Reise-Notizen: Grenzerfahrungen in Zentralasien

Die Grenzübertritte in Zentralasien sind ebenso mühselig wie eindrucksvoll. Perpetuierte bürokratische Amokläufe, welche dem Liebhaber dieser Dinge unvergessliche Erlebnisse bescheren. Wir fahren auf einem besseren Feldweg durch Niemandsland auf die turkmenische Grenze zu. Es gilt den Bus zu verlassen und mit dem Gepäck durch ein Tor zu schreiten, nachdem ein turkmenischer Grenzbeamter einen ersten Blick auf den Pass geworfen hat. Wir gehen weiter zu einer schäbigen Grenzstation, in der eine mehrköpfige Kommission, angeordnet nach der Anzahl der Sterne auf den Schulterklappen, jeweils die Vielzahl an inzwischen angesammelten Reisedokumenten sichtet. Irgendwann bekommt man den ersehnten Ausreisestempel in den Pass.
Am anderen Ende wartet die Fortsetzung des Feldwegs. Ein pensionsreifer VW-Bus bringt alle im Pendelverkehr zur usbekischen Grenzstation, die in einem überdimensionierten Baustellencontainer angesiedelt ist. Naturgemäß sind auch hier diverse Formulare vorzubereiten, so will der usbekische Staat genau wissen, wie viele Devisen man ein- und ausführt. Angesichts der eigenen, international unbrauchbaren Währung vermutlich eine Notwendigkeit. Wer 20 Euro wechselt bekommt 38 Geldscheine der größten verfügbaren Sorte, weshalb man einen nennenswerten Teil seiner Usbekistan-Tour mit Geldzählen verbringt. Die Gesamtprozedur an der Grenze dauert an die zwei Stunden. Sechsmal hatte ich in Zentralasien dieses Vergnügen.

4 Antworten auf Reise-Notizen: Grenzerfahrungen in Zentralasien

  • BigBen sagt:

    Mußtet Ihr Euch wirklich durch das Tor STREITEN? ;-)

  • Also ich sehe da oben „schreiten“ ;-)

  • lost sagt:

    Es bestätigt meine Eindrücke aus Usbekistan. Allerdings möchte ich Tadschikistan in Schutz nehmen. Hier gab es zwar ebenfalls hanebüchene bürokratische Vorschriften, doch auch freundliche Laxheiten damit.
    Wir mussten übrigens unser ganzes Gepäck an der usbekischen Grenze durch eine Röntgenschleuse schicken, die funktionsunfähig war.

  • @lost: Völlig richtiger Hinweis, der Grenzübertritt nach Tadschikistan war zweimal harmlos. Da wir bei dieser Gelegenheit aber auch immer die usbekische Grenze dabei hatten, war der hohe Erlebniswert gesichert. Sinnlose Schleusen hatten wir auch, sowohl an der Grenze als auch in Hotels.

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„Die Presse“ meint:

"Aber das Internet ist nicht schuld daran, dass Zeitungen reihenweise ihre Literaturseiten „gesundschrumpfen“. Vielmehr hat es das Monopol der traditionellen Medien auf seriöse Literaturkritik gebrochen. Blogs wie die „Notizen“ des promovierten österreichischen Literaturwissenschaftlers Christian Köllerer (koellerer.net) zeigen: Es gibt genug Qualität, man muss sie nur suchen."
(5. Januar 2013)

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