Victor Davis Hanson: A War Like No Other

„How the Athenians and Spartans Fought the Peloponnesian War“. Random House (Amazon Partnerlink)

Mit Militärgeschichte im Speziellen habe ich mich bisher nie im Detail beschäftigt, und so war auch mein Interesse am antiken Griechenland und speziell an Thukydides ausschlaggebend, diese Studie von Hanson zu lesen. Nach der Lektüre steht fest: Die Beschäftigung mit Kriegsdetails kann sehr erhellend sein, wenn man sich für die Natur des Menschen interessiert. Liest man Hansons düsteres Buch über die brutale Art und Weise, wie Athener und Spartner sich gegenseitig umbrachten, bleibt vom klassisch humanistischen Ideal der Antike nichts mehr übrig.

Hanson vertritt die These, dass der Peloponnesische Krieg der erste prototypische Bürgerkrieg auf europäischen Boden war, in dem sämtliche Regeln für ein ziviles Zusammenleben außer Kraft gesetzt wurden. So gab es in der griechischen Gesellschaft nicht nur einen militärischen Ehrenkodex und Regeln für den Umgang mit Zivilisten, sondern bekanntlich auch zahlreiche religiöse Tabus. Im Laufe des Krieges galten diese kulturellen Übereinkünfte nicht mehr: Boten und „Diplomaten“ wurden ermordet, Zivilisten zu Zehntausenden hingerichtet und Leichen als Mittel der Erpressung eingesetzt. Wer Sophokles‘ „Medea“ kennt, weiß wie wichtig die Bestattung eines Leichnams für die Griechen war.

Hoplitenschlachten gab es vergleichsweise wenige, Terrorakte gegen die Zivilbevölkerung dagegen von beiden Seiten in kaum noch überschaubarem Ausmaß. Widerwärtig müssen die antiken Seeschlachten (und generell auch die Schifffahrt) auf Tiremen gewesen sein. Hanson legt einen besonderen Schwerpunkt auf diesen Aspekt. Diese gewaltigen Schlachten am Mittelmeer, wo quasi zwei Städte (mehrere zehntausend Soldaten und Ruderer) auf dem Wasser zusammenstießen, forderten eine enorme Zahl an Todesopfern.

Gleichzeitig blühte in Athen die Kultur. An einem Tag gab es Euripides im Theater, am anderen wurde in der Versammlung demokratisch beschlossen, die Bewohner einer eroberten Stadt zu töten. Wer sich dieses alltägliche Zusammenspiel von Hochkultur und Barbarei bewusst macht, wird weniger ratlos und ziemlich desillusioniert vor der „dunklen“ Seite der europäischen Geschichte stehen. Thukydides war der Meinung, die Menschen ändern sich vor allem in diesen Dingen nicht. Bis heute scheint er Recht zu haben.

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„Die Presse“ meint:

"Aber das Internet ist nicht schuld daran, dass Zeitungen reihenweise ihre Literaturseiten „gesundschrumpfen“. Vielmehr hat es das Monopol der traditionellen Medien auf seriöse Literaturkritik gebrochen. Blogs wie die „Notizen“ des promovierten österreichischen Literaturwissenschaftlers Christian Köllerer (koellerer.net) zeigen: Es gibt genug Qualität, man muss sie nur suchen."
(5. Januar 2013)

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