Herta Müller

Herztier. Roman (rororo)

„Herta who?“ war der „running gag“ nach der Verkündigung des Literaturnobelpreises in der angelsächsischen Welt. Im deutschsprachigen Raum war Herta Müller in literarischen Kreisen auch vorher schon eine feste Größe. Ich selbst hatte nur Herztier in meiner Bibliothek stehen. Hatte es damals auch gelesen, konnte mich aber kaum daran erinnern. Kein gutes Zeichen.

In den letzten Tagen las ich den Roman also ein zweites Mal. Zweifellos handelt es sich um einen Text, der ästhetisch hochgradig bewusst gestaltet ist. Herta Müller schreibt Literatur im engeren Sinn. Jedes Wort, jedes Bild ist klug ausgewählt. Metaphern und andere strukturellen Elemente ziehen sich durch den Roman und tauchen an passenden Stellen immer wieder auf. Kurz: Sie kann schreiben, was man nicht von allen bisherigen Literaturnobelpreisträgern behaupten kann.

Der Roman beschreibt in kurzen Abschnitten mit wechselnder Chronologie die Ereignisse rund um eine kleine Dissidenten-Studentengruppe in Rumänien und deren Verfolgung. Die Atmosphäre ist düster wozu auch die distanzierte Sprache gekonnt beiträgt. Der Literaturwissenschaftler in mir war während der Lektüre also durchaus zufrieden, der Leser in mir war allerdings zunehmend enttäuscht. Die zweite Hälfte las sich allzu vorhersehbar.

Für ein qualifiziertes Urteil über Herta Müller müsste ich noch mehrere ihrer Bücher lesen, wozu mich aber Herztier nicht wirklich motivierte.

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„Die Presse“ meint:

"Aber das Internet ist nicht schuld daran, dass Zeitungen reihenweise ihre Literaturseiten „gesundschrumpfen“. Vielmehr hat es das Monopol der traditionellen Medien auf seriöse Literaturkritik gebrochen. Blogs wie die „Notizen“ des promovierten österreichischen Literaturwissenschaftlers Christian Köllerer (koellerer.net) zeigen: Es gibt genug Qualität, man muss sie nur suchen."
(5. Januar 2013)

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