Empfehlungen: Dumont Kunstreiseführer

Viele Reiseführer kratzen nur an der Oberfläche und beschränken sich darauf, die Klischees zu perpetuieren, welche die Touristen ohnehin im Kopf haben, garniert mit vielen Shopping Tipps. Eine große Ausnahme in diesem Genre sind die Dumont Kunstreiseführer, von denen mich inzwischen eine zweistellige Zahl in diverse Ecken dieser Erde begleitet hat.
Geboten wird akademisches Niveau und meist auch eine gehörige Portion Skeptizismus, was das touristische Gebaren der Länder angeht. Geschrieben von ausgewiesenen Fachleuten beginnt jeder Band mit einem ausführlichen allgemeinen Teil, wo die (Kultur-)geschichte der Gegend im Mittelpunkt steht und ein Überblick über die relevanten Kunstepochen gegegeben wird. Aktuelle politische Verhältnisse kommen natürlich auch nicht zu kurz.

Ein herausragendes Beispiel ist Frank Rainer Schecks Band über Jordanien. Er referiert immer wieder den aktuellen Stand der Forschung und formuliert sogar provokante Thesen, was die Entwicklung der islamischen Kunstgeschichte angeht, in dem er auf die Rückständigkeit der frühen arabischen Kultur im Vergleich zu den damaligen Hochkulturen hinweist.
Jeder Band ist reichhaltig mit Plänen von Stätten und Bauwerken sowie mit hochwertigen Fotos ausgestattet. Zu Beginn erhält man einen Überblick mit Seitenzahlen bezüglich der herausragenden Sehenswürdigkeiten. Am Ende folgt ein Block mit praktischen Hinweisen. Dieser ist für Individualreisende sicher zu wenig umfangreich, so dass hier ein zweiter Reiseführer zu empfehlen ist, der den Schwerpunkt auf den Ratgeberteil legt.

Der größte Nachteil der Reihe sei nicht verschwiegen: Die Bände sind ziemlich schwer und für das Genre unhandlich geraten. Ich habe es aber bisher noch nie bereut, immer einen oder zwei Bücher davon im Handgepäck zu haben.

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind markiert *

  • RSS Feed for Posts
  • RSS Feed for Comments
  • Twitter
  • XING
  • Facebook

Kategorien

„Die Presse“ meint:

"Aber das Internet ist nicht schuld daran, dass Zeitungen reihenweise ihre Literaturseiten „gesundschrumpfen“. Vielmehr hat es das Monopol der traditionellen Medien auf seriöse Literaturkritik gebrochen. Blogs wie die „Notizen“ des promovierten österreichischen Literaturwissenschaftlers Christian Köllerer (koellerer.net) zeigen: Es gibt genug Qualität, man muss sie nur suchen."
(5. Januar 2013)

Aktuell in Arbeit

Tweets