Welcome

Filmcasino 24.5.

Regie: Philippe Lioret

Der Film über den siebzehnjährigen irakischen Jungen Bilal, der nach einem viertausend Kilometer langen Fußmarsch in Calais landet, und von dort aus illegal weiter nach London will, löste in Frankreich eine heftige Debatte aus. Zeigt er doch einfühlsam die Kehrseite des europäischen Wohlstandes, nämlich die Abschottung der EU gegen Flüchtlinge.

Die Strategie, solche anonymen Strukturen durch das Herausgreifen eines individuellen Schicksals anschaulich zu machen, funktioniert auch in Welcome ausgezeichnet. Lioret zeigt die Reaktion des französischen Staates auf das „Problem“: Er stellt Hilfe unter Strafe. Humanität ist staatlich verboten. Das ist das ethische Dilemma im Zentrum, veranschaulicht durch den Schwimmlehrer Simon, der durch die Unterstützung Bilals in die Mühlen der Justiz gerät.

Wer nun befürchtet, der Film sei politische Propaganda, liegt falsch. Lioret erzählt eine einfühlsame Geschichte und verzichtet auf plakative Szenen. Die filmischen Mittel sind ästhetisch nicht aufregend, passen aber gut zum ruhigen narrativen Duktus. Dass Bilals Flucht durch eine Liebesgeschichte motiviert ist, führt zu einem stärkeren sentimentalen Grundton als eigentlich notwendig wäre.

Welcome ist berührend und regt zum Nachdenken an. Klare Empfehlung.

Trailer (leider auf Deutsch)

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„Die Presse“ meint:

"Aber das Internet ist nicht schuld daran, dass Zeitungen reihenweise ihre Literaturseiten „gesundschrumpfen“. Vielmehr hat es das Monopol der traditionellen Medien auf seriöse Literaturkritik gebrochen. Blogs wie die „Notizen“ des promovierten österreichischen Literaturwissenschaftlers Christian Köllerer (koellerer.net) zeigen: Es gibt genug Qualität, man muss sie nur suchen."
(5. Januar 2013)

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