Empfehlungen

123

Empfehlungen: Neue Zürcher Zeitung

Mit dieser Notiz beginne ich eine kleine Reihe mit Hinweisen auf intellektuell hochwertige „Entitäten“, die hoffentlich eine kleine Schneise in die Fülle von Durchschnittserzeugnissen schlagen können.
Die NZZ verdient meines Erachtens das Prädikat „beste deutschsprachige Zeitung“. Die internationale Ausgabe begleitet(e) mich nun eine Reihe von Jahren. Im Vergleich zur FAZ und SZ ist sie weniger umfangreich, was für jemanden mit einem beschränkten Zeitbudget aber vorteilhaft ist.
Ihren Ruf verdankt diese Zeitung vor allem der internationalen Berichterstattung und dem Feuilleton. Sie leistet sich ein großes Netz an Auslandskorrespondenten, die nicht nur kompetent über ihre Länder berichten, sondern auch einen sehr angenehmen Stil pflegen. Ein Grund, warum ich diese Korrespondentenberichte so gerne lese, verstößt eigentlich gegen einen eisernen Grundsatz des Qualitätsjournalismus: Es ist die subjektive Perspektive. Anstatt in trockener Nachrichtenagenturprosa zu schwelgen, sind die Texte pointiert geschrieben. Die eigene Persönlichkeit und Meinung des Korrespondenten ist in jedem Artikel präsent. Ironische und manchmal sogar leicht zynische Sätze sind keine Seltenheit. Kombiniert ist diese Schreibe mit einer meist sehr skeptischen Perspektive. Ein Beispiel: Der Europaparlament-Report über die geheimen CIA Flüge und Gefängnisse. Während in fast allen Zeitungen (berechtigte) Empörung herrschte, wies der Pariser NZZ Korrespondent auf die extrem dünne Faktenlage des Reports hin. Erwähnt sei noch, dass regelmäßig auch über diejenigen Weltgegenden berichtet wird, die nicht immer im Mittelpunkt des Medieninteresses stehen (z.B. Zentralafrika).

Das Feuilleton ist sehr solide, wenn auch weniger umfangreich als noch vor ein paar Jahren. Herausragend sind hier die Vielzahl der Rezensionen auch entlegenere Bücher und die Wochenendbeilage „Literatur und Kunst“. Die Themenschwerpunkte werden auf einem für eine Zeitung ungewöhnlich hohen Niveau behandelt, hier liegen selbst FAZ und SZ weit abgeschlagen auf den hinteren Plätzen. Die Berichterstattung über (Natur)wissenschaft und Medien ist ebenfalls erfreulich. Wer mag, kann sich mit einem kostenlosen Probe-Abonnement selbst eine Meinung bilden.

Bibliomane Betrachtungen (4)

    Ohne Bücher bleibt die Geschichte stumm, die Literatur sprachlos, die Wissenschaft verkrüppelt, das Denken kommt zum Stillstand, Bücher sind Zeugen des Wandels, Fenster zur Welt, sie sind Banken des Geistes, Bücher sind gedruckte Humanität.
    (Barbara Tuchmann)

Bezüglich der von mir gelobten historischen Differenz bei Klassikern wies mich ein Freund berechtigterweise darauf hin, dass es bei der Gegenwartsliteratur als Ausgleich eine kulturelle Differenz gäbe. Wie könnte man andere Kulturen, seien sie uns näher wie die amerikanische oder ferner wie die arabische, besser verstehen lernen als durch ihre Literatur?
Dem kann ich nicht widersprechen. Ein Teil meiner Reisevorbereitungen besteht immer auch aus literarischer Lektüre, um mich auf andere Kulturen vorzubereiten. Ein Leser Nagib Machfus‘ wird Ägypten ebenso besser verstehen, wie ein Kenner der Romane John Updikes die amerikanische Provinz. Wobei die beiden wohl schon das Prädikat „Klassiker“ verdienen, allerdings dachte ich bei historischer Differenz an deutlich ältere Büchern (Antike bis frühe Neuzeit).
Eine punktuelle Lektüre in diese Richtung ändert aber nichts an meinem Gesamteindruck, dass die Lektüre der großen Alten in Summe einen größeren Mehrwert hat. Die Umsetzung dieser Erkenntnis in die Praxis war hier unschwer zu übersehen. So beschäftigte ich mich in den letzten Jahren ausführlich (lange) mit Augustinus Gottesstaat, mit Dantes Göttlicher Komödie, mit Thukydides‘ Peloponnesischen Krieg, um nur ein paar Beispiele zu nennen. Gegenwärtig stehen Montaignes „Essais“ auf dem Programm.
Mich nun sukzessiv aufmerksam durch diese alten Bücher zu bewegen, erscheint mir eine sehr reizvolle Aussicht zu sein. Ich bin aber davon überzeugt, dass man sich mit einer Auswahl von ihnen immer wieder beschäftigen sollte. Sie verdienen es, regelmäßig aus dem Regal genommen zu werden. Dabei ist es gar nicht notwendig, immer den kompletten Text zu lesen. Ein paar Gesänge des Dante oder einige Kapitel aus dem „Don Quijote“ reichen manchmal aus, damit das Werk wieder präsent ist. Aus zeitlichen Gründen muss man leider eine vergleichsweise enge Auswahl treffen. In meinem Fall haben sich bisher folgende Bücher als dauerhafte Begleiter bewährt:

Das sind, ohne Anspruch auf Vollständigkeit, derzeit die Bücher, welche ich regelmäßig in die Hand nehmen und immer wieder einmal lesen werde.
Weil obige Liste keine naturwissenschaftlichen Bücher beeinhaltet, möchte ich betonen, dass sie in meinem Klassikerverständnis enthalten sind. Galilei, Newton, Darwin sind natürlich unverzichtbar. Auszüge aus vielen davon las ich bereits, eine systematischere Lektüre ist geplant.

Teil 5

Ausgezeichnete philosophische und germanistische Bücher

Hier habe ich eine Reihe von germanistischen und philosophischen Büchern aufgelistet und kommentiert, deren Lektüre ich für besonders gewinnbringend halte. Inzwischen sind alle Titel auch verlinkt, soweit sie noch lieferbar sind.

Praktizierte Aufklärung (1): Sceptical Inquirer

Großen Respekt habe ich vor Wissenschaftlern und Publizisten, die sich mit großem Aufwand an Zeit mit dem Aberglauben der Gegenwart auseinandersetzen. Sind doch Energiefelder, Ufos, Wunderheilmethoden, pyramidenbauende Marsmenschen etc. wie alle Fantasieprodukte schnell erfunden und vermarktet. Diese kreativen Geistesemanationen jedoch mit den Methoden der modernen Wissenschaft und philosophischen Kritik zu untersuchen, bedarf viel Zeit und auch Geld.

Der „Sceptical Inquirer“ ist die wichtigste Zeitschrift dieser rationalen Idealisten und berichtet ausführlich aus kritischer Perspektive über New Age & Co. Ein Jahresabo ist mit knapp 20$ wohlfeil zu haben.

In der aktuellen Onlineausgabe berichtet Karla McLaren, eine ehemals profilierte New Age Enthusiastin und Buchautorin, über ihre Schwierigkeiten, sich aus ihrer fantastischen Geisterwelt zu lösen. Sie habe während ihrer Ausbildung kritisches Denken schlicht nicht gelernt:

In that period, it would have been wonderful to come upon skeptical and critical thinking techniques, but alas, critical thinking wasn’t taught in my high school. I didn’t even know the category existed! When I went to junior college, I took geometry and logic for my critical thinking courses and thus I missed out on the subject once again. In my education, I didn’t gain the skills I needed to help me understand what was occurring when New Age and metaphysical ideas and techniques seemed to work. My empirical experience „proved“ the validity of things like psychic skills, auras, chakras, contact with the dead, astrology, and the like – and I had very little in my intellectual arsenal at that time to help me understand what was truly occurring.

Es würde auch in europäischen Gymnasien nicht schaden, erste Ansätze von Logik, Erkenntnis- und Wissenschaftstheorie zu vermitteln, um zumindest einige populäre, aber falsche „Beweistheorien“ (wie ungültige Induktionsschlüsse aus minimaler Datenbasis oder Schein-Kausalitätszuordnungen) zu erkennen. Selbst auf Akademiker treffe ich immer wieder, die kaum in der Lage sind, anzugeben, wie (und aufgrund welcher Kriterien) sich eine wissenschaftliche Theorie von einem Zeitschriftenhoroskop unterscheidet.

Außerdem noch zu lesen: Der Anästhesit G.M. Woerle erläutert, dass sich „Todesnaherfahrungen“ hervorragend ohne Zuhilfenahme göttlichen Beistands durch Sauerstoffmangel während des Sterbens erklären lassen. B.D. Gildenberg berichtet über das streng geheimes Skyhook Programm nach dem 2. Weltkrieg. Im Rahmen dieses Programms wurden riesige Ballone auf weite Reisen durch die USA geschickt, deren Flugbahn auffallend oft denen außerirdischer Touristen entsprach.

123
  • RSS Feed for Posts
  • RSS Feed for Comments
  • Twitter
  • XING

Aktuell in Arbeit

„Die Presse“ meint:

"Aber das Internet ist nicht schuld daran, dass Zeitungen reihenweise ihre Literaturseiten „gesundschrumpfen“. Vielmehr hat es das Monopol der traditionellen Medien auf seriöse Literaturkritik gebrochen. Blogs wie die „Notizen“ des promovierten österreichischen Literaturwissenschaftlers Christian Köllerer (koellerer.net) zeigen: Es gibt genug Qualität, man muss sie nur suchen."
(5. Januar 2013)

Kategorien

Tweets