Die amerikanischen Medien und der Irakkrieg

Michael Massing schrieb im Februar einen aufsehenerregenden Artikel („Now They Tell Us“) in der New York Review of Books 3/2004, in dem er detailliert das Versagen der amerikanischen Presse, speziell der New York Times und der Washington Post, nachwies. Sie hätten wichtige regierungskritische Informationen bewusst ihren Lesern vorenthalten.

In der New York Times immerhin hatte man die Größe, diese Fehler anzusprechen, so am 26. Mai in einer ausführlichen redaktionellen Stellungnahme. Massing setzt in der aktuellen Ausgabe der NYRB seine Berichterstattung fort („Unfit to Print?“) und zählt erneut eine Reihe von Versäumnissen auf. Interessant ist ein Ergebnis seiner Analyse, nämlich dass man heute besser zur Washington Post als zur New York Times greift, wenn man möglichst objektive Informationen beziehen will:

The leisureliness of the Times’s coverage is especially apparent when compared to that of its top competitor. In recent months, The Washington Post has stood out among US news organizations for its sharp and insightful reporting, in both Washington and Baghdad. Hardly a day goes by that the Post does not publish some revealing story about conflicts within the Bush administration, debates within the intelligence world, Coalition policies in Iraq, and the relations among that country’s ethnic, religious, and tribal groups. During the prison scandal, the Post ran an eye-opening three-part series („The Road to Abu Ghraib“) on the abuses that had occurred not only in Iraq but also in Guantánamo, Afghanistan, and Qatar—part of a „worldwide constellation“ of secret US detention centers.

When it comes to Iraq, the rivalry between the Times and the Post has become „A Tale of Two Papers,“ the one late and lethargic, the other astute and aggressive.

Erwähnt sei noch, dass in der selben NYRB-Ausgabe Mark Danner seine Artikelserie über die amerikanischen Folterpraktiken fortsetzt („The Logic of Torture“) und plausibel nachweist, dass hier von Einzelfällen keine Rede sein kann.

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„Die Presse“ meint:

"Aber das Internet ist nicht schuld daran, dass Zeitungen reihenweise ihre Literaturseiten „gesundschrumpfen“. Vielmehr hat es das Monopol der traditionellen Medien auf seriöse Literaturkritik gebrochen. Blogs wie die „Notizen“ des promovierten österreichischen Literaturwissenschaftlers Christian Köllerer (koellerer.net) zeigen: Es gibt genug Qualität, man muss sie nur suchen."
(5. Januar 2013)

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