Erfolg und Verdienst

Nebenbei bemerkt, Erfolg ist etwas ziemlich Häßliches. Seine scheinbare Ähnlichkeit mit dem Verdienst täuscht die Menschen. Für die Menschen hat der Erfolg fast das gleiche Gesicht wie die Überlegenheit. Der Erfolg, dieser Doppelgänger der Begabung, betrügt die Geschichte. Allein Juvenal und Tacitus murren darüber. Heutzutage ist eine nahezu offizielle Philosophie in seine Dienste getreten, trägt Livree und wartet in seinem Vorzimmer auf. Seid erfolgreich, das ist die ganze Theorie. Glück setzt Befähigung voraus. Gewinnt in der Lotterie, und ihr seid tüchtig. Wer triumphiert, wird vereehrt. Kommt als Sonntagskind zur Welt, das ist alles. Habt Glück, und alles übrige fällt euch zu. Seid glücklich, und ihr werdet für groß gehalten. Abgesehen von den fünf, sechs gewaltigen Ausnahmen, die den Glanz eines Jahrhunderts ausmachen, ist die zeitgenössische Bewunderung kaum mehr als Kurzsichtigkeit. Vergoldetes ist Gold.

[Victor Hugo, Die Elenden]

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„Die Presse“ meint:

"Aber das Internet ist nicht schuld daran, dass Zeitungen reihenweise ihre Literaturseiten „gesundschrumpfen“. Vielmehr hat es das Monopol der traditionellen Medien auf seriöse Literaturkritik gebrochen. Blogs wie die „Notizen“ des promovierten österreichischen Literaturwissenschaftlers Christian Köllerer (koellerer.net) zeigen: Es gibt genug Qualität, man muss sie nur suchen."
(5. Januar 2013)

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