Volkmar Braunbehrens: Mozart in Wien

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Es gibt wohl keinen Künstler über den so viele falsche Legenden im Umlauf sind wie Mozart. Womit nicht einmal die zahlreichen abstrusen Vergiftungsverschwörungstheorien gemeint, sondern vor allem das Klischee des armen und verkannten Genies. Schuld daran sind nicht zuletzt verkitschte Filmportraits (Amadeus) und eine Mozartbiographik, die einmal in die Welt gesetzte Klischees bedenkenlos weitertransportiert.

Rühmlich Ausnahme ist Volkmar Braunbehrens, der in seiner wichtigen Studie mit diesen Legenden gründlich aufräumt. Was die Armutslegende angeht, referiert er ausführlich die belegten Einkünfte Mozarts. Abgesehen vom ersten halben Jahr in Wien verfügte Mozart über sehr solide Jahresgehälter, die denen von höheren Hofbeamten um nichts nachstanden, und sich auch in einer völlig anderen Dimension als „normale“ Musikergehälter bewegten. Bei vielen Klischees (etwa über Konstanze) weist er auf fehlende Quellen hin und rekonstruiert die Konstruktionen der Biographen. Anderers wie das legendäre Armenbegräbnis stellt er in den richtigen historischen Kontext (Begräbnisverordnung von Josef II.).

Die Hauptwerke aus den Wiener Jahren kommen ebenfalls nicht zu kurz und werden exemplarisch ohne hermeneutische Verrenkungen behandelt. Kurz ein vorzügliches biographisches Buch. Mit der Einschränkung vielleicht, dass sehr viel über die Epoche referiert wird, das man bereits kennt, wenn man sich bereits etwas näher mit dieser Zeit befasst hat.

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„Die Presse“ meint:

"Aber das Internet ist nicht schuld daran, dass Zeitungen reihenweise ihre Literaturseiten „gesundschrumpfen“. Vielmehr hat es das Monopol der traditionellen Medien auf seriöse Literaturkritik gebrochen. Blogs wie die „Notizen“ des promovierten österreichischen Literaturwissenschaftlers Christian Köllerer (koellerer.net) zeigen: Es gibt genug Qualität, man muss sie nur suchen."
(5. Januar 2013)

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