Reise-Notizen: Athen (1)

Wer einen Eindruck von den Menschenmassen bekommen will, die sich letzten Samstag durch das Akropolis-Museum schoben, mag an den Times Square in Manhattan denken. Das gilt nicht nur für die schiere Zahl an homo sapiens pro Quadratmeter, sondern auch für die Art der Fortbewegung. Streben auf dem Times Square die Menschen weder nach links noch nach rechts blickend ihren Zielen zu, verhält sich das mit den Touristenmassen ganz ähnlich: Gelangweilt lassen sie sich durch die wenigen und viel zu kleinen Räume des Museums schieben, um den Interessierten die Sicht zu versperren. Trotzdem sollte man das Museum auf keinen Fall versäumen, sind dort doch eine Reihe von Meisterwerken der griechischen Kunst zu sehen (Kalbträger!). Idealer Besuchszeitpunkt wäre vermutlich zwischen November und Januar.

Eine Wohltat deshalb das Keramikos-Museum. Obwohl auch dort Erstklassiges zu sehen ist, etwa ein 2002 gefundener Kuros, hochqualitative Grabreliefs und eine klug ausgewählte Vasensammlung, sind nur wenige Besucher anzutreffen. Deutlich mehr sind es naturgemäß im berühmten Archäologischen Nationalmuseum, was einer ausgiebigen Besichtung jedoch keinen Abbruch tat. Bei meinem letzten Aufenthalt in Athen war es wegen Renovierung geschlossen, so dass ich zum ersten Mal mit dieser antiken Kunstfülle konfrontiert wurde. Ein Höhepunkt reiht sich an den nächsten, für eine ausführliche Besichtigung würde man mindestens zwei Tage benötigen. Weniger für die umfangreiche Skulpturensammlung, sondern wegen der Vielzahl an Vasen aus allen Perioden und der vielen kleinen Bronzen. Besonders faszinierend ist die prähistorische Sammlung: Die von Schliemann gefundenen mykenischen Schätze zeugen von einer erstaunlichen Kunstfertigkeit der ersten griechischen Hochkultur. Die Sammlung mit den seltsam modern wirkenden kykladischen Kunstwerken wäre alleine schon eine Athenreise wert.

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„Die Presse“ meint:

"Aber das Internet ist nicht schuld daran, dass Zeitungen reihenweise ihre Literaturseiten „gesundschrumpfen“. Vielmehr hat es das Monopol der traditionellen Medien auf seriöse Literaturkritik gebrochen. Blogs wie die „Notizen“ des promovierten österreichischen Literaturwissenschaftlers Christian Köllerer (koellerer.net) zeigen: Es gibt genug Qualität, man muss sie nur suchen."
(5. Januar 2013)

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