Reise-Skizzen New York (1)
Es dürfte derzeit kaum eine sicherere Stadt als New York geben. Will man ein öffentliches Gebäude betreten, werden im besten Fall nur die Taschen durchsucht. Aber auch flughafenähnliche Sicherheitskontrollen mit modernster Technik sind keine Seltenheit. Bringt man diese Kontrollen hinter sich, kann man sich beispielsweise der gigantischen Kunstsammlung des Metropolitan Museum zuwenden. Angesichts der siebenstelligen Zahl an Kunstwerken empfiehlt sich eine strikte Auswahl. Ich konzentrierte mich auf Europäische Malerei und griechische Antike.
Die Gemäldegalerie versammelt eine Fülle von Höhepunkten der Kunstgeschichte. Dagegen wirkt das Kunsthistorische Museum in Wien fast wie ein Provinzinstitut. Alleine die vielen Selbstportraits von Rembrandt wären Grund genug für eine Reise nach New York.
Die Antikensammlung braucht keinen Vergleich mit griechischen Museen zu scheuen, was angesichts der zahlreichen legalen und illegalen Kunstexporte nicht überrascht. Man sollte sich mindestens zwei halbe Tage dafür Zeit nehmen.
Studienreise für Wagemutige
Organisierte Studienreisen haben den Ruf der Betulichkeit. Dass hier durchaus spannende Abenteuer möglich sind, zeigt der Wiener Anbieter Akademischer Reisedienst, der in seinem neuen Katalog 2003 nach wie vor den Irak im Programm hat, darunter Termine, die sich meterologisch besonders für amerikanische Ausflüge in diese Region eignen. Der Scan auf koellerer.de
Zwei New-York-Reiseführer
Diese beiden Bücher begleiteten mich auf meinen Wegen durch Manhattan. Die Zuverlässigkeit ließ in keinem Fall zu wünschen übrig. Der Band aus der renommierten lonely planet Reihe übertrifft in punkto Praxisnähe das deutsche Buch bei weitem. Dafür muss sich David Ellis “kulturgeschichtlich” geschlagen geben, auch wenn die gebotenen Informationen vom ihm sehr konzis und pointiert geschrieben wurden.
Beide Reiseführer ergänzen sich gut, so dass ich diese Kombination durchaus empfehlen kann. Mehr über das aktuelle New York demnächst auf diesem Kanal.
Reise-Skizzen Griechenland (4): Mistra, Olympia
Die mittelalterliche Stadt Mistra, unweit von Sparta gelegen, wurde unter beachtlichen bautechnischen Anstrengungen hoch an einem Berg errichtet. Auch das Alltagsleben war schwierig, mussten sich die Bewohner doch (samt den Tieren versteht sich) auf schmalen Bergwegen von Haus zu Haus bewegen.
Besucht wird diese Ruinenstadt heute vor allem aus kunsthistorischem Interesse: es finden sich in den Kirchen dort originale byzantinische Wandgemälde (viele leider in ziemlich schlechtem Zustand). Bemerkenswert die christlichen “medizinischen” Votivgaben. Sie unterscheiden sich nur geringfügig von den um 1600 Jahre älteren in Epidauros. Das religiöse Gegenüber war ein anderes, das Ritual blieb nahezu dasselbe.
Die sozial- und kulturgeschichtliche Bedeutung von Olympia ist bekannt, traf sich dort doch regelmäßig das antike Griechenland zu Wettkämpfen, die den Anlass zu vielfältigen Nebentätigkeiten boten. Händler aller Art (auch solche mit Informationen) fanden sich ebenso ein, wie die unterschiedlichsten Berufe.
Für eine Ausgrabungsstätte gibt es noch viel zu sehen, so dass die Orientierung nicht übermäßig schwer fällt. Höhepunkt ist das Museum mit zahlreichen Skulpturen des Zeus Tempels (dessen Überreste draußen zu besichtigen sind), welche die unglaubliche Ausdruckskraft griechischer Kunst vor Augen führen und bestes Beispiel dafür sind, dass die antiken Künstler ihren Formenkanon in einem rasanten Tempo erweiterten.
Reise-Skizzen Griechenland (3): Epidauros, Nauplia
Das Asklepieion in Epidauros war das Zentrum eines antiken Kurortes, zu dem sich verzweifelte Kranke aus der griechischen Welt aufmachten, um endlich von ihren Leiden geheilt zu werden. Es liegt entsprechend malerisch in einer sanft hügeligen Landschaft, und weist die Überreste einer Reihe von Einrichtungen auf, wie sie auch heute an solchen Orten noch üblich sind, ein Konzerthaus etwa.
Höhepunkt ist unbestritten eines der am besten erhaltenen griechischen Theater. Die Ränge umfassen 17.000 Plätze, die alle von einer phänomenalen Akkustik profitieren. Selbst in den obersten Rängen hört man, wenn jemand im Zentrum unten eine Münze fallen läßt. Zusätzlich zur Theateraufführung (es wird immer noch als solches im Sommer genutzt) hat man einen netten Ausblick auf die Umgebung.
Nach der Befreiung Griechenlands wurde der junge bayerische Otto zum König ernannt (nach zähem diplomatischen Ringen). Die erste Hauptstadt war nicht das damals unansehnliche Athen, sondern Nauplia, eine der hübschesten Städte am Mittelmeer, die ich bis jetzt besuchte. Die Schönheit ist allerdings direkt proportional zur Verschlafenheit (28.000 Einwohner).
Reise-Skizzen Griechenland (2): Alt-Korinth und Mykene
Wer sich von Athen aus dorthin auf den Weg macht, muss den Isthmos überqueren und kann als beeindruckende Ingenieurleistung den Kanal (1893) bewundern. In der Antike haben Griechen und Römer vergeblich versucht, eine künstliche Schiffverbindung zu schaffen. Wer heute diese Gesteinsmassen sieht, die dafür bewegt werden mussten, den verwundert nicht, dass die antike Technik daran scheitern musste.
Die zentrale strategische Lage Alt-Korinths läßt sich immer noch gut erkennen, und es ist einleuchtend, dass ausgerechnet dort eine der mächtigsten griechischen Städte entstand. Der Erhaltungszustand der Monumente ist nicht sehr gut, sieht man von den Überresten eines archaischen Tempels ab.
Besucht man die klassischen Stätten in Griechenland, sollte man ausreichend vorbereitet sein. Denn ohne Wissen um den (kultur)geschichtlichen Kontext der Stätten (und/oder einen guten Führer) wirken die antiken Überreste an sich nicht sehr beeindruckend. Es ist deshalb notwendig, das Gesehene durch Vor-Wissen zu ergänzen, damit man einen faszinierenden Eindruck von damals erhält.
Mykene war einer der Höhepunkte der Reise. Auf einen steinübersäten Hügel gelegen (und deshalb gar nicht so leicht zu ersteigen) kann man die Überreste der mykenischen Baukunst bewundern. Schwere Steinbögen (Löwentor!) zeugen ebenso von umfangreichen Statik-Kenntnissen wie eine aus strategischen Gründen angelegte unterirdisch Zisterne. Die Wasserquelle Mykenes wäre im Falle einer Belagerung außerhalb der soliden Stadtmauern gelegen. Deshalb sah man sich genötigt das Wasser unterirdisch in die Stadt zu führen. Wieder einmal ein Beleg für die These, dass technischer Fortschritt oft Hand in Hand mit “kriegerischen” Bedürfnissen geht.
Reise-Skizzen Griechenland (1): Athen
Griechenland wird derzeit generalsaniert. Die bekannten Denkmäler sind durch Gerüste umstellt, wenn nicht überhaupt zur Restaurierung komplett abtransportiert – wie der Nike Tempel auf der Akropolis.
Sogar das Nationalmuseum wurde komplett geschlossen und man frägt sich, warum die Athener nicht wenigstens die herausragendsten Werke an anderer Stelle zugänglich machen. Der Grund für diese Renovierungswut ist schnell gefunden: Während der Olympischen Spielen 2004 will sich das Land in neuem Glanz präsentieren. Ein Jahr darauf wäre also ein idealer Termin für eine ausführliche Griechenland-Reise.
Athen selbst gehört zu den fußgängerfeindlichsten Städten, die mir bis jetzt begegnet sind. Achtspurige Straßen wälzen sich durch das Zentrum, sporadisch von Ampeln unterbrochen, deren Grünphasen für Fußgänger selbst Kurzstreckenläufern kaum ausreichen dürften. Es versteht sich, dass diese Autolawinen direkt um viele berühmte Monumente kreisen, denen die Smogspuren deutlich anzusehen sind.
Eine Seite am Fuß der Akropolis wurde kürzlich verkehrsberuhigt und in eine Flaniermeile mit beeindruckenden Ausblicken verwandelt. Der berühmte Hügel selbst ist erwartungsgemäß beeindruckend, man lese die Details in dem von mir empfohlenen Reiseführer Lambert Schneiders nach.
Seltsam aufschlussreich sind die neoklassizistischen Bauten der Stadt, wie man sie aus München oder Wien kennt. Der von Theophil Hansen konzipierten Athener Nationalbibliothek etwa ist die Ähnlichkeit mit dem von ihm erbauten Wiener Parlament deutlich anzusehen. Es entbehrt nicht der Ironie, dass der antiseptische Stil dieser Bauten deutlich von den bunten Bauten der Antike abweicht. Man steht in Athen staunend vor der aus dem Norden reimportierten architektonischen Umsetzung der sachlich oft falschen Antikenrezeption der deutschen Klassik.
Schätze der Welt – eine Entdeckung
Für mich eine der spannendsten virtuellen Entdeckungen der letzten Zeit: In 15 Minuten langen Filmen werden die wichtigsten Kulturdenkmäler der Welt präsentiert, mehrere Dutzend sind schon online. Das Niveau ist akzeptabel. Die Auswahl wird durch das UNESCO Kulturerbe-Programm inspiriert. Eine große Fundgrube für (nicht nur) kulturgeschichtlich Interessierte.




Letzte Kommentare