Neue Klassiker-Übersetzungen

In der FAZ widmet sich Andreas Platthaus in Alter Kunstwerkmeister, steh uns bei! dem vom Carl Hanser Verlag ausgelösten Phänomen der vielen neuen Klassikerübersetzungen und zählt praktischerweise auch die Neuerscheinungen des Herbstes auf:

Edls Arbeit an Flauberts berühmtestem Roman, erschienen bei Hanser, Eva Hesses Lebensprojekt, die „Cantos“ von Ezra Pound ins Deutsche zu bringen (Arche), Alexander Nitzbergs Übersetzung von Bulgakows „Meister und Margerita“ (Galiani), Hemingways „Der alte Mann und das Meer“ in der Übertragung von Werner Schmitz (Rowohlt) und Nathanael Wests „Miss Lonely Hearts“ in der von Dieter E. Zimmer (Manesse). Und das ist nur ein Teil der Flut solcher Neuübersetzungen. Rathjens Version von „Ein Porträt des Künstlers als junger Mann“, Gontscharows „Oblomow“ von Vera Bischitzky (Hanser), Faulkners „Als ich im Sterben lag“ von Maria Carlsson (Rowohlt) oder Virginia Woolfs „Orlando“ von Melanie Walz (Suhrkamp) stammen gleichfalls aus diesem Jahr. Alle haben sie große Begeisterung ausgelöst.

Da verzeihen wir ihm doch, dass er uns Bildungsbürger für so leicht durchschaubar hält:

Und sie verkaufen sich gut. Der neue „Oblomow“ etwa ist kein billiges Buch; es kostet 34,90 Euro, ältere Übersetzungen des umfangreichen Werks gibt es schon für weniger als zehn, von preisgünstigen Angeboten in Antiquariaten ganz zu schweigen. Aber der Hanser Verlag, dem wir den neuen Trend verdanken (und auch große Teile seines Erfolgs), seit er vor zwölf Jahren Burkhard Kroebers Übertragung von Alessandro Manzonis „IPromessi Sposi“ herausbrachte und damit nicht nur den literarischen Anspruch, sondern auch sein bis heute gültiges Erscheinungsbild für die Klassiker-Neuübersetzungen festlegte – Dünndruck, Leineneinband, Fadenbindung, handliches Format, verstärkter Schutzumschlag -, hat richtig darauf spekuliert, dass sich qualitätsvoll produzierte Bücher gerade in Zeiten der wachsenden Konkurrenz durch elektronische Publikationen beim avisierten Publikum durchsetzen. Dieses Publikum ist ein bildungsbürgerliches, und man darf es in diesem Fall beruhigend nennen, dass es offenbar so leicht auszurechnen ist.

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„Die Presse“ meint:

"Aber das Internet ist nicht schuld daran, dass Zeitungen reihenweise ihre Literaturseiten „gesundschrumpfen“. Vielmehr hat es das Monopol der traditionellen Medien auf seriöse Literaturkritik gebrochen. Blogs wie die „Notizen“ des promovierten österreichischen Literaturwissenschaftlers Christian Köllerer (koellerer.net) zeigen: Es gibt genug Qualität, man muss sie nur suchen."
(5. Januar 2013)

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