Racine: Phädra

Burgtheater 7.12.

Regie: Matthias Hartmann

Theseus: Paulus Manker
Phädra: Sunnyi Melles
Hippolytos: Philipp Hauß
Arikia: Sylvie Rohrer
Theramenes: Hans-Michael Rehberg
Önone: Therese Affolter
Ismene: Merle Wasmuth
Panope: Brigitta Furgler

Phädras irregeleiteter Liebeswahn wird von Matthias Hartmann zeitlos inszeniert. Die Bühne kommt ohne Requisiten aus: Das Bühnebild besteht aus einer riesigen drehbaren Wand, die auf einer Seite weiß, auf der anderen Seite schwarz ist. Freunde reduktionistischer Inszenierungen, zu denen ich mich zähle, werden daran ihre Freude haben. Das rückt die Psychodynamik des Klassikers in den Vordergrund und gibt den Schauspielern sehr viel Raum. Philipp Hauß spielt den Hippolytos nicht als den stolzen, arroganten, unnahbaren jungen Mann als den ihn Racine beschreibt. Seine unbeholfene Unsicherheit erinnert an eine typische Figur aus einem Woody-Allen-Film. Sunnyi Melles dagegen gibt die große Tragödin und überspannt den Bogen leider mehrmals, so dass ihr Liebensfuror immer wieder unfreiwillig ins Komische zu kippen droht.

Höhepunkt des Abends ist der Theseus des Paulus Mankers. Eine so unglaubliche Bühnenpräsenz erlebt man selten. Einen überzeugenderen Theseus wird man so schnell im deutschsprachigen Theater nicht finden können. Insgesamt wirkt die Aufführung nicht wirklich rund. Trotzdem eine Empfehlung.

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„Die Presse“ meint:

"Aber das Internet ist nicht schuld daran, dass Zeitungen reihenweise ihre Literaturseiten „gesundschrumpfen“. Vielmehr hat es das Monopol der traditionellen Medien auf seriöse Literaturkritik gebrochen. Blogs wie die „Notizen“ des promovierten österreichischen Literaturwissenschaftlers Christian Köllerer (koellerer.net) zeigen: Es gibt genug Qualität, man muss sie nur suchen."
(5. Januar 2013)

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