Loveless (Nelyubov)

Filmcasino 8.4. 18

R 2017

Regie: Andrey Zvyagintsev

Seit Leviathan halte ich Andrey Zvyagintsev für einen spannenden Regisseur. Der Russe kombiniert einen schonungslosen Blick auf die Menschheit mit mutiger Kritik an der Politik in der Putin-Ära. In Loveless dominiert der erste Aspekt. Anhand eines Scheidungsdramas zeigt Zvyagintsev die emotionale Zerstörung einer Familie der oberen Mittelschicht. Der ungeliebte zwölfjährige Sohn bekommt diesen Streit mit und verschwindet plötzlich. Der überwiegende Teil des Films zeigt die verzweifelte Suche nach dem Jungen. Sie wird von privaten Helfern organisiert, während die Polizei anfangs untätig bleibt. Ein Seitenhieb auf den Zustand russischer Behörden. Zwischendurch werden die beiden neuen Beziehungen des Ehepaars beleuchtet. Ich fühle mich manchmal an Ibsen, manchmal an Bergman erinnert.

Gleichzeitig wird man als Zuseher mit viel Zeitkritik konfrontiert. Das fängt mit dem ständigen Spielen aller Protagonisten mit ihren Smartphones an, geht über die religiöse Verlogenheit eines Arbeitgebers bis hin zur trostlosen urbanen Provinzstadt, in welcher diese traurige Geschichte erzählt wird. Formal setzt Zvyagintsev auf lange Einstellungen und eine dunkel blau-grün-grau gehaltene Farbpalette. Ein wunderbar kompromissloses und ästhetisch gelungenes Werk.

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„Die Presse“ meint:

"Aber das Internet ist nicht schuld daran, dass Zeitungen reihenweise ihre Literaturseiten „gesundschrumpfen“. Vielmehr hat es das Monopol der traditionellen Medien auf seriöse Literaturkritik gebrochen. Blogs wie die „Notizen“ des promovierten österreichischen Literaturwissenschaftlers Christian Köllerer (koellerer.net) zeigen: Es gibt genug Qualität, man muss sie nur suchen."
(5. Januar 2013)

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