Wien

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Alban Berg Quartett (Schnittke, Beethoven)

Schnittke: Streichquartett Nr. 4 (1989)
Beethoven: Streichquartett cis-moll op. 131
Konzerthaus 27.1.

Schnittke komponierte sein viertes Streichquartett für das Alban Berg Quartett, und es gehört zum Abgründigsten, was ich von Schnittke bisher hörte. Die Stimmung des Werkes ist düster, und schöpft die Möglichkeiten an Dynamik und Klangfarben eines Streichquartetts bis in Extreme aus.

Wenn das ABQ Beethoven spielt, gehört das regelmäßig zu den Höhepunkten des Wiener Konzertlebens. Auch diesmal ließ die Interpretation nichts zu wünschen übrig, auffallend allerdings, dass sich die Furiosität der vier Musiker in der zweiten Hälfte noch einmal deutlich steigerte.

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Schiller: Kabale und Liebe

Volkstheater 22.1.03
Regie: Martin Schulze
Ferdinand: Florian Teichtmeister
Luise: Chris Pichler
Präseident von Walter: Toni Böhm
Miller: Thomas Stolzetti
Wurm: Christoph Zadra

Das Wiener Volkstheater betrete ich gewöhnlich mit einer sehr mäßigen Erwartungshaltung, desto angenehmer überraschte mich die Inszenierung. In reduziertem, modernen Ambiente nahmen die Kabalen samt Liebestragödie ihren Lauf. Weder übertriebenes Pathos, noch artifizielle Unterkühlung waren vorherrschend. Schauspielerisch war wenig auszusetzen.

Die Bühnenwirksamkeit des Stücks ist erstaunlich, zumal mich die vierte Lektüre des Dramas distanzierter zurückgelassen hatte, als die früheren Leseerlebnisse. Eine solide, unspektakuläre Schiller-Inszenierung. Das Theater war erstaunlich schlecht besucht. Das sollte sich ändern.

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Molière: Der Menschenfeind

Theater in der Josefstadt 18.1.03
Regie: Günter Krämer
Alceste: Helmut Lohner
Philinte: Michael Dangl

Eine für die Josefstadt “avantgardistische” Inszenierung: Zusammengeschnittene Szenen, eine kühle Bar auf der Bühne, künstlich stilisierte Sprechakrobatik, weit aufgerissene Augen durch monokelähnliche Augen-Aufsätze.

Ein ambitioniertes Motiv: Die szenische Spiegelung der Menschenfeindlikeit des Alceste. Schwer zu sagen, warum die Aufführung dennoch völlig missglückt. Die Zerstörung des Komödienhaften dürfte ausschlaggebend sein. Molières delikate Balance zwischen Lächerlichkeit und Tragik wird zulasten des Komischen verschoben. Die Bitterkeit des letzten Auftritts des Helmut Lohner ist verblüffend. Trotzdem kann man sich einen Besuch der Aufführung getrost sparen.

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Gustav Klimt und Franz Xaver Messerschmidt

Gleich zwei außergewöhnliche Ausstellungen sind im Belvedere zu sehen. Der Andrang zu den Landschaftsbildern des Gustav Klimt ist enorm. Während ich mit Klimts Hauptwerken verhältnismäßig wenig anfangen kann, sind viele seiner Landschaftsgemälde sehr faszinierend: Das Oszillieren zwischen Figürlichem und Abstraktem, die leuchtenden Farben sowie die pointillistische Harmonie vieler Kompositionen hinterlassen einen nachhaltigen Eindruck.

Fassungslos machte mich der Audioguide. Die (durchaus guten) Erläuterungen der Exponate wurde teilweise durch “Musik” hinterlegt (oft Mahler), was angesichts der akustischen Qualität dieser Geräte klang, als würde auf einer kaputten Drehorgel klassische Musik karikiert. Wem fallen solche ästhetische Grausamkeiten ein?

Im Unteren Belevedere ist eine umfassende Skulpturenschau des Franz Xaver Messerschmidt (1736-1783), einem der bekanntesten Bildhauer des Wiener Spätbarock. Berühmt vor allem durch seine grotesken Charakterköpfe, mit denen er die unterschiedlichsten Charaktere und Emotionen zeigen wollte. “Wollte” deshalb, weil in den meisten Fällen die Mimik nur ansatzweise zur Beschreibung passt. Viele Köpfe grinsen mehr oder weniger plausibel vor sich hin. So liegt die Leistung dieser eigenartigen Arbeiten weniger im von Messerschmidt intendierten enzyklopädischen Charakter seiner Serie, sondern in der individuellen skurrilen und grotesken Qualität der einzelnen Skulpturen.

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Hans Memling & die griechische Kunst in Wien

Das Kunsthistorische Museum zeigt anläßlich einer Sonderausstellung “Schatzkammer Polen” als Höhepunkt das 1471 vollendete Gemälde (dreiflügeliges Altarbild) “Das jüngste Gericht” (1471) des Hans Memling, das man normalerweise nur im Nationalmuseum Danzig besichtigen kann. Die Ausdruckskraft der Figuren ist ebenso beeindruckend wie die über die drei Flügel gehende elliptische Konstruktion. Wer die Gelegenheit dazu hat, sollte es unbedingt ansehen!

Ich nahm die Gelegenheit wahr, um mich über den Fortgang der Restaurierungsarbeiten rund um die seit etwa 2 Jahren geschlossene Antikensammlung zu erkundigen. Von einer Wiederöffnung Anfang des nächsten Jahres ist keine Rede mehr, angeblich, weil zwei der beteiligten Firmen in Konkurs gegangen seien. Die griechisch-römische “kunstlose” Zeit in Wien wird also noch eine Weile dauern…

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Zyklus Albert Berg Quarett: 1. Konzert

aron quartett
Konzerthaus 26.11.
Viktor Ullmann: Streichquartett Nr. 3 op. 46 (1943)
Alban Berg: Streichquartett op. 3 (1910)
Antonin Dvorák: Streichquartett Nr. 13 op. 106 (1895)

Traditonsgemäß bestreitet ein Gastensemble das erste Konzert dieses Zyklus und erhält dadurch Gelegenheit, sich dem Wiener Streichquartett-Publikum vorzustellen. Die Interpretationspraxis bewegte sich in bewährtem Rahmen, auf eine musikalische Profilierung durch Extravaganzen wurde verzichtet.

Die Zusammenstellung des Programms verdient wegen des selten gespielten Ullmann-Quartetts großes Lob, es wurde dann auch mit entsprechendem Verve gegeben. Bei Alban Berg fanden die vier Musiker zu einem guten Mittelweg zwischen Expression und Exaktheit.

Ein zwiespältiges Gefühl ließ Dvoráks Nr. 13 zurück. Kompositorisch einfallsreich, wirkt es ästhetisch etwas antiquiert, wenn man etwa an die späten Beethoven Quartette denkt.

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Ibsen: Die Wildente

Theater in der Josefstadt 23.11.02
Regie: Dietmar Pflegerl
Gregers: Herbert Föttinger
Hjalmar Ekdal: Peter Scholz
Hedwig Ekdal: Gertrud Dassl

Für die Nicht-Wiener: Das Theater in der Josefstadt (das angesichts des Gesundheitszustandes des Publikums wohl bald in “Sanatorium in der Josefstadt” umbenannt wird) ist die konservativste Bühne der Stadt. Erstaunlich deshalb, dass ausgerechnet dort derzeit die besten Aufführungen in Wien zu sehen sind (vom Akademietheater einmal abgesehen). Peinlichkeiten wie den Cyrano de Bergerac am Burgtheater gibt es in der Josefstadt nicht.

Geboten wird dort klassisches literarisches Schauspiel auf sehr hohem Niveau, eine Kunst also, die angesichts avancierterer Regie-Ästhetiken antiquiert wirken mag, trotzdem für das Überleben des Theaters unverzichtbar ist.

Vielfalt sollte das Motto sein, und es ist schön in einer Stadt zu leben, wo beides in ansprechender Qualität geboten wird (und, nebenbei bemerkt, in einer Stadt, in der mehr Menschen in die Theater als in die Fußballstadien gehen :-)
“Die Wildente” ist eines der interessantesten Stücke Ibsens, markiert es doch einen wichtigen Wendepunkt seines Schaffens. Im Gegensatz zu früheren Werken (die “Gespenster” etwa) bricht der Autor hier den idealistischen Standpunkt: Der “Aufklärer” Gregers Wehrle nimmt seinem Jugendfreund Hjalmar Ekdal seine Lebenslüge mit dem Ziel, eine wahre, auf Aufrichtigkeit gegründete Ehe zu stiften. Das Ergebnis führt in die Katastrophe. Idealismus ohne Rücksicht auf menschliche Schwächen stiftet mehr Schaden, denn Nutzen, so das skeptische Resümee.

Stoffgeschichtlich ist das Stück aufschlussreich, weil erstmals im europäischen Theater eine kleinbürgerliche Familie die Hauptrolle spielt und das Ende von einem düsteren Pessimismus zeugt. Die Inszenierung ist “klassisch” im besten Sinn des Wortes. Die schauspielerischen Fähigkeiten sind beeindruckend (ab und zu vielleicht einen Hauch zu pathetisch).

Eine dringende Empfehlung!

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Alban Berg: Wozzeck

Orchester-Neufassung von John Rea
Neue Oper Wien am 31.10.
Musikalische Leitung: Walter Kobéra
Inszenierung: Anton Nekovar
Wozzeck: Rupert Bergmann
Marie: Ingrid Habermann

Freie Operngruppen haben es nicht leicht, deshalb sollte man nicht allzu strenge Maßstäbe bei der Beurteilung ihrer Arbeiten anlegen, denkt man sich üblicherweise. Mit dieser Erwartungshaltung fuhr ich in das alte Jugendstiltheater auf der Baumgartner Höhe, das mitten im Steinhofkomplex liegt, der berühmten Wiener psychiatrischen Anstalt.

Die Aufführung war ausgezeichnet, vor allem Rupert Bergmann hatte als Wozzeck eine unglaubliche Bühnenpräsenz, eine für einen Sänger höchst ungewöhnliche Leistung. Die von John Rea auf 21 Musiker “heruntergeschraubte” Orchesterpartitur war der Wirkung nicht abträglich. Die Inszenierung war einfallsreich. Ein hervorragender Opernabend.

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Der verbotene Blick

Bis zum 31.10. kann man diese Ausstellung der Österreichischen Nationalbibliothek noch besuchen. Gezeigt werden Erotica (im weitesten Sinn des Wortes) aus den diversen Sammlungen des Hauses, darunter auch einige wunderschöne Inkunablen, etwa der “Metamorphosen” Ovids.

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Hans J. Fröhlich: Schubert. Eine Biographie

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Das Ärgerlichste am regelmäßigen Lesen sind die vielen schlechten Bücher, auf die man immer wieder stößt. Diese Schubert-Biographie kann einen ob der “analytischen” Zumutungen beinahe fassungslos machen. Fröhlichs “Methode” läßt sich am besten noch vulgärhermeneutisch nennen, gelegentlich psychoanalytisch ergänzt. Eine völlig ungenießbare Mixtur also.

Lesbarer sind die biographischeren Kapitel, passabel etwa, was er über Schuberts Ringen mit der Operngattung schreibt. Wer etwas über Schubert lesen will, meide dieses Buch. Kann mir jemand bessere Alternativen empfehlen?

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