Gordon Brook-Shepherd: Österreich

„Eine tausendjährige Geschichte“ (Zsolnay)

Mit diesem Buch wollte ich eine kleine historische Auffrischung unternehmen. Wer könnte dafür geeigneter sein als ein britischer Historiker, der sich aus der Außenperspektive mit Österreich befasst? Der neue Zsolnay Verlag fiel bis jetzt auch nicht durch die Publikation besonders schlechter Bücher auf.

Meine Überraschung stieg von Seite zu Seite als klar wurde, dass Brook-Shepherd ein stramm konservativer Historiker ist, der aus seinen ideologischen Präferenzen keinen Hehl macht. Das wird vor allem bei seiner Schilderung der Ereignisse in der ersten Hälfte des 20. Jahrhunderts deutlich. Der Titel des Buches ist ohnehin Irre führend: 900 Jahre Geschichte werden auf 150 Seiten abgehandelt, der Rest beschäftigt sich mit dem letzten Jahrhundert.

Brook-Shepherd wird von einem Problem gequält: der patriotischen Identität der Österreicher. Ist einer der historischen Akteure in den Augen des Autors ein guter österreichischer Patriot, sind ihm seine Sympathien sicher. Den Politiker des Roten Wien in den zwanziger Jahren wirft Brook-Shepherd vor, sie hätten sich besser um nationale Belange kümmern sollen, als um Sozialpolitik…

Kurz, das Buch ist ein Ärgernis. Lesen sollte man es nur, wenn man genügend Metainteresse aufbringt, um sich mit konservativer Geschichtsbeschreibung beschäftigen zu wollen. Dass dieses Buch ausgerechnet bei Zsolnay erschienen ist, ist kein verlegerisches Ruhmesblatt.

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„Die Presse“ meint:

"Aber das Internet ist nicht schuld daran, dass Zeitungen reihenweise ihre Literaturseiten „gesundschrumpfen“. Vielmehr hat es das Monopol der traditionellen Medien auf seriöse Literaturkritik gebrochen. Blogs wie die „Notizen“ des promovierten österreichischen Literaturwissenschaftlers Christian Köllerer (koellerer.net) zeigen: Es gibt genug Qualität, man muss sie nur suchen."
(5. Januar 2013)

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