Yale-Vorlesung über den „Don Quijote“

Kürzlich wies ich in Allgemeinbildung auf You Tube darauf hin, dass diese beliebte Videoplattform auch eine Fundgrube für hochwertiges Material ist. Unter den zahlreichen dort zu findenden Yale Courses interessiert mich einer besonders: Die vierundzwanzigstündige Vorlesung von Prof. Roberto González Echevarría über den Don Quijote. Warum ich das Buch besonders schätze, kann man in dieser Notiz nachlesen.

Zu sehen gibt es eine klassische, mitgefilmte Yale-Lehrveranstaltung samt Studenten. Zwei Dinge verblüffen mich: Erstens wurde keine der einzelnen Vorlesungen 6000 Mal angesehen, obwohl sie schon Jahre online sind. Die meisten bewegen sich zwischen 3000 und 4000 Views. Angesichts des riesigen You Tube Publikums und der Seherzahlen für andere Videos heißt das: Intellektuell hochwertige Gratisbildung wird kaum nachgefragt.

Zweitens bin ich – vermutlich naiverweise – über die Mittelmäßigkeit des Gebotenen überrascht. Yale fehlt ja in keinem Ranking der besten Hochschulen der Welt. Geboten wird zwar eine sachlich solide Information über den Klassiker, in Sachen Inspiration hätte ich von einer Top-Universität aber deutlich mehr erwartet. Echevarría stellt einige Male erhellende überraschende Bezüge her – etwa zur zeitgenössischen Malerei – beschränkt sich aber sonst auf einen chronologischen Lektürekommentar. Die von mir besuchten Literaturvorlesungen an der Universität Salzburg, die in jedem Top-Ranking fehlt, konnten mit diesem Niveau nicht nur mithalten: Viele von ihnen waren geistig deutlich anregender als was hier in Yale geboten wird.

Für Freunde der Weltliteratur sind diese vierundzwanzig Stunden trotzdem gut investiert.

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„Die Presse“ meint:

"Aber das Internet ist nicht schuld daran, dass Zeitungen reihenweise ihre Literaturseiten „gesundschrumpfen“. Vielmehr hat es das Monopol der traditionellen Medien auf seriöse Literaturkritik gebrochen. Blogs wie die „Notizen“ des promovierten österreichischen Literaturwissenschaftlers Christian Köllerer (koellerer.net) zeigen: Es gibt genug Qualität, man muss sie nur suchen."
(5. Januar 2013)

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