Herrlee Glessner Creel: Chinese Thought from Confucius to Mao Tse Tung

Chicago University Press (Amazon Partnerlink)

Dieses Buch belegt die Behauptung, dass die neuesten Titel nicht immer die Besten sein müssen. Erschien es doch schon 1953 und läßt sich noch ausgezeichnet lesen. Wie so oft wurde ich auf diesen Titel durch die Literaturhinweise in der Britannica aufmerksam.

Es handelt sich allerdings um kein akademisches Buch im engeren Sinn des Wortes, sondern um ein gut geschriebenes Sachbuch. Es zeichnet sich durch eine vergleichsweise klare Darstellung der chinesischen Geistesgeschichte aus, wobei auf 260 Seiten natürlich nur ein Überblick geboten werden kann. Der Schwerpunkt liegt auf Chinas klassischen Denkern und deren Rezeption bis ins 20. Jahrhundert hinein.

Gemeinhin wird der Konfuzianismus als sehr konservativ und traditionsbestimmt beschrieben. Das ist nicht völlig verkehrt. Creel weist jedoch überraschend auf die Kehrseite dieser Medaille hin: Nachdem die Quellenlage über Chinas mythische Vorzeit immer schon schwierig war, diente diese als eine ideale Projektionsfläche. Regelmäßig wurden von Konfuzianern deshalb neue Ideen unter dem Deckmantel der Tradition eingeführt. Man benutzte diese angebliche Tradition als trojanisches Pferd um innovative Konzepte in eine konservative Gesellschaft einzuführen. Dieser Aspekt war mir ebenso neu wie einleuchtend, und taucht auch die aktuelle Debatte um den Einfluss des Konfuzianismus in China (vesus „westliche Werte“) in ein interessantes skeptisches Licht.

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„Die Presse“ meint:

"Aber das Internet ist nicht schuld daran, dass Zeitungen reihenweise ihre Literaturseiten „gesundschrumpfen“. Vielmehr hat es das Monopol der traditionellen Medien auf seriöse Literaturkritik gebrochen. Blogs wie die „Notizen“ des promovierten österreichischen Literaturwissenschaftlers Christian Köllerer (koellerer.net) zeigen: Es gibt genug Qualität, man muss sie nur suchen."
(5. Januar 2013)

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