Philip Roth

The Humbling (Houghton Mifflin)

Roth setzt mit The Humbling die Reihe seiner kleinen Romane fort. Korrekter sollte man eigentlich von einer Erzählung sprechen, zumal das Buch keine Gattungsbezeichnung trägt. Im Mittelpunkt steht Simon Axler, ein prominenter Theaterschauspieler aus New York in seinen Sechzigern, der plötzlich in eine tiefe Schaffenskrise fällt:

He lost his magic. The impulse was spent. He’d never failed the theater, everything he had done had been strong and successful, and then the terrible happened: he couldn’t act. (S. 1)

Axler fällt in ein tiefes schwarzes Loch. Nach vier Wochen in der Psychiatrie zieht er sich auf sein einsames Landhaus zurück, wo er über Monate an seiner Depression laboriert. Eine heftige sexuelle Beziehung mit einer jüngeren Frau reisst ihn aus dieser Lethargie heraus. Damit wäre Roth einmal mehr bei seinem Standardstoff der letzten Schaffensjahre angelangt. Die Geschichte nimmt allerdings ein böses Ende …

Die Erzählung ist realistisch im besten Sinn. Runde Charaktere, sprechende Details. Die scheinbar schlichten Sätze enthalten menschliche Abgründe. Trotzdem fällt es von den besten Büchern Roth ab. Jedes Jahr ein neues Buch ist vielleicht zu viel des Guten. Diese Jahresmanie scheint in New York weit verbreitet zu sein, man denke nur an die Filme des Woody Allen.

P.S. Wer eine wirkliche ausführliche Rezension will, bekommt diese in der New York Review of Books.

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„Die Presse“ meint:

"Aber das Internet ist nicht schuld daran, dass Zeitungen reihenweise ihre Literaturseiten „gesundschrumpfen“. Vielmehr hat es das Monopol der traditionellen Medien auf seriöse Literaturkritik gebrochen. Blogs wie die „Notizen“ des promovierten österreichischen Literaturwissenschaftlers Christian Köllerer (koellerer.net) zeigen: Es gibt genug Qualität, man muss sie nur suchen."
(5. Januar 2013)

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