Frank Wedekind: Frühlings Erwachen. Eine Kindertragödie

Akademietheater 17.3.02
Regie: Christina Paulhofer
Michele Cucioffo, David Rott, Lukas Miko uvm.

Im Jahr 1891 von Wedekind beendet, galt das Stück wegen angeblicher “Pornographie” lange als unaufführbar. Premiere hatte es erst am 20. November 1906, als es Max Reinhardt in den Berliner Kammerspielen inszenierte. Es ist überflüssig zu erwähnen, dass die als besonders anstößig geltenden Stellen fehlten.

Die Verbindung von avancierter Theaterästhetik mit dem zeitlosen Stoff der Pubertät ergibt ein nach wie sehr aktuelles Drama, vor allem wenn man es gegen zeitgenössische Stücke des deutschen Naturalismus hält. Die Inszenierung bot den jüngsten Mitgliedern des Burgtheaterensembles die sichtlich willkommene Gelegenheit, ihre Fähigkeiten zu zeigen. Die Inszenierung war erfrischend authentisch, eine klare Empfehlung!

“Die kurze Geschichte der deutschen Literatur”

Es ist schon einige Zeit her, dass so heftig über eine literarhistorische Publikation debattiert wurde wie über das kleine Buch von Heinz Schlaffer. Eine Zusammenfassung der bisherigen Pressestimmen liefert der “Perlentaucher”.

Ingrid D. Rowland: Through a Glass, Darkly

The New York Review of Books 3/2002

In den letzten Jahren gibt es unter Kunsthistorikern verstärkt die Diskussion, inwieweit die alten Meister optische Hilfsmittel wie Linsen benutzten, um den fotorealistischen Effekt ihrer Gemälde zu verstärken. Propagiert wird diese These vor allem vom Künstler David Hockney in seinem Buch “Secret Knowledge. Rediscovering the Lost Techniques of the Old Masters”.

Rowland nimmt u.a. diese Publikation zum Anlass, um sich mit diesem Thema im Detail auseinanderzusetzen*. Besonders erhellend dabei ist der ausführliche Vergleich der Theorie Hockneys mit den Ausführungen Athanasius Kirchners, der sich in seinem Buch “Ars Magnae Lucis et Umbrae” (1646) ebenfalls mit diesen Fragen beschäftigte.

* Der Artikel ist mittlerweile Teil des kostenpflichtigen Archivs der NYRB.

Harald Frickes Kunstphilosophie

Als Literaturwissenschaftler zeigte Fricke, dass analytische Ansätze auch in dieser Wissenschaft vielen anderen Methoden überlegen sind. Seine in “Norm und Abweichung” vorgelegte Literaturtheorie gehört mit zum Besten, was zu diesem Thema in den letzten 15 Jahren publiziert wurde.

In seinem neuen Buch, “Gesetz und Freiheit”, legte Fricke nun eine umfassende Theorie der Kunst vor. Uwe Spörl stellt es in einer umfangreichen Rezension vor.

“Umbau bei Random House”

Große Aufregung in der deutschen Buchbranche verursachte der Personalumbau bei Random House in Deutschland. Die NZZ hat Details.

Hundstage

Regie: Ulrich Seidl
Apollo Kino 6. März

Seidl ist ein vielbeachteter österreichischer Filmemacher. “Hundstage” erhielt letztes Jahr den Großen Preis der Jury in Venedig. Daran wäre an sich nichts Bemerkenswertes, wäre nicht noch eine Kleinigkeit: Es ist ein grottenschlechter Film. Ästhetisch verbrämte Sozialpornographie, die sich als Kunstfilm tarnt.

Die Tarnung funktioniert allerdings mehr schlecht als recht, denn das Apollo ist ein Cineplex, das wie vergleichsweise Einrichtungen vor allem dem Mainstream frönt. Trotzdem war der Kinosaal bis auf den letzten Platz gefüllt und das Publikum genoss, was es an Demütigungen zu sehen bekam, egal was Seidl und die versammelte Filmkritik über die “kritischen” Qualitäten dieser Zelluloidverschwendung von sich geben.

Der Kampf um Troja

Neuigkeiten vom aktuellen Streit der Gelehrten anläßlich zweier Neuerscheinungen gibt es in der “Welt”: Schliemann, Troja und die Griechen.

Nabokov: Das wahre Leben des Sebastian Knight

rororo

Mit dem zehnte Roman des Autors, im Dezember und Januar 1938/39 in Paris geschrieben, hat es eine besondere Bewandtnis: Er wurde zum ersten Mal direkt auf Englisch verfasst, Übersetzungen gab es bereits davor. Man kann es Nabokov also nicht verdenken, dass er seinen Erzähler spiegelbildlich anlegt, nämlich als einen im noch ungewohnten Idiom schreibenden Russen.

Das Werk wirkt auf den ersten Blick geradliniger und weniger komplex als andere seiner Bücher. Ohne Doppelbödigkeiten geht es freilich auch hier nicht: Am Schluss bleibt offen, was es mit Sebastian Knight wirklich auf sich hatte. Sicher kein Hauptwerk, aber trotzdem die Lektüre lohnend.

Nachwuchsprobleme…

…sind aus der Verlagsbranche zu vermelden und wer könnte dies kompetenter analysieren als Joachim Güntner für die NZZ.

Noch keine Thomas-Mann-Ausgabe in Sicht

Angekündigt für Oktober 2001, wegen “technischer” Probleme auf den Februar verschoben, gibt es nun einen neuen Termin: Im Juni soll der Auftakt diesmal stattfinden…

Addendum: Die ersten Bände erschienen tatsächlich im Juni. Siehe auch meine Seite auf koellerer.de zur GKFA.

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“Die Presse” meint:

"Aber das Internet ist nicht schuld daran, dass Zeitungen reihenweise ihre Literaturseiten „gesundschrumpfen“. Vielmehr hat es das Monopol der traditionellen Medien auf seriöse Literaturkritik gebrochen. Blogs wie die „Notizen“ des promovierten österreichischen Literaturwissenschaftlers Christian Köllerer (koellerer.net) zeigen: Es gibt genug Qualität, man muss sie nur suchen."
(5. Januar 2013)

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