Thornton Wilder: The Bridge of San Luis Rey

Es gibt nur wenige Klassiker, die in Peru spielen. Einer davon ist Wilders The Bridge of San Luis Rey (1927). Die erste Hälfte des Romans las ich in Peru, die zweite Hälfte dann nach meiner Rückkehr.

Der Text ist für einen historischen Roman sehr kurz. Das Thema ist ein Weltanschauliches, nämlich ein religiöses Experiment. Die Brücke von San Luis Rey, gelegen zwischen Lima und Cusco, stürzte 1714 ein. Fünf Menschen hatten nicht nur das Pech, zum Zeitpunkt des Unglücks auf der Brücke zu sein, sie wurden bei ihrem Missgeschick auch noch vom Franziskanermönch Juniper beobachtet. Bruder Juniper ist von einem Ziel besessen, nämlich die Theologie als exakte Wissenschaft zu etablieren. Er ergreift die sich ihm nun bietende Gelegenheit beim Schopf, und will durch die Analyse dieser fünf Biographien ein Begründung dafür finden, warum ausgerechnet sie zu diesem Zeitpunkt ums Leben kamen.

In fünf Teilen erzählt Wilder nun die Lebensgeschichten der Opfer, die alle auf ihre Art außergewöhnlich sind. Die fünf Unglücksraben standen tatsächlich jeweils an der Schwelle eines neuen Lebensabschnitts. Als Leser erschließt sich einem allerdings kein plausibler Grund für ihren Tod. Die Kirchenobrigkeit sah das anders: Bruder Juniper wird wegen Ketzerei zum Tod auf dem Scheiterhaufen verurteilt.

Das ist literarisch alles exzellent ausgeführt. Die Verknüpfungen zwischen den Geschichten sind subtil, aber an vielen Stellen vorhanden. Sprachlich ist es ein Lesevergnügen. Trotzdem hält sich meine Begeisterung für das Buch in Grenzen. Wenn man bedenkt, was in den zwanziger Jahren des letzten Jahrhunderts (und davor) noch alles geschrieben wurde, haftet der Bridge of San Luis Rey etwas Anachronistisches an.

Thornton Wilder: The Bridge of San Luis Rey. (Penguin)

2 Antworten auf Thornton Wilder: The Bridge of San Luis Rey

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind markiert *

  • RSS Feed for Posts
  • RSS Feed for Comments
  • Twitter
  • XING
  • Facebook

Kategorien

„Die Presse“ meint:

"Aber das Internet ist nicht schuld daran, dass Zeitungen reihenweise ihre Literaturseiten „gesundschrumpfen“. Vielmehr hat es das Monopol der traditionellen Medien auf seriöse Literaturkritik gebrochen. Blogs wie die „Notizen“ des promovierten österreichischen Literaturwissenschaftlers Christian Köllerer (koellerer.net) zeigen: Es gibt genug Qualität, man muss sie nur suchen."
(5. Januar 2013)

Aktuell in Arbeit

Tweets