Zwischenfälle

Akademietheater 1.6.

Regie: Andrea Breth

mit
Andrea Clausen
Corinna Kirchhoff
Elisabeth Orth
Johanna Wokalek
Gerrit Jansen
Roland Koch
Markus Meyer
Hans-Michael Rehberg
Udo Samel
Peter Simonischek

Andrea Breth halte ich für eine der besten Gegenwarts-Regisseurinnen und war deshalb sehr auf ihr neues Projekt gespannt. Das dramaturgische Konzept ist denn auch sehr ungewöhnlich: Es wird eine Menge grotesker Kurzszenen von Autoren wie Daniel Charms auf die Bühne gebracht. Der Abend dauert fast dreieinhalb Stunden, an dem sich eine Szene an die andere reiht. Es gibt zwar übergreifende Themen, Motive und Orte, aber das reicht bei weitem nicht aus, um der Inszenierung die Kohärenz eines klassischen Theaterabends zu geben.

Wer ein übergreifendes Thema sucht, muss eine Stufe abstrakter Denken: Groteske und Absurdität regiert den Abend, vor allem im zwischenmenschlichen Bereich. Man wird nicht nur oft an Monty Python erinnert. Letzteres vor allem auch durch den ebenso furiosen wie hoch komischen Körpereinsatz der durch die Bank brillanten Schauspieler. Wer nicht glaubt, dass man das „Ministry of Silly Walks“ noch toppen kann, der sollte sich Zwischenfälle ansehen.

Passend zum hohen Tempo die Bühnentechnik: Viele unglaublich schnelle Umbauten. Einwenden könnte man vielleicht, dass der Abend für dieses Konzept dann doch etwas zu lang geraten ist. Persönlich finde ich es schade, dass man Andrea Breth nicht mit einem großen Klassiker betraut hat. Sie inszeniert so wenig in Wien, dass man diese Gelegenheiten nicht an solche originellen Abende „verschwenden“ sollte.

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„Die Presse“ meint:

"Aber das Internet ist nicht schuld daran, dass Zeitungen reihenweise ihre Literaturseiten „gesundschrumpfen“. Vielmehr hat es das Monopol der traditionellen Medien auf seriöse Literaturkritik gebrochen. Blogs wie die „Notizen“ des promovierten österreichischen Literaturwissenschaftlers Christian Köllerer (koellerer.net) zeigen: Es gibt genug Qualität, man muss sie nur suchen."
(5. Januar 2013)

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