Papst führt Medien vor

Es waren nicht fünftausend gut versorgte Kleriker, die gestern den derzeit prominentesten reaktionären Bayern mit standing ovations feierten, sondern „Journalisten“ (wohl tatsächlich treffender „Medienvertreter“ genannt). Menschen mit einem Beruf also, dessen vornehmste Pflicht darin bestehen sollte, objektiv fundierte Kritik zu üben, Misstände aufzudecken und den Mächtigen auf die Finger zu sehen. Viele Journalisten sitzen weltweit in Gefängnissen, weil sie diesen ehrenwerten Beruf redlich ausübten.

Liebe Teilnehmer der gestrigen Pressekonferenz: Sich in lächerlicher Weise von einem autokratischen Religionsvertreter als denkunfähige Schreiberlinge (respektive Senderlinge) vorführen zu lassen, gehört nicht zu euren Aufgaben! Selbst dann nicht, wenn er sich höflich bei euch bedankt für die tolle Gratispropaganda, die ihr in den letzten Wochen weltweit verbreitet habt. Tolle Leistung!

Schreibt als Strafarbeit und zur Reaktivierung eurer nicht mehr messbaren Hirnfunktionen für eure Philosophieseite einen Artikel über den neuen Stellvertreter Gottes. Erörtert darin die ebenso komplexe wie interessante ontologische Frage, wie eine Repräsentationsrelation mit einem nicht existierenden Gegenstand logisch beschaffen sein muss.

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„Die Presse“ meint:

"Aber das Internet ist nicht schuld daran, dass Zeitungen reihenweise ihre Literaturseiten „gesundschrumpfen“. Vielmehr hat es das Monopol der traditionellen Medien auf seriöse Literaturkritik gebrochen. Blogs wie die „Notizen“ des promovierten österreichischen Literaturwissenschaftlers Christian Köllerer (koellerer.net) zeigen: Es gibt genug Qualität, man muss sie nur suchen."
(5. Januar 2013)

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