Aiwasowski: Maler des Meeres

Bank Austria Kunstforum 26.4.

Anstatt wie sonst auf bekannte Namen zu setzen, will das Kunstforum mit der aktuellen Ausstellung den vor allen Russland und der Ukraine berühmten Marine-Maler Iwan Konstantinowitsch Aiwasowski (1817 – 1900) auch hierzulande bekannt machen. Tatsächlich sah ich bisher kaum so effektive und technisch perfekte Meeresgemälde wie die von Aiwasowski gemalten. Das Meer auf seinen Bildern hat eine so strahlende Leuchtkraft, dass Zeitgenossen verlangten, hinter die Gemälde zu sehen, wo sie Laternen oder andere „Tricks“ vermuteten.

Aiwasowskis Bilder sind voll romantischem Pathos und setzen schamlos auf die Schiffsbruch-Metaphorik. Boshaft könnte man ihn als Boulevard-Maler auf höchstem technischen Niveau bezeichnen. Deshalb ist es auch fehl am Platz, ihn mit William Turner zu vergleichen, was offenbar ein Topos in der Aiwasowski-Rezeption ist. Richtig ist, dass auch Turner sehr furiose und effektvolle Marinemalerei betrieb. Seine ästhetische Entwicklung war aber eine völlig andere. Während Aiwaskowski bis zu seinem Tod überwiegend seiner realistischen Technik verhaftet blieb, entwickelte sich Turners Spätwerk formal immer mehr in Richtung Abstraktion. Turner zählte zu seiner Zeit zur formalen Avantgarde. Ihn nur aufgrund der Thematik mit Aiwasowski zu vergleichen, kratzt höchstens an der Oberfläche.

Die Bilder der Ausstellung sind jedenfalls sehr beeindruckend. Man kann sich nur schwer wieder von ihnen trennen. Wer nicht regelmäßig in die Eremitage kommt, sollte sich diese Gelegenheit nicht entgehen lassen. (Bis 10.7.)

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„Die Presse“ meint:

"Aber das Internet ist nicht schuld daran, dass Zeitungen reihenweise ihre Literaturseiten „gesundschrumpfen“. Vielmehr hat es das Monopol der traditionellen Medien auf seriöse Literaturkritik gebrochen. Blogs wie die „Notizen“ des promovierten österreichischen Literaturwissenschaftlers Christian Köllerer (koellerer.net) zeigen: Es gibt genug Qualität, man muss sie nur suchen."
(5. Januar 2013)

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