Bibliomanie

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New York Review of Books: Buchreihen

Regelmäßige Leser kennen mein Faible für die New York Review of Books, die ich für die beste akademisch-allgemeinbildende Zeitschrift der Welt halte.

Weniger bekannt ist vermutlich, dass die NYRB auch Buchreihen herausgibt. Eine Übersicht über die Buchreihen findet man auf der Webseite. Meine besondere Empfehlung gilt natürlich den NYRB Classics. Anlass dieser Notiz ist aber die neue NYRB Lit, welche sich zum Ziel setzt, gute, aber „vernachlässigte“ Literatur zu publizieren, die mehr Aufmerksamkeit verdient. Schön auch, dass unter den ersten Titeln ein Roman von Markus Werner ist.

Bibliomane John Sutherland

John Sutherland kam mir erst kürzlich unter, obwohl er in englischsprachigen Literaturzirkeln offenbar ziemlich bekannt ist. Nach allem, was ich bisher las, scheint er mir eine Art englischer Rolf Vollmann zu sein, der jede Menge Bücher über Bücher schrieb.

In der aktuellen New York Review of Books wird sein jüngstes Werk besprochen, genauer: verrissen, das sich unter dem Titel Lives of the Novelists: A History of Fiction in 294 Lives vielen angelsächsischen Autoren annimmt.

Rezensent Robert Gottlieb lässt allerdings kaum ein gutes Haar an dem Buch, wie schon der Beginn seiner Kritik deutlich macht:

It’s hard to say which are more remarkable, the inflated ambitions of this enormous book, its actual achievements, or the perversities with which the author has undermined them. An admired academic—Emeritus Lord Northcliffe Professor of Modern English Literature at University College London and former longtime faculty member at the California Institute of Technology—and a widely read literary journalist, John Sutherland has set out to give us the Lives of the Novelists (English-language novelists, that is). Or as he puts it in his subtitle, “A History of Fiction in 294 Lives.” The self-congratulatory nod to Samuel Johnson’s magnificent Lives of the English Poets is as embarrassing as it is presumptuous.

Weitere bibliomane Bücher John Sutherlands:

Love, Sex, Death & Words: Surprising Tales from a Year in Literature

Bestsellers: A Very Short Introduction

Dickens Dictionary

50 Literature Ideas You Really Need to Know

How Literature Works: 50 Key Concepts

Der Harvard Book Store wird zur Druckerei

Traditionelle Buchhandlungen tun sich mit der aktuellen Entwicklung rund um Ebooks schwer. Speziell in den USA steigt der Umsatzanteil bei Ebooks rasant. Das geht natürlich auf Kosten der klassischen Buchhandlung. Der Harvard Book Store geht deshalb neue Wege bietet einen Buchdruckservice an. Mehr als 3 Millionen Titel können innerhalb weniger Minuten direkt in der Buchhandlung gedruckt werden. Wie das funktioniert, kann man sich auf You Tube ansehen: Video 1 und Video 2.

Retro Library Posters

Eine sehr hübsche Sammlung von amerikanischen Bibliotheksplakaten aus den sechziger Jahren ist auf Flickr zu finden.

Julian Barnes als Bibliophiler

In einem ausführlichen Artikel für den Guardian, My Life as a Bibliophile erläutert Julian Barnes ausführlich seine Beziehung zu Büchern:

I became a bit less of a book-collector (or, perhaps, book-fetishist) after I published my first novel. Perhaps, at some subconscious level, I decided that since I was now producing my own first editions, I needed other people’s less. I even started to sell books, which once would have seemed inconceivable. Not that this slowed my rate of acquisition: I still buy books faster than I can read them. But again, this feels completely normal: how weird it would be to have around you only as many books as you have time to read in the rest of your life. And I remain deeply attached to the physical book and the physical bookshop.

The current pressures on both are enormous. My last novel would have cost you £12.99 in a bookshop, about half that (plus postage) online, and a mere £4.79 as a Kindle download. The economics seem unanswerable. Yet, fortunately, economics have never entirely controlled either reading or book-buying. John Updike, towards the end of his life, became pessimistic about the future of the printed book:

For who, in that unthinkable future
When I am dead, will read? The printed page
Was just a half-millennium’s brief wonder …

I am more optimistic, both about reading and about books. There will always be non-readers, bad readers, lazy readers – there always were. Reading is a majority skill but a minority art. Yet nothing can replace the exact, complicated, subtle communion between absent author and entranced, present reader. Nor do I think the e-reader will ever completely supplant the physical book – even if it does so numerically. Every book feels and looks different in your hands; every Kindle download feels and looks exactly the same (though perhaps the e-reader will one day contain a „smell“ function, which you will click to make your electronic Dickens novel suddenly reek of damp paper, fox marks and nicotine).

Die feinen Unterschiede

[Aufmacher des von mir 1999 herausgegebenen Dossiers Literatur und Internet in Literatur und Kritik Nr. 339/340 (November 1999). Bisher als Notiz nicht verfügbar und deshalb reanimiert.]

Über das Verhältnis von Literatur und Netzliteratur

I.

Neue Medien waren immer schon ein dankbarer Spielplatz für unterbeschäftigte Theoretiker. So ist es nicht verwunderlich, daß sich auch das Internet großer theoretischer Aufmerksamkeit erfreut. Manche Denker prophezeien sogar ein neues Zeitalter, dessen Innovationen kaum einen Bereich des menschlichen Lebens unberührt lassen werden. Wie dieses Zeitalter aussehen wird, darüber gehen die Meinungen auseinander. Die Spannweite jedoch ist groß: Sie reicht von technofaschistoider Euphorie bis zu kulturpessimistischen Geisteshaltungen. Spiegelbildlich wiederholt sich diese Debatte in diversen (sub)kulturellen Nischen des Internet, von denen eine die der Netzliteratur ist: Begeisterte Anhänger der neuen ästhetischen Möglichkeiten stehen jenen gegenüber, die den Untergang der Literatur prognostizieren. Bevor man solche weitreichenden Spekulationen anstellt, sollte aber erst einmal geklärt werden, ob und inwiefern sich Netzliteratur von „normaler“ Literatur unterscheidet. Dieser Frage sind die folgenden Überlegungen gewidmet.

Auffallend viele ästhetische Überlegungen, die sich mit Kunst und Literatur im Internet beschäftigen, greifen auf postmoderne Theoriekonzepte zurück. Poststrukturalistische Denker sehen im Cyberspace ihre abstrakten Begriffe Wirklichkeit werden und befassen sich ausführlich mit „rhizomatischen“ virtuellen Strukturen. Aus postmoderner Perspektive nähert sich auch Walter Grond in seinem jüngsten Buch, Der Erzähler und der Cyberspace (1), diesem Thema. Auf 160 Seiten läßt er kaum etwas aus, was in den letzten 25 Jahren zur theoretischen Avantgarde gezählt worden ist (Dekonstruktion, Postkolonialismus, Popkultur, Foucault, Cyberpunk …). Viele seiner Thesen sind jedoch wenig überzeugend, beispielsweise wenn er behauptet, daß der Cyberspace einen revolutionären Kulturwandel bezeichnet, „indem die Netzwerke die Wahrheit in Bruchstücke zerlegen“ (S. 33). Der Wahrheitsbegriff an sich ist mit einer postmodernen Erkenntnistheorie unvereinbar, weil man etwas, dessen Existenz man grundsätzlich bestreitet, schwerlich in Bruchstücke zerlegen kann. Von einer absoluten Wahrheit ist in der Philosophie und sogar in großen Teilen der Naturwissenschaft seit vielen Jahrzehnten kaum mehr die Rede: der revolutionäre Pathos läuft deshalb ins Leere. Die Stichhaltigkeit von Gronds literaturtheoretischen Überlegungen läßt sich ebenfalls bezweifeln, etwa wenn er den „Hypertext“ mit Hilfe der schillernden Schrifttheorie Derridas erläutern will: „Einen ersten Text, der die Welt begründet hätte, gibt es nicht; der Ursprung ist leer. Das Buch und mit ihm die Welt, die alle anderen Bücher – und Welten – enthält und zugleich Offenbarung ist, bleibt ein Gerücht. Es gibt also keinen Ausweg aus den Texten. Sie sind bodenlos und notwendig […]“ (S. 93). Selbst wenn man die tiefsinnige Frage offen läßt, warum die Welt partout durch einen Text begründet werden soll, ist der Schluß von „Es gibt keinen ersten Text“ zu „Es gibt keinen Ausweg aus den Texten“ logisch nicht nachvollziehbar. Trotzdem entspricht diese Texttheorie „als Rahmen durchaus dem Hypertext; das elektronische Buch ist aber nicht nur von endloser Länge, sondern hat auch Seiten, die endlos ineinander verschachtelt sind.“ (S. 93) Letzteres ist empirisch widerlegbar, selbstverständlich gibt es viele Hypertexte, die von endlicher Länge und nicht endlos verschachtelt sind.

Die mangelnde Überzeugungskraft von Gronds Analysen (2) hängt eng mit seinen metatheoretischen Vorstellungen zusammen. Seiner Auffassung nach kann in einer computergestützten Umgebung keine totale Antwort auf die Frage nach dem Wesen der Dichtung mehr gefunden werden. Ließe sich eine solche Antwort aber in einer computerfreien Umgebung finden? Grond meint vermutlich, daß Netzliteratur einen zu hohen Komplexitätsgrad erreicht habe, als daß man noch eine plausible Literaturtheorie entwerfen könne. Dagegen kann man aber einerseits einwenden, daß es „analoge“ Werke wie Joyces Finnegans Wake gibt, die komplexer sind als fast alle Werke der Netzliteratur. Andererseits liegt diesem Gedankengang eine Verwechslung von Objekt- und Metaebene zugrunde. Ein vieldeutiger, komplexer Gegenstandsbereich schließt eindeutige theoretische Aussagen über ihn keineswegs aus.

II.

Wenn postmoderne ästhetische Konzepte nur wenig Konkretes zum Verständnis von Netzliteratur beitragen können, gilt es nach Alternativen Ausschau zu halten. Im folgenden soll deshalb der Versuch unternommen werden, aus der Perspektive der analytischen Ästhetik den Unterschied zwischen „traditioneller“ Literatur und ihren virtuellen Nachfolgern zu eruieren. Werke der Netzliteratur müssen die neuen ästhetischen Möglichkeiten des Mediums nutzen, ansonsten spricht man besser von Literatur im Netz, die beispielsweise im Internet abrufbare Klassiker umfaßt.

Ein literarisches Werk läßt sich auf der abstraktesten ästhetischen Ebene als ästhetischer Gegenstand analysieren, wobei mit „Gegenstand“ die allgemeinste ontologische Kategorie gemeint ist. Das gilt sowohl für alle klassischen Werke der Weltliteratur als auch für die meisten modernen Publikationen, wenn man einige avantgardistische Konzepte aus heuristischen Gründen ausklammert. Für das philosophische Verständnis von Kunstwerken hat es sich als hilfreich erwiesen, das Werk als abstrakte Entität (type) von seinen jeweiligen materiellen Manifestationen (token) zu unterscheiden. Nach dieser Terminologie ist beispielsweise die achte Symphonie von Schostakowitsch als solche ein type, während es sich bei den im Umlauf befindlichen Partituren jeweils um ein token handelt. Auch für die Literatur ist diese Unterscheidung theoretisch bedeutsam, denn sonst gäbe es ein literarisches Werk nicht nur einmal, sondern mehrfach, also nicht nur einen Hamlet, sondern unzählige „Hamlets“, weil es unzählige Bücher mit Hamlet gibt: offenkundig eine unsinnige Annahme. Um Literatur nun von anderen Kunstformen zu unterscheiden, nehmen die meisten Literaturtheorien noch das Prädikat „sprachlich“ hinzu. Außerdem werden komplexe Strukturen postuliert, die auf den verschiedensten Ebenen interagieren. Ein literarisches Werk wäre demnach ein komplex strukturierter sprachlicher ästhetischer Gegenstand.

Untersucht man Netzliteratur nach dem selben Prinzip, stellt man schnell fest, daß der Unterschied zur „normalen“ Literatur auf dieser theoretischen Ebene nur minimal ist, handelt es sich doch ebenfalls um einen ästhetischen Gegenstand, der komplex strukturiert ist. Die „Partitur“ dieser Struktur ist nun aber kein Buch: Das Papier als materielles wird durch ein digitales Trägermedium ersetzt. Dies bringt vielfältige Konsequenzen für Produktion, Rezeption und Vermittlung mit sich. Festzuhalten ist aber an dieser Stelle, das Literatur und Netzliteratur ästhetisch mehr Gemeinsamkeiten aufweisen, als gemeinhin angenommen wird. Die oft zu vernehmende pathetische Abgrenzungsrhetorik ist deshalb auf beiden Seiten unangebracht. Statt ästhetische Fronten zu errichten, die desto brüchiger werden, je abstrakter die ästhetische Analyseebene ist, sollte man Gemeinsamkeiten und Unterschiede leidenschaftslos untersuchen.

Die Kardinalfrage bezüglich der Abgrenzung zwischen Netzliteratur und ihrem analogen Vorläufer betrifft die Sprachlichkeit. Soll man das Prädikat „sprachlich“ zur ästhetischen Begriffsbestimmung hinzunehmen? Auf den ersten Blick scheint die Antwort klar zu sein: Virtuelle Werke greifen oft auf nicht-sprachliche Elemente zurück – das Schlagwort lautet „Multimedia“ -, eine Einschränkung auf den sprachlichen Bereich erscheint unangebracht. Verzichtet man jedoch auf diese Charakterisierung, besteht die Gefahr, daß der Begriff Netzliteratur die Trennschärfe verliert, die theoretisch notwendig ist, um semantische Beliebigkeit zu vermeiden. Wieso dann überhaupt noch von „Literatur“ reden, und nicht gleich von Netzkunst? „Literatur“ wäre bestenfalls eine vage Metapher, und es stünde der Verdacht im Raum, das kulturelle Prestige der Literatur solle für literaturfremde Anliegen zweckentfremdet werden. Deshalb ist es sinnvoll, zumindest in einer modifizierten Form an Sprachlichkeit als Kriterium für Netzliteratur festzuhalten, wobei Audioelemente eingeschlossen sind. Ein Werk der Netzliteratur wäre demnach ein komplex strukturierter überwiegend sprachlicher ästhetischer Gegenstand.

III.

Wenn es für die ästhetische Konzeption unerheblich wäre, ob und inwiefern ein Werk sprachlich ist, führte das schnell zu literaturfernen Vorstellungen. Daß es sich dabei um keine spekulativen Annahmen handelt, zeigt ein vielbeachtetes Buch von Janet H. Murray, die am Massachusetts Institute of Technology ein Projekt über „Advanced Interactive Narrative Technology“ geleitet hat. Unter dem Titel Hamlet on the Holodeck. The Future of Narrative in Cyberspace (3) entwirft sie ein virtuelles Zukunftsszenario, in dem Literatur nur noch eine marginale Rolle spielt. Ihrer Auffassung nach wird nämlich nicht der Hypertext (in welcher konkreten Ausformung auch immer) das narrative Element des neuen Mediums beherrschen, sondern Simulationen. Damit meint sie virtuelle Landschaften, in denen der „Leser“ in gewissen Grenzen selbst aktiv werden kann. Man kann sich das als eine Fortentwicklung bestimmter Genres von Computerspielen vorstellen, freilich auf einem wesentlich höheren Niveau. Anstatt vergleichsweise primitive Kampf- oder wenig relevante Rätselaufgaben zu lösen, könnte der „Spieler“ in einem komplex organisierten Handlungsrahmen beispielsweise vor schwierige moralische Entscheidungsprobleme gestellt werden. Das hätte mit Lesen im herkömmlichen Sinn offenbar nicht mehr viel gemein. Als mediale Vergleichsgrößen scheinen in diesem Szenario eher Fernsehen und Kino in Frage zu kommen. Vorläufer dieser neuen Form der Narration sieht Murray konsequenterweise weniger in literarischen Werken der Moderne, sondern in dreidimensionalen Filmprojektionen oder PC-Spielen.

Wer sich nun die Frage stellt, inwieweit dieses Zukunftsszenario ästhetisch an die Literatur anknüpfen kann, wird in dem ausführlichen zweiten Teil des Buches, The Aesthetics of the Medium, keine befriedigenden Antworten finden. Die drei Schlüsselbegriffe lauten nämlich Eintauchen (Immersion), Interaktivität (Agency) und Transformation (Transformation). Aber schon das erste dieser drei Kriterien für erfolgreiches „Erzählen“ mutet aus dem Blickwinkel der literarischen Ästhetik vormodern an: Das Eintauchen-Können in eine fiktive Welt mag überlebenswichtig für Produkte der Unterhaltungsindustrie sein, sagt aber sicher nichts über die Qualität von Literatur aus. Das gilt auch für das interaktive Element, welches zwar häufig eine wichtige Eigenschaft von Netzliteratur ist, aber nicht notwendigerweise eine ästhetische. Mit „Transformation“ bezeichnet Murray eine Vielzahl von unterschiedlichen Phänomenen, beispielsweise die Möglichkeit, in virtuellen Welten verschiedene Rollen anzunehmen oder verschiedene Handlungsvarianten durchzuspielen. Ist man mit diesen „ästhetischen“ Grundlagen vertraut, wird man nicht mehr davon überrascht, daß die Autorin die Zukunft des digitalen Erzählens in einer Synthese von virtueller Simulation und dem Fernsehen sieht: „The more closely the new home digital medium is wedded to television, the more likely it will be that its major form of storytelling will be the serial drama.“ (S. 254) Schlüsselbegriffe sind hier „web soap“, „hyperserial“ und „cyberdrama“.

Sollte Murray mit ihren breit rezipierten Prognosen recht behalten, dann würde zwar eine neue Ära des elektronischen Entertainments eingeleitet, aber sicher keine neue Kunstform entstehen. Angesichts dieser Aussichten ist es nötig, am spezifisch Literarischen der Netzliteratur festzuhalten. Ein notwendiges Merkmal des Literarischen ist das Sprachliche, weshalb die Forderung berechtigt ist, von einem Werk der Netzliteratur nur dann zu sprechen, wenn es überwiegend sprachlich ist. Für alle anderen Kunstwerke im Netz bietet sich Netzkunst als Bezeichnung an.

IV.

Eine akzeptable Begriffsexplikation von ‚Netzliteratur‘ muß selbstverständlich noch um weitere Merkmale ergänzt werden: Ein Werk im Internet gehört genau dann zur Klasse der Netzliteratur, wenn es sich um einen überwiegend sprachlichen, komplex strukturierten ästhetischen Gegenstand handelt, auf den zusätzlich eines der folgenden Merkmale zutrifft: Er ist hypertextuell oder multimedial oder interaktiv.

[1] Walter Grond: Der Erzähler und der Cyberspace. Haymon Verlag, Innsbruck 199, 160 Seiten.

[2] Selbst Anhänger der Popkultur konnte er nicht von seinen Thesen überzeugen, wie man in der Rezension seines Buches nachlesen kann, die im Szenemagazin Testcard (Nr. 7; S. 270/271) erschienen ist.

[3] Janet M. Murray: Hamlet on the Holodeck. The Future of the Narrative in Cyberspace. MIT Press, Cambridge 1997, 324 Seiten.

Wer kauft Ebooks?

In der FAZ war ein aufschlussreicher Artikel Artikel zum Thema Buchhandel & Ebooks. Dem nach wäre ich der klassische Ebook-Leser:

Seit dem letzten Weihnachtsgeschäft, als Lesegeräte für elektronische Bücher (E-Reader) zu den beliebtesten Geschenken gehörten, spürt der Buchhandel einen starken Trend zum elektronischen Buch.

Dabei droht der Buchhandel durch diese Entwicklung gerade seine treuesten Kunden zu verlieren. In der gleichen Studie befragte die GfK 25.000 Verbraucher nach ihrem Nutzungsverhalten. Dabei zeigte sich, dass das elektronische Buch kaum neue Leser generiert, sondern dass ausgerechnet Vielleser vom Buch zum Lesegerät wechseln. Der durchschnittliche Käufer elektronischer Bücher ist entgegen landläufiger Erwartung auch nicht der junge Technikfreak, sondern der männliche Leser jenseits der 40 Jahre. Als Hauptgrund (96 Prozent) für ihren Wechsel zum elektronischen Buch gaben dessen Leser an, keinen Platz mehr für physische Bücher zu haben. Ein zweiter Grund war der niedrigere Preis für elektronische Bücher und der dritte Grund ist die Umweltfreundlichkeit (kein Papier) des elektronischen Buches.

Was soll man lesen?

Letzte Aktualisierung: 23. Juni 2013

Ab und an werde ich gefragt, welche aktuellen Printmedien ich lese bzw. wo ich mich online über aktuelle Geschehnisse auf dem Laufenden halte. Das grundlegende Dilemma dabei beginnt aber schon eine Stufe früher: Wie viel Lesezeit soll man überhaupt für Tagesaktualitäten investieren? Wäre die Lesezeit nicht optimaler verwendet, wenn man Bücher bzw. Klassiker läse? Dem entgegen entsteht der intellektuelle Anspruch, über das Weltgeschehen passabel informiert zu sein, weil mir ein Leben im Blindflug wenig erstrebenswert erscheint.

Während des Studiums war das kein Problem: Ich hatte genügend Zeit für Aktuelles und für Klassisches. Viele Jahre las ich jeden Tag ausführlich die Neue Zürcher Zeitung, phasenweise auch die FAZ, dessen Feuilleton- und Buchberichterstattung im deutschsprachigen Raum nach wie vor unerreicht ist. Auch Die Zeit vernachlässigte ich nicht, wobei ich sie bereits in den neunziger Jahren immer weniger las. Die New York Review of Books war bereits damals für mich am Wichtigsten. Auch das Times Literary Supplement (TLS) lag regelmäßig auf meinem Lesetisch.

Nach dem Studium las ich noch einige Jahre die NZZ weiter. Durch die zusätzlichen Angebote im Web war aber bald der Punkt erreicht, an dem ich für die klassische Zeitungslektüre keine Zeit mehr hatte bzw. für Buchlektüre kaum mehr etwas übrig geblieben wäre. Für das wöchentlich erschienene TLS war längst keine Zeit mehr.

Meine Printmediennutzung sieht nun so aus:

Als völlig unverzichtbar für die intellektuelle Grundversorgung erachte ich die seit 1996 abonnierte New York Review of Books. Was aktuelles Weltgeschehen angeht, fand ich bisher keine bessere Zeitschrift als den The Economist. Österreichische und Wiener Themen deckt der Falter hinreichend ab, ergänzt von der einen oder anderen Webseite.

Im Web nutze ich oft die Seiten meiner Lieblingsmedien, also die NYRB (und dessen Blog) sowie The Economist. Zusätzlich bin ich ein starker RSS-Nutzer. Diverse Newsquellen und Blogs lese ich vor allem auf diesem Weg. Was Technik-Neuigkeiten angeht, ist Tagesaktualität nur selten notwendig. Mein Abonnement der c’t versorgt mich zuverlässig mit allen Neuigkeiten.

Ossip Mandelstam über das Lesen

Sprechen wir über die Physiologie des Lesens. Ein reiches, unausgeschöpftes und anscheinend verbotenes Thema. Von allem Stofflichen, von allen physischen Körpern, flößt das Buch dem Menschen das größte Vertrauen ein. Das auf dem Lesepult festgemachte Buch wird der Leinwand gleich, die auf den Spannrahmen gezogen ist.
Wenn wir völlig von der Tätigkeit des Lesens umschlossen sind, genießen wir hauptsächlich unsere Gattungseigenschaften, erfahren gleichsam die Ekstase einer Klassifikation unserer Wachstumsstufen.
[Armenien, Armenien S. 83]

Das „Honesty-System“ der Buchsortierung

Tom Cox berichtet im The Guardian hübsch über seine jüngste Buchsortier-Aktion:

I reorganised my book collection a couple of weeks ago. I’d been meaning to do this for three or four years for a bunch of reasons, but mostly because I wanted to find a scheme where I didn’t get the constant sense that the worthy books I’d repeatedly chickened out of reading were getting together to look down their noses and whisper about me. The task took a couple of days in total, which might seem like a long time, but was perhaps only to be expected for a job I’d convinced myself was tantamount to reclassifying my own internal organs.

Wie meine Privatbibliothek geordnet ist, kann man in diesem Teil der Bibliomanen Betrachtungen nachlesen.

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Aktuell in Arbeit

„Die Presse“ meint:

"Aber das Internet ist nicht schuld daran, dass Zeitungen reihenweise ihre Literaturseiten „gesundschrumpfen“. Vielmehr hat es das Monopol der traditionellen Medien auf seriöse Literaturkritik gebrochen. Blogs wie die „Notizen“ des promovierten österreichischen Literaturwissenschaftlers Christian Köllerer (koellerer.net) zeigen: Es gibt genug Qualität, man muss sie nur suchen."
(5. Januar 2013)

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