Böhlau, 25 Euro)
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    „The Gap“ meint:

    "Kann es wirklich sein, dass es im österreichischen Internet mit Christian Köllerer (aka @DrPhiloponus) nur einen einzigen ernstzunehmenden Kulturblogger gibt?"
    (Februar 2016)

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