Simon Stephens: Motortown

Akademietheater 4.2.
Regie: Andrea Breth
Lee: Markus Meyer
Danny: Nicholas Ofczarek
Marley: Johanna Wokalek
Tom: Jörg Ratjen
Paul: Wolfgang Michael
Jade: Astou Maraszto
Justin: Udo Samel
Helen: Andrea Clausen

Der Brite Simon Stephens führt in seinem Stück „rücksichtslos“ die verheerenden psychologischen Konsequenzen des Irakkriegs vor Augen. Danny, grandios gespielt von Nicholas Ofcarek, kehrt traumatisiert aus dem Südirak in sein London der Unterprivilegierten zurück. In einzelnen, scharf geschnittenen Szenen zeigt Stephens einen durch den Krieg ruinierten Menschen in einer menschlich verwahrlosten Umwelt. Man muss immer wieder an „Woyzeck“ denken: „Motortown“ erinnert sowohl von der Hauptfigur als auch von der Ästhetik an Büchners Klassiker. Zumal in beiden Stücken ein Mord im Mittelpunkt steht. Dannys sadistische Tat, das Quälen und die Ermordung eines vierzehnjährigen Mädchens, inszeniert Andrea Breth so schockierend realistisch, dass mehrere Zuseher das Theater verlassen.

Auch sonst belegt Breth mit dieser brutalen Milieustudie einmal mehr, dass sie zu den besten Theatermacherinnen im deutschsprachigen Raum zählt. „Motortown“ zeigt, wie gute Gegenwartsdramatik aussehen kann, speziell, wenn es mit einem so großartigen Ensemble umgesetzt wird.

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„Die Presse“ meint:

"Aber das Internet ist nicht schuld daran, dass Zeitungen reihenweise ihre Literaturseiten „gesundschrumpfen“. Vielmehr hat es das Monopol der traditionellen Medien auf seriöse Literaturkritik gebrochen. Blogs wie die „Notizen“ des promovierten österreichischen Literaturwissenschaftlers Christian Köllerer (koellerer.net) zeigen: Es gibt genug Qualität, man muss sie nur suchen."
(5. Januar 2013)

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