Thomas Vinterberg: Das Begräbnis

Burgtheater 17.4.

Regie: Thomas Vinterberg

Helge, der verstorbene Vater
Michael König

Else, Helges Frau
Corinna Kirchhoff

Christian, Helges und Elses ältester Sohn
Martin Wuttke

Pia, Christians Frau
Dörte Lyssewski

Michael, Christians jüngerer Bruder
Oliver Stokowski

Helene, Christians Schwester
Christiane von Poelnitz

Sofie, Michaels zukünftige Frau
Johanna Wokalek

Besser könnte der Zeitpunkt für Vinterbergs Fortsetzung seines Kindesmissbrauchs-Dramas nicht sein, das vom Burgtheater uraufgeführt wurde. Als hätte es Hartmann geahnt, dass diese Monate von den tausendfachen Verbrechen von Klerikern an Kindern geprägt sein würden. Das Stück greift dieses Thema freilich im Familienkontext auf. Im ersten Teil, Das Fest, kam heraus, dass Christian als Junge von seinem Vater missbraucht worden ist. Jetzt wird er selbst zum Täter und macht sich an den kleinen Sohn seines Bruders Michael heran. Der Sohn wird übrigens tatsächlich von einem Kind gespielt, und ich kann mich nicht erinnern, schon einmal einen so guten „kleinen“ Schauspieler gesehen zu haben.

Vinterbergs Stück steht in der Tradition der Familiendramen von Ibsen und Strindberg, aber auch amerikanische Dramatiker wie Eugen O’Neill kommen in den Sinn. Vinterbergs Inszenierung ist entsprechend naturalistisch bis hin zur hübschen Einrichtung des Hauses (Drehbühne), wo sich das Drama abspielt.

Leider läuft die ganze Angelegenheit sehr mechanisch und vorhersehbar ab. Die Handlung entfaltet sich wie am Schnürchen. Es gibt keine Überraschungen, keine inspirierte Abschweifung. So bleibt am Ende vor allem die perfekte schauspielerische Leistung zu loben. Hier zeigt das Burgtheater Ensemble einmal mehr, dass es zu den besten gehört.

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„Die Presse“ meint:

"Aber das Internet ist nicht schuld daran, dass Zeitungen reihenweise ihre Literaturseiten „gesundschrumpfen“. Vielmehr hat es das Monopol der traditionellen Medien auf seriöse Literaturkritik gebrochen. Blogs wie die „Notizen“ des promovierten österreichischen Literaturwissenschaftlers Christian Köllerer (koellerer.net) zeigen: Es gibt genug Qualität, man muss sie nur suchen."
(5. Januar 2013)

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