Christoph Hein: Landnahme. Roman

Suhrkamp bzw. Suhrkamp Taschenbuch (Amazon Partnerlinks)

Am Freitag holte ich mir den neuen Roman von Hein und begann sofort zu lesen. Wie fast alle Bücher Heins ist auch „Landnahme“ von einer sehr soliden Qualität. Literarisch nicht übermäßig aufregend, trotzdem eine anregende Lektüre.

Im Mittelpunkt steht Bernhard Haber, der Sohn von Vertriebenen, die nach dem Krieg in eine sächsische Kleinstadt eingewiesen werden, wo ihnen Hass und Ressentiment entgegen schlagen. Die Handlung spielt überwiegend in den fünfziger und sechziger Jahren und zeichnet ein wenig schmeichelhaftes Bild einer DDR Provinzstadt. Bernhard Zeit in der Schule, in der er sich als durchsetzungsstarker Außenseiter profiliert, wird ausführlich geschildert.
An dieser Stelle, eine Bitte an den Suhrkamp Verlag: Wäre es möglich, dass die „Klappentexter“, das Buch lesen, das ihr Opfer wird? Im Klappentext liest sich die Schulzeit so: „Dem Jungen begegnet man in der Schule nicht viel besser, sich durchbeißen und immer wiedere [sic!] Schläge einstecken – das erkennt er rasch als einzigen Weg.“

Doch Hein schildert Bernhard nicht klischeehaft als klassisches Opfer, der in der Schule ständig Prügel einstecken muss, sondern es ist im Gegenteil so, dass Bernhard bei Bedarf seine Mitschüler vermöbelt, wenn diese ihre Vorurteile artikulieren. Er wird nicht geliebt, ist aber respektiert und gefürchtet. Selbst gegenüber dem Schuldirektor kann er sich durchsetzen.
Das Leben des Bernhard Haber wird von fünf verschiedenen Ich-Erzählern gespiegelt, die in verschiedenen Rollen mit ihm zu tun hatten.

Hein ist ein Meister der Ich-Perspektive, was seit „Drachenblut“ kein Geheimnis mehr ist. Ein etwas größerer formaler Zusammenhalt zwischen den fünf Kapiteln wäre zwar wünschenswert gewesen, dessen Fehlen schadet dem Roman aber nicht.

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„Die Presse“ meint:

"Aber das Internet ist nicht schuld daran, dass Zeitungen reihenweise ihre Literaturseiten „gesundschrumpfen“. Vielmehr hat es das Monopol der traditionellen Medien auf seriöse Literaturkritik gebrochen. Blogs wie die „Notizen“ des promovierten österreichischen Literaturwissenschaftlers Christian Köllerer (koellerer.net) zeigen: Es gibt genug Qualität, man muss sie nur suchen."
(5. Januar 2013)

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