Italiens Kulturerbe verfällt

Die italienische Kulturverwaltung hat viel zu wenig Budget, um die vielen Kunstdenkmäler des Landes fachgerecht zu erhalten. Die Regierung Berlusconi hat natürlich nichts Besseres zu tun, als diese lächerlichen Budgets noch einmal zusammenzukürzen. Das gesparte Geld steckt der Ministerpräsident dann vermutlich in die Dienstleistungen weiterer Prostituierter in seiner Villa …

Die NZZ fasst die desaströse Lage in dem Artikel Pompeji geht zum zweiten Mal unter zusammen. Auszüge:

Gemäss italienischen Zeitungsberichten konnten Professoren in diesem Frühjahr einen Hausmeister stoppen, der dabei war, ein Kunstwerk in Einzelteile zu zersägen. Mit dem Verkauf von einem neoklassizistischen Kopf, Händen und Füssen aus Gips wollte er sein mageres Salär aufbessern. Dabei handelt es sich um keinen Einzelfall. Im ganzen Land verwahrlosen einzigartige Schätze, und täglich wird Kunst geraubt, weil kein Geld für geschultes Wachpersonal vorhanden ist.

[…]

Mit 1,5 Milliarden Euro gibt sie in diesem Jahr nur 0,22 Prozent des Gesamthaushalts für den Kulturbetrieb des Landes aus. Frankreich investiert für weit weniger Kulturschätze doppelt so viel Geld. Nun will Berlusconi bei den Kulturausgaben noch mehr knausern als bisher. 1 Milliarde Euro muss Kulturminister Sandro Bondi bis 2011 einsparen.

[…]

Die antike Stadt am Fuss des Vesuvs, die im Jahr 79 bei einem Vulkanausbruch verschüttet wurde, droht nämlich ein zweites Mal unterzugehen: Touristenansturm, Umweltverschmutzung, mangelnde Aufsicht und Schlamperei setzen dem Weltkulturerbe schwer zu. Die Kanalisation funktioniert nicht, daher stehen bei Regen Villen und Gassen in Pompeji unter Wasser. Auch Besucher sind nicht immer achtsam. Viele können es einfach nicht lassen, Mosaiksteinchen zu stibitzen oder an verblassten Wandmalereien zu kratzen. Bei einem Spaziergang über das 44 Hektaren grosse Gelände kann einem die Lust auf Antike allerdings auch gründlich vergehen. Aufsichtspersonal grunzt unfreundlich im neapolitanischen Dialekt. Nur ab und an sind Informationschilder mehrsprachig verfasst. «Vietato!», Eintritt verboten, steht an vielen sehenswerten Bauten. Geschlossen sind sie wegen Einsturzgefahr.

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„Die Presse“ meint:

"Aber das Internet ist nicht schuld daran, dass Zeitungen reihenweise ihre Literaturseiten „gesundschrumpfen“. Vielmehr hat es das Monopol der traditionellen Medien auf seriöse Literaturkritik gebrochen. Blogs wie die „Notizen“ des promovierten österreichischen Literaturwissenschaftlers Christian Köllerer (koellerer.net) zeigen: Es gibt genug Qualität, man muss sie nur suchen."
(5. Januar 2013)

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