Max Winter

Expeditionen ins dunkelste Wien: Meisterwerke der Sozialreportage. Picus Verlag

Die Wiener Literatur der Jahrhundertwende wird zurecht viel gelesen und man weiß zumindest abstrakt, dass es vor dem ersten Weltkrieg in Wien eine große Kluft zwischen Arm und Reich gab. Die Palais und rauschenden Feste des Adels und der bürgerlichen Elite auf der einen Seite, die vollgestopften unhygienischen Wohnungen der Arbeiter auf der anderen Seite.

Max Winter verlieh dieser deprimierenden Schattenwelt wortmächtig eine Stimme und liefert damit spannenden sozialgeschichtlichen Hintergrund zu Schnitzler und Co. Ausführliche Reportagen aus dem Wiener Untergrund waren sein Markenzeichen. „Untergrund“ ist hier wörtlich und metaphorisch zu verstehen. Er durchwanderte die Kanäle Wiens mit Menschen, deren Lebensunterhalt darin bestand, in den Kloaken der Stadt nach „wertvollen“ Gegenständen zu suchen. Ansonsten gibt es Reportagen aus Obdachlosenheimen, aus der Wiener Halbwelt und ähnlichen Milieus. Immer wieder schlich er sich „undercover“ ein (von nächtlichen Gefängniszellen bis hin zu den Kulissenschiebern im Burgtheater), Methode Wallraff vor 100 Jahren.

Interessante Lektüre, sehr empfehlenswert.

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„Die Presse“ meint:

"Aber das Internet ist nicht schuld daran, dass Zeitungen reihenweise ihre Literaturseiten „gesundschrumpfen“. Vielmehr hat es das Monopol der traditionellen Medien auf seriöse Literaturkritik gebrochen. Blogs wie die „Notizen“ des promovierten österreichischen Literaturwissenschaftlers Christian Köllerer (koellerer.net) zeigen: Es gibt genug Qualität, man muss sie nur suchen."
(5. Januar 2013)

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