Orchester des Mariinski Theaters St. Petersburg

Konzerthaus 4.12.

Dirigent: Valery Gergiev

Dmitri Schostakowitsch
Symphonie Nr. 12 d-moll op. 112 «Das Jahr 1917» (1959-1961)
***
Symphonie Nr. 7 C-Dur op. 60 «Leningrader» (1941)

Der eisige Wiener Winterabend gestern lieferte einen atmosphärisch passenden Hintergrund zu Schostakowitsch‘ Musik. Die schneidend-frostige Interpretation und die exzellente Disposition des Orchesters rundeten diesen Eindruck ab. Der Abend begann mit der nicht sehr oft aufgeführten Symphonie Nr. 12, nicht nur meiner Meinung nach eines der schwächeren Werke des Schostakowitsch. Sie wurde technisch tadellos gespielt, scheint aber mehr zum Aufwärmen der Russen gedacht gewesen zu sein.

Höhepunkt des Abends war eine superbe Interpretation der Leningrader Symphonie. Gergiev legte seine größte Sorgfalt auf die leisen Passagen, was die Aufführung deutlich länger machte als man sie gewöhnlich hört. Mit einer so zarten, sich bis an die Hörgrenze herantastenden Delikatesse, hörte ich Schostakowitisch noch nie. Auch am anderen Ende des dynamischen Spektrums, etwa im Pandämonium des ersten Satzes, zeigte sich sowohl die technische Brillanz des Mariinski Orchesters als auch die kongeniale Affinität des Dirigenten zu dieser düsteren Musik. Gergiev hat einen Klangkörper der Weltklasse geformt, und man kann froh darüber sein, dass die Russen aus finanziellen Gründen so oft auf Tournee gehen müssen.

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"Aber das Internet ist nicht schuld daran, dass Zeitungen reihenweise ihre Literaturseiten „gesundschrumpfen“. Vielmehr hat es das Monopol der traditionellen Medien auf seriöse Literaturkritik gebrochen. Blogs wie die „Notizen“ des promovierten österreichischen Literaturwissenschaftlers Christian Köllerer (koellerer.net) zeigen: Es gibt genug Qualität, man muss sie nur suchen."
(5. Januar 2013)

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