Michel Serres; Nayla Farouki: Thesaurus der exakten Wissenschaften

Zweitausendeins

Wer wie ich davon überzeugt ist, dass man ohne ein solides naturwissenschaftliches Grundverständnis die Welt nicht verstehen kann, und eine moderne Philosophie ohne Einbeziehung der Naturwissenschaften nicht möglich ist, der wird an diesem Buch viel Freude haben.

Das heißt selbstverständlich nicht, dass die Philosophie nicht über den Gegenstandsbereich der Naturwissenschaften hinausgehen kann (und muss). Nachdem die naturwissenschaftliche Methode erkenntnistheoretisch jedoch die beste ist, welche dem Menschen zur Verfügung steht, sollte eine aktuelle philosophische Theorie keinen naturwissenschaftlichen Theorien widersprechen. Etwas genauer formuliert: Sollte keine widersprechende empirischen Behauptungen aufstellen, welche in den Gegenstandsbereich einer Naturwissenschaft fällt.

Dieser Thesaurus schafft es auf erstaunlich engen Raum einen fundierten Überblick über die exakten Wissenschaften zu geben. Die einzelnen Artikel sind ausgezeichnet lesbar und mit großem didaktischen Können geschrieben, ohne die Gegenstände zu verflachen. Viele Querverweise erleichtern das systematische Verfolgen eines Themas. Ein Beispiel: Der Artikel „Flüssigkristall“ enthält zu Beginn folgenden Hinweis:

Zur Vorbereitung: Kristall
Zur Vertiefung: Feld; Flüssigkeit; Molekül; Lösung

Natürlich sind bei knapp 1200 Seiten eine Reihe von Kompromissen nötig. Man gewinnt aber den Eindruck, dass diese von den Herausgebern gut zu vertreten sind. Folgende Wissenschaften werden behandelt: Astrophysik, Biochemie, Chemie, Genetik, Geowissenschaften, Informatik, Mathematik, Physik.

Der Schwerpunkt liegt auf Grundsätzlichem, weshalb das Handbuch auch nicht so schnell veralten dürfte. Desto bedauerlicher ist es, dass es nur noch antiquarisch zu bekommen ist. Wenn so wichtige Bücher wie dieses schon nach relativ kurzer Zeit wieder vom Buchmarkt verschwinden, ist das sehr bedauerlich.

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„Die Presse“ meint:

"Aber das Internet ist nicht schuld daran, dass Zeitungen reihenweise ihre Literaturseiten „gesundschrumpfen“. Vielmehr hat es das Monopol der traditionellen Medien auf seriöse Literaturkritik gebrochen. Blogs wie die „Notizen“ des promovierten österreichischen Literaturwissenschaftlers Christian Köllerer (koellerer.net) zeigen: Es gibt genug Qualität, man muss sie nur suchen."
(5. Januar 2013)

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