Wien Ausstellungen

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Feste Feiern – 125 Jahre Jubiläumsausstellung

Kunsthistorisches Museum 3.4. 2016

Eine Ausstellung, die sich primär an Geschichts- und erst sekundär an Kunstinteressierte richten dürfte. Was nicht heißt, dass nicht exquisites Kunsthandwerk und einige Meisterwerke der Malkunst zu sehen sind. Letztere sind aber überwiegend ohnehin im KHM ausgestellt. Hochwertige Leihgaben gibt es nur wenige.

Die Schau beleuchtet die Festkultur. Der Schwerpunkt liegt eindeutig auf der Renaissance und dem Barock (Kaiser Maximilian I. und Leopold I.) mit einem zaghaften Blick auf das griechische Symposium, der im Gesamtkontext allerdings wie ein Fremdkörper wirkt. Die Stücke sind in drei große Bereiche gruppiert: Land- und Stadtfest des Adels, das höfische Bankett sowie das (Ritter-)turnier. Man sieht und erfährt zu jedem Bereich interessante historische Details. Speziell das Ritterturnier ist aus unterschiedlichen Perspektiven und mit schönen Exponaten eingefangen (von Rüstungen bis zu „Propagandabüchern“).

Die Grenzen des thematisch Dargestellten (sowohl insgesamt als auch in den drei Bereichen) scheint mir eher dem Zufall geschuldet zu sein, welche Stücke vorhanden bzw. einfach zu bekommen waren. Eine kuratorische Notwendigkeit verspüre ich dabei nirgends. Feste feiern ist als Ausstellung im besten Fall eine mittelmäßige Angelegenheit. Wie und warum man ausgerechnet mit ihr das 125-jährige Jubiläum feiern will, bleibt ein Rätsel. Eines der besten Museen der Welt hätte doch eine Weltklasse-Schau zu diesem Anlass verdient. (Bis 11.9.)

Spettacolo barocco! Triumph des Theaters

Theatermuseum 27.3. 2016

An einem sonnigen Ostersonntag kann ich mir diese gelungene Ausstellung fast alleine ansehen. Ihr Ziel ist es, das Theater des Barock mit allen Facetten darzustellen. Wer hier an das heutige Theater denkt, wird schon am Beginn bemerken, dass der Begriff damals viel weiter gefasst war: Es ging vor allem um höfisches Machttheater. Die damals mit riesigem Aufwand inszenierten Spektakel in Wien waren legendär. Leopold I. veranstaltet als Barockkaiser diese Feste und eines davon kann man sich im Detail als Animation ansehen. Anlässe waren gerne Hochzeiten oder die Geburt eines Thronfolgers. Die mythologischen Bezüge standen in einer symbolischen Beziehung zum Kaiserhaus. Ludwig XIV. veranstaltete Gegenspektakel und die europäische Elite konnte sich an diesem kindischen Kaiserwettbewerb erfreuen. Ein weiterer Aspekt war die Barockoper, der ebenfalls viel Raum gewidmet wird. Schließlich weitet sich die Schau thematisch. Nach den Festen der Medici, die sich die Steigerung ihres Sozialprestiges vom Kopieren adliger Spektakel erhofften, hin zur Commedia dell’Arte und dem Wiener Fasching. Barocke Bühnentechnik und das Ordenstheater präsentieren die Kuratoren ebenfalls kompetent. Chronologisch endet die Schau mit Maria Theresa.

Insgesamt eine sehr kompetente und interessante Ausstellung. Mein einziger Einwand wäre, dass sich das Gezeigte (und im Audioguide gehörte) fast ausschließlich auf die veranstaltenden Eliten konzentriert. Eine größere sozialgeschichtliche Breite inklusive kritischer Aspekte wäre wünschenswert gewesen. (Bis 30.1.)

Welten der Romantik

Albertina 7.2. 2016

Bereits Goethe hatte sich über die Frömmelei mancher romantischer Künstler lustig gemacht. Mit gutem Grund, denke ich mir beim Rundgang durch Welten der Romantik im Untergeschoß der Albertina. Im Mittelpunkt der Ausstellung steht die Gegenüberstellung verschiedener romantischer Schulen. Die Nazarener und die Lukasbrüder tragen ihr ästhetisches Weltbild bereits im Namen: Kunst müsse sich mit Religion beschäftigen, am besten in der Façon des Mittelalters. Das war bereits um 1800 eine ausgesprochen naive und rückwärtsgewandte Weltsicht – man denke an die gleichzeitigen Fortschritte in der Naturwissenschaft oder an die kunsttheoretischen Schriften der Weimarer Klassik. Diese Kunst entstand aus Angst vor der Moderne und den Umbrüchen um 1800. Nun kann Angst viel kreatives Potenzial freisetzen, wenn es sich zu neuen Ufern aufmacht. Die Vergangenheit frei von Empirie zu verklären, reicht dazu nicht aus.

Es finden sich in der Schau auch einige herausragende Bilder von Caspar David Friedrich und anderen ideologisch weniger aufgeladenen Romantikern als die Nazarener. Besonders beeindruckend ist „Der Koloss“ am Beginn des Rundgangs. Lange Goya zugeschrieben ist es eines der frühestens Antikriegsbilder, und passt damit besser in unsere Zeitläufte als kitschige Jesusbilder. Aus kunsthistorischer Perspektive allerdings durchaus sehenswert. (bis 21.2.)

Goldene Zeiten

Prunksaal der Österreichischen Nationalbibliothek 26.12. 2015

Wer sich für alte Bücher interessiert, darf sich die aktuelle Ausstellung im Prunksaal auf keinen Fall entgehen lassen. Gezeigt werden Meisterwerke der Buchkunst von der Gotik bis zur Renaissance anhand von fünfzehn Stationen. Die Schau ist Teil einer internationalen Ausstellungsreihe, in deren Rahmen zwölf deutschsprachige Bibliotheken ihre wichtigsten Werke zeigen.
Die prächtigen Handschriften sind nach chronologisch-thematischen Gesichtspunkten angeordnet. Gleich zu Beginn sieht man das goldverzierte Evangeliar des Johannes von Troppau, das als Gründungsbuch der kaiserlichen Hofbibliothek gilt. Die berühmte Goldene Bulle ist ebenfalls ausgestellt, nebst einer Menge an herausragender Buchkunst. (Bis 21.2.)

Olafur Eliasson: Baroque

Winterpalais 13.12. 2015

Schon der Eingangsbereich ist für die aktuelle Ausstellung umgebaut: Man betritt das Innere des Palais durch eine Sicherheitsschleuse und steht bereits im ersten Kunstwerk. Der dänisch-isländische Künstler Olafur Eliasson lässt seine Werke in einen direkten Dialog mit dem imposanten Barockpalais treten. Seine Mittel der Wahl sind Lichtinstallationen und Projektionen, Spiegel in vielen Varianten sowie paradoxe Rauminterventionen. Die Wirkung auf die Wahrnehmung ist frappant: Selbst wenn man das Winterpalais gut kennt, ist man immer wieder kurz desorientiert. Man könnte die Schau als angewandte Erkenntnistheorie bezeichnen, die mit sehr viel Witz daher kommt. Ein Pflichtbesuch. (Bis 6.3.)

Die Universität. Eine Kampfzone

Jüdisches Museum 29.11. 2016

Die Wiener Universität feiert dieses Jahr ihre Gründung vor 650 Jahren und das Jüdische Museum beleuchtet ein besonders unschönes Kapitel in deren Geschichte: Den Umgang mit jüdischen Studierenden und Lehrenden. Die gab es in nennenswerter Anzahl freilich erst im 19. Jahrhundert, die Ausstellung geht historisch aber bis ins Mittelalter zurück.

Am bedrückendsten sind naturgemäß antisemitischen Eskapaden ab dem letzten Drittel des 19. Jahrhunderts bis nach dem zweiten Weltkrieg. Die Universität war schon vor der Übernahme durch die Nazis fest in antisemitischen Händen, und die in der Ausstellung dokumentierten Tiraden gegen jüdische Studenten und Professoren sind von einer abgrundtiefen Gehässigkeit. Leider ist diese zeitlos, wie man dank der zahlreichen Hasspostings über Flüchtlinge in den sozialen Medien hinreichend demonstriert bekommt. Insofern dient die Ausstellung auch als Warnung, wohin irrationaler Hass und Verrohung der Sprache letzthin führen wird. Jüdische Studenten wurden schon früh von ihren deutschnationalen Kommilitonen regelmäßig misshandelt. Jüdische Studentinnen hatten es nach der Zulassung von Frauen zum Studium in Wien besonders schwer, wie ein entsprechender Schwerpunkt zeigt.

Die Vergangenheitsbewältigung dieses trüben Kapitels begann erst lange nach dem zweiten Weltkrieg. Walter Weiss, mein ehemaliger Germanistikprofessor in Salzburg, erzählte mir einmal, dass seine Berufung noch 1965 wegen seines Judentums auf diverse Widerstände gestoßen sei.
(Bis 28.3.)

Politischer Populismus

Kunsthalle Museumsquartier 22.11. 2015

Der Titel der Ausstellung ist selbst eine populistische Irreführung, beschäftigt sich doch kaum eines der dort ausgestellten zeitgenössischen Werke dort direkt mit dem Populismus. Wenigstens ist der Eintritt frei, so dass man für die falsche Erwartungshaltung nichts bezahlen muss.

Zu sehen ist Gegenwartskunst mit politischem Bezug. Grandios ist darunter Trevor Paglens Auseinandersetzung mit den Snowden-Enthüllungen. Für die 89 Landscapes genannte Videoinstallation filmte der Künstler Überwachungseinrichtungen in den USA und in Großbritannien. Verfremdend zusammengeschnitten und eingebettet in teils erhabene Landschaften ergibt das eine gruselige Wirkung, die durch den bassträchtigen Soundtrack noch verstärkt wird. Die knapp halbe Stunde Zeit dafür sollte man sich unbedingt nehmen.

Weitere Arbeiten beschäftigen sich auch mit Asien, nämlich den Zwangsenteignungen chinesischer Häuser für Großprojekte und koreanischer Vergangenheitsbewältigung. Es dominiert Audiovisuelles. Das Niveau ist insgesamt sehr erfreulich. (Bis 7.2.)

Aktuelle Ausstellungen in Wien

In der Albertina sind gleich drei sehenswerte Ausstellungen zu besuchen. In Edvard Munch – Liebe, Tod und Einsamkeit werden diese Themenkreise vor allem anhand von Grafiken dargestellt. Darunter sind immer wieder dieselben Motive in unterschiedlichen Varianten, was einen guten Einblick in Munchs Arbeitsweise gibt. (Bis 24.1.)
Eine tolle Idee war es auch die Freundschaft zwischen den künstlerisch so unterschiedlichen Lyonel Feininger und Alfred Kubin zu dokumentieren. Es finden sich sowohl autobiographische Dokumente als auch Werke, welche einerseits die private Nähe andererseits die ästhetischen Unterschiede zeigen. Trotz der unterschiedlichen Kunstauffassungen schätzten die beiden ihre Arbeit gegenseitig. (Bis 10.1.)
Schließlich zeigt das Haus in Black & White eine kleine, thematische Auswahl aus dem etwa 100.000 Stück umfassenden Fotoarchiv der Albertina. Dieses Format soll zukünftig fortgesetzt werden, was ich sehr begrüße, da der Öffentlichkeit nicht zugängliche Archive ja immer etwas trauriges haben. (Bis 10.1)

Sehr erfreulich ist auch die Herbst-Ausstellung im Leopold Museum: Farbenrausch. Meisterwerke des deutschen Expressionismus. Neben einigen eigenen Werken kommen die meisten aus dem Osthaus Museum in Hagen. Diese Kreativitäts-Explosion verfolgen zu können, gibt einen schönen Einblick wie sich ästhetische Revolutionen entwickeln. Ich kannte vorher auch Christian Rohlfs nicht, dessen Werke meine Entdeckung dieser Schau sind. (Bis 11.1.)

Völlig misslungen ist dagegen die breit beworbene neue Ausstellung des Theater Museums. Doch Die Geschichte Europas – erzählt von seinen Theatern wird dem Anspruch des Titels bei weitem nicht gerecht. Da es sich um ein EU-Projekt handelt, wird man als Zuseher von einem pompösen Vorwort des EU-Präsidenten Martin Schulz empfangen. Die Ausstellung besteht aus einer Reihe von Schautafeln zu unterschiedlichen Themen, die insgesamt bei weitem nicht die Geschichte Europas abdecken, und sich auf breit ausgetretenen Pfaden bewegen. Wer wenig über Theatergeschichte weiß, mag daran interessiert sein. Für alle anderen eine Zeitverschwendung, die nach Wien noch bis 2017 auf Tournee geht. (Bis 28.3.)

Nicht mehr zu sehen ist inzwischen leider die exzellente Schau über den Wiener Kreis mit dem treffenden Untertitel Exaktes Denken am Rande des Untergangs. Veranstaltet von der Universität Wien war sie die beste geistesgeschichtliche Ausstellung, die ich bisher sah. Das lag an der intelligenten Kombination von an Schnüren herunter hängenden Texttafeln mit Videos und zahlreichem Quellenmaterial. Sie beleuchtet den Wiener Kreis und das Umfeld auch aus unterschiedlichen Perspektiven von den Vorläufern bis hin zu literarischen Sympathisanten.

Die für mich mit Abstand beste Ausstellung ist derzeit im Kunsthistorischen Museum zu sehen, nämlich die erste Werkschau von Joseph Cornell in Österreich. Meine Faszination mag daran liegen, dass ich den in den USA sehr geschätzten Cornell bisher so gut wie gar nicht kannte. Seine Collagen und Assemblagen sind hochgradig anspielungsreich und zum Nachdenken anregend. Außerdem handwerklich (im wörtlichen Sinn) exzellent gemacht, speziell seine beziehungsreichen Schaukästen. Selten hört man auch einen so engagierte Audioguide, den man unbedingt verwenden muss. Der Kurator erklärt dort mit einem ansteckenden Enthusiasmus Leben & Werk Cornells. (Bis 10.1.)

Der Ring. Pionierjahre einer Prachtstraße

Wien Museum 26.7. 2015

Neben der Ausstellung im Jüdischen Museum kann man sich auch im Wien Museum über die 150 Jahre alte Ringstraße informieren. Diese Schau setzt auf eine kluge Mischung zwischen Chronologie und einer thematischen Herangehensweise. Während am Fußboden Jahreszahlen den historischen Verlauf signalisieren, konzentrieren sich die virtuellen Räume auf unterschiedliche Aspekte. Besonders beeindruckend durch die vielen vorhandenen Pläne wird die Planungsphase dokumentiert. Man kann sich auch über das Wien vor diesem riesigen Umbau ein gutes Bild machen, wozu auch das Wienmodell der Dauerausstellung einen wesentlichen Beitrag leistet, das gut in die Sonderausstellung eingebettet wurde. Für mich war natürlich der Bereich über den Bau der Staatsoper besonders interessant.

Didaktisch hätte man den Besucher sicher noch etwas besser an die Hand nehmen können. Wer sich aber mit Geduld auf die Exponate einlässt und das genauere Studium von Plänen nicht scheut, wird viel Neues erfahren.

(Bis 4.10.)

Rembrandt – Tizian – Bellotto: Eine Mogelpackung

Winterpalais 26.7. 2015

Große Künstlernamen ziehen bekanntlich Zuschauermassen an, weshalb Museen gerne Blockbuster-Ausstellungen veranstalten. Diese sind ausgesprochen aufwändig und teuer zu organisieren. Das geht auch anders, dachte man sich wohl im Belvedere. In Wahrheit gibt es nämlich von den namensgebenden Künstlern im Winterpalais nur wenig zu sehen. Tiefpunkt dieser Mogelpackung ist Rembrandt, von dem genau ein einziges Bild (!) zu finden ist, das nicht einmal ihm persönlich, sondern seinem Umkreis zugeschrieben wird.

Dabei ist die Grundidee, der mit Geist und Glanz der Dresdner Gemäldegalerie untertitelten Schau eine erfreuliche: Man will Meisterwerke eines anderen prominenten Museums zugänglich machen. Es sind denn auch einige hochkarätige Bilder dabei, wie Tizians Dame in Weiß. Die Beleuchtungsverhältnisse sind – zumindest bei meinem Besuch heute – allerdings oft nicht optimal. Die Deckenlampen spiegeln sich an so mancher Schutzglasscheibe. Wer nicht auch die tollen Barockräumlichkeiten des Winterpalais sehen will, kann sich diese Ausstellung wirklich sparen. Es finden sich bessere Bilder jeglicher Kategorie im Kunsthistorischen Museum.
(Bis 8.11.)

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(5. Januar 2013)

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