Kroetz: Stallerhof

Kasino des Burgtheaters 26.4.

Regie: David Bösch

Staller; Branko Samarovski
Stallerin: Barbara Petritsch
Beppi: Sarah Viktoria Frick
Sepp: Johannes Krisch

Während meines Studiums las ich einige der kritischen Volksstücke des Franz Xaver Kroetz, fand sie nicht uninteressant und legte sie ad acta. Eine Fehleinschätzung, wie die aktuelle Inszenierung des Stallerhof im Kasino zeigt. David Bösch setzt auf bei den Figuren auf einen scheinbar naturalistischen Ansatz, was sich vor allem in Kleidung und Gehabe der Figuren zeigt. Sarah Viktoria Frick spielt die zurückgebliebene Beppi mit einem authentischen Verve, der schon nach den ersten Minuten überzeugt und verblüfft. Eine brillante schauspielerische Leistung, weil Frick ihre Figur nie bloßstellt. Kroetz reduzierte Sprache spiegelt die Beschränktheit seiner Figuren wieder. Vieles in dem Stück könnte auf der Bühne in Voyeurismus oder in Peinlichkeiten abgleiten. An keiner einzigen Stelle ist das der Fall. Auch der Sepp des Johannes Krisch ist grandios!

Trotz der scheinbaren Schlichtkeit eröffnet die Inszenierung einen beeindruckenden symbolischen Resonanzboden. Aus einem provinzkritischen Volksstück wird eine Anklage gegen gesellschaftliche Zustande allgemein. Das Kroetz-Stücke das zu leisten vermögen, war meine wichtigste Erkenntnis des Abends.

Theater in Perfektion.

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„Die Presse“ meint:

"Aber das Internet ist nicht schuld daran, dass Zeitungen reihenweise ihre Literaturseiten „gesundschrumpfen“. Vielmehr hat es das Monopol der traditionellen Medien auf seriöse Literaturkritik gebrochen. Blogs wie die „Notizen“ des promovierten österreichischen Literaturwissenschaftlers Christian Köllerer (koellerer.net) zeigen: Es gibt genug Qualität, man muss sie nur suchen."
(5. Januar 2013)

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