Yale-Vorlesung über „Philosophy of Death“

Nach Don Quijote ist das nun die zweite Yale-Vorlesung, welche ich mir über You Tube ansehe. Professor Shelly Kagan versucht in 26 Vorlesungen seinen Studierenden unterschiedliche Perspektiven auf den Tod zu vermitteln. Jede Lecture dauert etwa fünfzig Minuten, und die erste ist überwiegend administrativen Angelegenheiten wie der Benotung gewidmet. Das Semester gliedert sich in unterschiedliche Schwerpunkte: Zu Beginn steht die Frage nach der möglichen Existenz einer Seele im Mittelpunkt, wobei Platons Argumente dafür ausführlich kritisch gewürdigt werden. Kagan lässt von Anfang an keinen Zweifel daran, dass er ein Physikalist ist, also die Existenz von Seelen für unplausibel hält. Trotzdem bringt er die Gegenpositionen ausführlich und so objektiv wie möglich vor. Danach erläutert der Professor unterschiedliche Theorien über persönliche Identität, bevor er sich mit der Natur des Todes näher beschäftigt. Das letzte Drittel der Vorlesungsreihe widmet sich anderen Aspekten des Todes, u.a. der ethischen Frage, unter welchen Umständen Suizid zulässig ist.

Was das Niveau angeht: Die Veranstaltung ist als Einführung in die Philosophie konzipiert, setzt also kein philosophisches Vorwissen voraus. Die große Stärke des Shelly Kagan ist sein Vortrag: Er spricht überwiegend frei und fesselnd. Man hört ihm gerne zu und die Vorlesungen haben durchaus auch einen Unterhaltungswert. Umgekehrt bedeutet das aber, den Studierenden wird hier keine zeitgemäße Methode des Philosophierens vermittelt, also kein rigides Handwerkszeug wie sie die formale Logik oder die analytische Philosophie anböte.

Wer jedoch zum Thema Tod an einem Überblick über das historische und zeitgenössische Denken interessiert ist, wird in den etwa zweiundzwanzig Videostunden viele wertvolle intellektuelle Anregungen gewinnen.

Shelly Kagan: Philosophy of Death. Open Yale Course (Video)

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„Die Presse“ meint:

"Aber das Internet ist nicht schuld daran, dass Zeitungen reihenweise ihre Literaturseiten „gesundschrumpfen“. Vielmehr hat es das Monopol der traditionellen Medien auf seriöse Literaturkritik gebrochen. Blogs wie die „Notizen“ des promovierten österreichischen Literaturwissenschaftlers Christian Köllerer (koellerer.net) zeigen: Es gibt genug Qualität, man muss sie nur suchen."
(5. Januar 2013)

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