Livius

Die Anfänge Roms. Buch II

Die Frühzeit Roms wird weiter beschrieben, darunter die zahlreichen Kriege mit den Nachbarn, die teils defensiver teils offensiver Natur waren. Es ist auch die Ernennung des ersten „Diktators“ zu vermelden. Was mich an diesem Buch aber besonders fasziniert hat, sind die sozialen und ökonomischen Konflikte im frühen Rom. Die Spannungen zwischen Plebejern und Patriziern ziehen sich ja durch die gesamte römische Geschichte. Livius beschreibt sowohl wie die „legendäre“ Institution des Volkstribun entstanden ist als auch die zahlreichen Zentrifugalkräfte, welche die römische Gesellschaft zu sprengen drohten.
Manches liest sich erstaunlich modern, so gab es damals auch eine Finanzkrise. Plebejer waren bei den Patriziern überschuldet und viele gerieten in eine Art Schuldknechtschaft. Das Ergebnis war laut Livius eine Art Kriegsstreik. Sie weigerten sich als Soldaten zu kämpfen so lange das Schuldproblem nicht gelöst war. Im Senat gab es Debatten um einen Schuldenerlass. Der hätte aber zur Konsequenz gehabt, dass die geprellten Gläubiger danach keine Kredite mehr gegeben hätten, was die Wirtschaft der Stadt zum Erliegen gebracht hätte. Kurz eine Kreditkrise ganz ohne die modernen Finanzinstrumente, die an unserer aktuellen Misere schuld sind. Als Anlass des Eklats erzählt Livius folgende Geschichte:

    Ein alter Mann stürzte mit allen Zeichen seines Elends auf das Forum. Seine Kleidung war mit Schmutz bedeckt, aber schrecklicher noch war der Anblick seines blassen, bis auf die Knochen abgemagerten Körpers […]
    Als er im Sabinerkrieg Soldat gewesen sei, habe er wegen der Verwüstung seiner Felder nicht nur keine Ernte gehabt, sondern sein Haus sei auch in Brand gesteckt worden […] Da habe man ihm zur Unzeit die Kriegssteuer abverlangt, und er habe Schulden gemacht. Die seien durch die Zinsen hoch angewachsen und hätten ihn zuerst um das von seinem Vater und Großvater ererbete Land gebracht, dann um sein sonstiges Hab und Gut und hätten zuletzt wie eine schleichende Krankheit seinen Körper ergriffen. Er sei von seinem Gläubiger nicht in Knechtschaft geführt worden, sondern ins Arbeitshaus und in die Folterkammer. Dann zeigte er seinen Rücken, der schrecklich anzusehen war wegen der frischen Striemen vom Peitschenhieben.
    Als die Leute das sahen und hörten, erhob sich ein gewaltiges Geschrei.
    [S. 145]

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„Die Presse“ meint:

"Aber das Internet ist nicht schuld daran, dass Zeitungen reihenweise ihre Literaturseiten „gesundschrumpfen“. Vielmehr hat es das Monopol der traditionellen Medien auf seriöse Literaturkritik gebrochen. Blogs wie die „Notizen“ des promovierten österreichischen Literaturwissenschaftlers Christian Köllerer (koellerer.net) zeigen: Es gibt genug Qualität, man muss sie nur suchen."
(5. Januar 2013)

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