Ausstellungen in Wien

Buchstäblich am letzten Tag sehe ich mir im 21er Haus noch die neuen Werke des Erwin Wurm an. Seine performativen Skulpturen sind im lichtdurchfluteten Erdgeschoss adäquat präsentiert. Etwas mehr Distanz zwischen den einzelnen Beiträgen hätte allerdings nicht geschadet. Die Ausstellung ist das Ende einer Trilogie, im Verlaufe derer sich Wurm mit der Skulptur als Form auseinandersetzt. Hier wurden viele der Skulpturen jedenfalls sehr rabiat behandelt: Man sieht nicht nur Fuß- und Knieabdrücke in diversen Ton-Arrangements. Einige der Werke scheinen auch überfahren worden zu sein. Ästhetisch durchaus Gedanken anregend. Mir persönlich sind seine ironisch-sarkastischen Werke, die sich unmittelbarer mit der Wirklichkeit auseinandersetzen allerdings lieber. Einige der Gezeigten fallen freilich auch unter diese Kategorie.

Hello, Robot. Design zwischen Mensch und Maschine im Museum für angewandte Kunst setzt sich im Rahmen der Vienna Biennale mit einem aktuellen Hypethema auseinander. Die Kuratoren nähern sich den Elektronikwesen aus unterschiedlichen Perspektiven an. So zeigen viele Ausstellungsstücke und Filmausschnitte den Umgang mit Robotern in der Populärkultur. Auch das beliebte Thema Industrie 4.0 und die Frage nach der Gefährlichkeit der AI kommt nicht zu kurz. Schließlich gibt es eine große Halle, in der sich diverse Künstler auf sehr unterschiedliche Art mit ihren Zukunftsvisionen beschäftigen. (Bis 1.10.)

Im Prunksaal der Nationalbibliothek beschäftigt man sich in bekannter Manier mit 300 Jahren Freimaurer. Die Schaukästen und Texte stellen die Bewegung einigermaßen chronologisch vor und beginnen mit der Gründung der ersten Loge in London. Anschließend wird die Ausbreitung in Europa und natürlich die Freimaurerei in Österreich ausführlich präsentiert. Auch die Gegner samt ihren Weltverschwörungstheorien kommen nicht zu kurz. Mir führt die geballte Ladung an Freimaurer-Devotionalien einmal mehr vor Augen, dass es sich in Wahrheit auch nur um eine von abstrusen Ritualen dominierte säkulare Religion handelt. Eine Grafik zeigt die unzähligen Hierarchiestufen der Mitglieder. Dagegen verblasst selbst der Hierarchieenthusiasmus des japanischen Kaiserhofs. (Bis 7.1.)

Während ich mir die Flut der Maria-Theresia-Jubiläumsausstellungen nach der mühsamen Reihe mit Franz Joseph spare, sehe ich mir doch Maria Theresia und die Kunst im Unteren Belvedere an. Die Kuratoren näheren sich dem Thema von zwei Seiten: Einerseits sind Porträts und Skulpturen der Kaiserin und ihrer Familie zu sehen. Hochwertige höfische Repräsentationskunst also. Andererseits dokumentieren zahlreiche Werke die Patronage Maria Theresias und geben damit einen interessanten sozialgeschichtlichen Einblick in die Kunstproduktion. Der Umbau des Belvedere‘, die Innengestaltung von Schönbrunn, aber auch Aufträge für Provinzstädte wie Innsbruck werden thematisiert. (Bis 5.11.)

Eine kleine, aber sehr feine Ausstellung zeigt das Papyrus Museum der Österreichischen Nationalbibliothek: Handschriften und Papyri: Wege des Wissens. Anhand ausgewählter Manuskriptfragmente und anhand einiger Handschriften kann man sich mit der Überlieferung unterschiedlicher Dokumentarten vertraut machen. Von antiken Klassikern wie Cicero über spannend zu lesende Privatbriefe bis hin zu Geschäftspost aus dem römischen Reich. Es wird auch korrekt darauf hingewiesen, wie wenig die Christen die antike Überlieferung eigentlich interessierte. Das populistische Gerede über das „christliche Europa“ wird ja mit solchen Details am besten widerlegt. Ohne die islamische Kultur wären Kernwerke der Antike nicht überliefert worden und ohne dieses antike Wissen hätte es das heutige Europa geistig so nie geben können. (Bis 14.1.)

Traurig stimmt der Besuch im Winterpalais, wo Jan III. Sobieski. Ein polnischer König in Wien auf dem Programm steht. Es ist nämlich die letzte Ausstellung, welche an diesem spektakulären Ort zu sehen sein wird. Ein großer Verlust für die Wiener Kulturwelt, nicht zuletzt weil die großartige Innenarchitektur des Stadtpalais von Prinz Eugen nicht mehr für die Öffentlichkeit zugänglich sein wird. Dieses Wissen hindert mich daran, mich voll auf die solide kuratierte Schau zu konzentrieren, welche den für die Wiener Geschichte wichtigen polnischen König anhand diverser Exponate vorstellt. (Bis 1.11.)

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„Die Presse“ meint:

"Aber das Internet ist nicht schuld daran, dass Zeitungen reihenweise ihre Literaturseiten „gesundschrumpfen“. Vielmehr hat es das Monopol der traditionellen Medien auf seriöse Literaturkritik gebrochen. Blogs wie die „Notizen“ des promovierten österreichischen Literaturwissenschaftlers Christian Köllerer (koellerer.net) zeigen: Es gibt genug Qualität, man muss sie nur suchen."
(5. Januar 2013)

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