Maynard Solomon: Beethoven

Im Zuge einer intensiven Wiederbeschäftigung mit Beethoven las ich Solomons Biographie. Es hätte inzwischen neuere Lebensbeschreibungen gegeben, aber die Empfehlung kam von zuverlässiger Seite. In der Tat handelt es sich um eine sorgfältige, exzellent recherchierte Arbeit, die Beethovens zahlreiche dunkle Seiten nicht ausklammert. Wie die meisten großen Künstler, hatte der Komponist viele unsympathische Züge. So trieb er etwa seinen Neffen zu einem Selbstmordversuch, indem er ihn von seiner Mutter gerichtlich zwangsentfernen ließ, oder er gab sich implizit aus Eitelkeit immer als Adliger aus, obwohl davon keine Rede sein konnte. Dieses und noch vieles mehr bringt Solomon ausführlich zur Sprache.

Solomon analysiert Beethovens musikalische Entwicklung in separaten Kapiteln, was der Lesbarkeit sehr förderlich ist. Seine Ausführungen sind auch für Laien gut nachvollziehbar, ohne dass er formale Aspekte außer Acht ließe.

Einschränkend ist nur ergänzen, dass Solomon immer wieder die psychoanalytische Brille aufsetzt, wenn er gewisse Lebenssituation interpretiert. Dieser akademische Aberglaube schadet der Biographie aber nur bedingt, da sich deren Anwendung erfreulicherweise in Grenzen hält.

Maynard Solomon: Beethoven (Schirmer)

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„Die Presse“ meint:

"Aber das Internet ist nicht schuld daran, dass Zeitungen reihenweise ihre Literaturseiten „gesundschrumpfen“. Vielmehr hat es das Monopol der traditionellen Medien auf seriöse Literaturkritik gebrochen. Blogs wie die „Notizen“ des promovierten österreichischen Literaturwissenschaftlers Christian Köllerer (koellerer.net) zeigen: Es gibt genug Qualität, man muss sie nur suchen."
(5. Januar 2013)

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