Shakespeare: Sturm

Akademietheater 23.6. 17

Regie: Barbara Frey
Dramaturgie: Joachim Lux
Prospero: Johann Adam Oest
Caliban: Maria Happel
Ariel: Joachim Meyerhoff

Die zehnjährige Jubiläumsaufführung dieser Inszenierung wollte ich mir nicht entgehen lassen. Als ich sie zum ersten Mal sah, war ich bereits angetan. Dieser Eindruck bestätigt sich auch heute noch. Trotz der radikalen Kürzung des Textes funktioniert der Theaterabend gut, weil Johann Adam Oest als Prospero immer wieder einmal aus der Rolle fällt und die gekürzten Ereignisse als Erzähler zusammenfasst. Manchmal berichten auch die anderen Figuren vom Geschehen. Dass alle Protagonisten von nur drei (grandiosen!) Schauspielern gegeben werden, gibt der Inszenierung gleichzeitig ein witziges wie improvisiertes Element.

Der Sturm ist bekanntlich eines der eigenwilligsten Stücke Shakespeares. Die meisten seiner Dramen setzen auf eine spannende Dramaturgie, um die Besucher des Globe Theatre bei Laune zu halten. Ganz anders hier: Es ist fast von Anfang an klar, dass die auf der Insel gestrandeten Feinde Prosperos keine Chance gegen diesen magischen Superhelden haben werden. Deshalb bezieht der Text seine Faszination primär aus dem märchenhaften Setting, den „unmenschlichen“ Figuren (Ariel, Caliban) und der großartigen Sprache des späten Shakespeare.

Möge die Inszenierung noch lange auf dem Spielplan bleiben.

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„Die Presse“ meint:

"Aber das Internet ist nicht schuld daran, dass Zeitungen reihenweise ihre Literaturseiten „gesundschrumpfen“. Vielmehr hat es das Monopol der traditionellen Medien auf seriöse Literaturkritik gebrochen. Blogs wie die „Notizen“ des promovierten österreichischen Literaturwissenschaftlers Christian Köllerer (koellerer.net) zeigen: Es gibt genug Qualität, man muss sie nur suchen."
(5. Januar 2013)

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