Reise-Notizen: Bratislava

Mai 2012

Bratislava ist von Wien leicht zu erreichen: Wien und Bratislava sind die am nächsten gelegenen Hauptstädte des Kontinents. Trotzdem war ich bisher noch nie dort. Als Anreiseweg wähle ich die Donau und ein Schnellboot der Twincityliner, das einen in etwa 75 Minuten vom Zentrum Wiens in die Altstadt der slowakischen Hauptstadt bringt.

Ich erwarte den Charme den Ostblocks, aber eine Stadtrundfahrt zeigt den Sanierungsfortschritt. Nicht nur die Gebäude in der Innenstadt sind überwiegend renoviert, auch das Stadtschloss wurde von Grund auf neu hergerichtet. Ansprechende Parkanlagen runden das positive Bild ab. Die Sowjetzeit sieht man freilich auch: Jenseits der Donau ist eine riesige Plattenbausiedlung. Doch selbst dort versucht man durch bunte Farben die Tristesse zu mildern.

Der Urbanitätsgrad ist hoch. Jede Menge Straßencafes und Restaurants mit Gastgärten sorgen für ein adäquates Straßenleben. Kurz, ein sympathisches Ausflugsziel. Neugierig betrat ich Slowakische Nationalgalerie, ein Labyrinth! Um zu den Alten zu kommen, muss man das Gebäude wechseln und eine versteckte Treppe finden, die irgendwo an einen modernen Ausstellungsraum anschließt. Die aktuellen Exhibitionen über moderne Kunst waren „state of art“, was man von der Präsentation der Alten Meister nur bedingt behaupten kann. Hier ist der Umbau des Museums noch im Gange, und man bewegt sich frei in einer Baustelle. Leere Galerieräume, fast leere Stockwerke: Alles da! Ich finde schließlich einige sehr schöne (spät)gotische Skulpturen. Auch die grafische Sammlung braucht sich nicht zu verstecken. Bei den Gemälden sind alle Epochen mit Zweitklassigem vertreten. Künstlerische Sensationen sollte man nicht erwarten.

2 Antworten auf Reise-Notizen: Bratislava

  • Na das wurde aber Zeit! Bratislava war neben Piran die einzige Stadt, die ich in meinen zwei Jahren Wien von dort aus besucht habe. Die Altstadt sah auch 1997 schon sehr gut aus.

    Kostprobe aus dem Langzeitgedächtnis: Ich war damals mit meinen Eltern dort – meiner Mutter war aufgefallen, dass die Kinderwägen mit aufwendigen Spitzenkissen ausstaffiert waren :-)

  • BigBen sagt:

    Nicht zu vergessen das slowakische Bier! Aber was mich entsetzt hat, war, wie die Zeit vor 1989 von den jungen Leuten (Cityguide) verhuntzt wird. Dieses Schwarz-Weiß-Denken hilft nicht wirklich, die Zeit zu verstehen.

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„Die Presse“ meint:

"Aber das Internet ist nicht schuld daran, dass Zeitungen reihenweise ihre Literaturseiten „gesundschrumpfen“. Vielmehr hat es das Monopol der traditionellen Medien auf seriöse Literaturkritik gebrochen. Blogs wie die „Notizen“ des promovierten österreichischen Literaturwissenschaftlers Christian Köllerer (koellerer.net) zeigen: Es gibt genug Qualität, man muss sie nur suchen."
(5. Januar 2013)

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